Von: APA/AFP
Seit Beginn der Hitzewelle sind in Frankreich nach Behördenangaben mindestens 55 Menschen bei Badeunfällen ums Leben gekommen. Etwa zwei Drittel der Unfälle ereigneten sich an nicht überwachten oder illegalen Badestellen, sagte Sportministerin Marina Ferrari am Freitag. Es sei zu befürchten, dass die Zahl der Badetoten noch steigt. Seit dem massiven Anstieg der Temperaturen suchen vor allem junge Menschen Abkühlung in Flüssen und Kanälen, in denen Baden untersagt ist.
Nachdem es immer wieder zu Spannungen zwischen Polizei und Jugendlichen gekommen war, die von Brücken und vom Ufer ins Wasser sprangen, eröffnete der Pariser Bürgermeister Emmanuel Grégoire inzwischen eine Badestelle am Canal Saint-Martin. Die Hitzewelle ebbt in Frankreich am Freitag allmählich ab, von der Atlantikküste strömt kühle Luft ins Land. In 61 von 101 Départements gilt allerdings weiterhin die höchste Warnstufe.
Pariser Gay Pride und Musikfestivals abgesagt
Wegen der Hitze und der angespannten Lage in Frankreichs Krankenhäusern wurde unterdessen die Pariser Gay Pride abgesagt. Die Parade für die Gleichberechtigung queerer Menschen werde voraussichtlich im September nachgeholt, teilten die Veranstalter am Freitag mit. Auch das Musikfestival Solidays und weitere Veranstaltungen im Freien wurden abgesagt. Die Pariser Polizei hatte die Organisatoren um die Absagen gebeten und zugleich mit einem Verbot per Dekret gedroht. “Die Rettungsdienste und das Gesundheitssystem sind bereits stark ausgelastet”, so die Präfektur. Eine Versammlung von mehreren Hunderttausend Menschen stelle ein zu hohes Risiko für das überstrapazierte Gesundheitssystem dar.
Aus demselben Grund ist in Paris der Verkauf von Alkohol ab Freitagabend verboten. Bereits ab dem Nachmittag darf Alkohol nicht mehr in der Öffentlichkeit konsumiert werden. Innenminister Laurent Nuñez wies die Behörden im Rest des Landes an, ebenfalls den Alkoholverkauf einzuschränken.
Schulen bekommen 130 Millionen Euro für Klimaanlagen
Angesichts zunehmend häufiger Hitzewellen sollen Schulen und Kindertagesstätten in Frankreich um 130 Millionen Euro mit Klimaanlagen und anderen “Erfrischungssystemen” ausgestattet werden. Angeschafft werden sollen unter anderem auch Ventilatoren und Wasserzerstäuber, wie der Energiekonzern EDF am Freitag mitteilte. Bis Ende September sollen demnach 10.000 Einrichtungen ausgestattet werden.
Die Regierung will sich zunächst auf 2.500 Schulen konzentrieren, die besonders von der Hitze betroffen sind. Als Notmaßnahmen sind das Anbringen von Markisen, Schattendächern und eine bessere Belüftung vorgesehen.
3.500 Schulen am bisher heißesten Tag geschlossen
Am Donnerstag, dem heißesten Tag der Hitzewelle in Frankreich, waren rund 3.500 Schulen geschlossen geblieben, etwa 10.000 weitere hatten die Unterrichtszeiten angepasst. Mehr als 850.000 französische Schülerinnen und Schüler an weiterführenden Schulen schreiben ab Freitag ihre Abschlussprüfungen für die Mittelstufe. Das Bildungsministerium kündigte an, ab dem nächsten Schuljahr Abschlussprüfungen nur noch an Vormittagen anzusetzen.
Französische Schulen sind überwiegend schlecht auf hohe Temperaturen eingestellt. In vielen alten Gebäuden weisen die Klassenzimmer nach Süden, damit im Winter die Sonne hineinscheint. In Paris sind die Klassen oft überfüllt und haben keinerlei Sonnenschutz. Wissenschafter rechnen damit, dass Hitzewellen infolge des menschengemachten Klimawandels künftig häufiger auch außerhalb des Hochsommers auftreten. Bereits im Mai hatte es in Mittel- und Westeuropa eine frühe Hitzewelle gegeben.




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