Wohnungsneubau schwächer als erwartet

Wienerberger zum Halbjahr ohne Gewinn

Mittwoch, 12. August 2026 | 09:33 Uhr

Von: importer

Der börsennotierte Baustoffkonzern Wienerberger hat heuer im ersten Halbjahr in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld keinen Gewinn mehr geschrieben. Unter dem Strich blieben 0 Euro, wie aus dem aktuellen Halbjahresbericht des Unternehmens vom Mittwoch hervorgeht. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren noch 106 Mio. Euro erzielt worden. Der CEO des Unternehmens zog sich am Montag aus gesundheitlichen Gründen von der Konzernspitze zurück.

Der Gewinnausblick für das Gesamtjahr wurde im Juli gesenkt und am Mittwoch auf dem niedrigeren Niveau bestätigt. Für 2026 erwartete das Management ein operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 700 Mio. Euro – bis Juli war mit rund 100 Mio. Euro mehr gerechnet worden. Der Wert ist bereinigt um den Verkauf von nicht betriebsnotwendigem Vermögen und Strukturanpassungen.

Operativ deutlich schlechter

Im ersten Halbjahr verringerte sich das operative EBITDA um 15 Prozent von 383 Mio. auf 326 Mio. Euro. Die dazugehörige Marge sank von 16,3 auf 13,4 Prozent. Das EBITDA sank von 379 Mio. auf 256 Mio. Euro.

Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) brach in den ersten sechs Monaten 2026 von 198 Mio. auf 60 Mio. Euro ein. Der Gewinn je Aktie (EPS) pulverisierte sich von 0,97 auf 0,01 Euro.

Der Personalstand erhöhte sich – Wienerberger beschäftigte im Schnitt weltweit 20.941 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Vollzeitäquivalente), im Vorjahreszeitraum waren es 20.378. Nach oben ging es auch mit dem Halbjahresumsatz und mit den Schulden. Die Verkaufserlöse stiegen um 4 Prozent auf 2,4 Mrd. Euro, die Nettoverschuldung legte um 47 Prozent auf ebenfalls 2,4 Mrd. Euro zu.

Wohnungsneubau schwächer als erwartet

Im zweiten Quartal 2026 legten die Verkaufserlöse gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres um 13 Prozent auf 1,4 Mrd. Euro zu. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) verringerte sich von 253 auf 230 Mio. Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch bekanntgab und damit die vorläufigen Zahlen vom Juli bestätigte.

Als Hauptgründe für den rückläufigen operativen Gewinn führte Wienerberger die schwächer als erwartete Wohnungsneubautätigkeit, insbesondere in den USA, Kanada und Großbritannien, sowie die erhöhte Kosteninflation infolge geopolitischer Konflikte an.

Der Umsatzanstieg wiederum sei von der weiterhin robusten Entwicklung in den Bereichen Infrastruktur und Renovierung getragen, die den Angaben zufolge inzwischen mehr als 60 Prozent des Konzernumsatzes ausmachen, sowie von Akquisitionen. Das organische Wachstum belief sich den Angaben zufolge auf 7 Prozent, der Beitrag aus Mergers und Acquisitions (M&A) auf 6 Prozent.

Neuer CEO

“Mit der größten Portfoliotransformation in der Geschichte von Wienerberger haben wir den Schwerpunkt unseres Geschäfts auf die strukturell widerstandsfähigen Märkte Renovierung und Infrastruktur verlagert”, teilte der interimistische Konzernchef Gerhard Hanke via Aussendung mit. Die erwartete Erholung im Wohnungsneubau sei “bislang ausgeblieben”. Dank der Akquisition von Italcer und gezielter Investitionen in die Bereiche Dach und Infrastruktur würden bereits mehr als 60 Prozent unseres Umsatzes in diesen zukunftsstarken Segmenten erzielt.

Der bisherige CEO Heimo Scheuch hatte zu Beginn der Woche seinen vorzeitigen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen bekanntgegeben. Sein Vize Hanke rückte interimistisch nach. Die Suche nach einem neuen Konzernchef läuft.

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