Prozess mehr als 30 Jahre nach der Tat

81-Jähriger gestand Mord an US-Touristin 1994 in Deutschland

Dienstag, 18. August 2026 | 13:02 Uhr

Von: importer

Vor dem Landgericht Koblenz hat am Dienstag der Prozess gegen einen 81-Jährigen begonnen, der 1994 die US-amerikanische Touristin Amy Lopez in der deutschen Stadt sexuell missbraucht und ermordet haben soll. Die Staatsanwaltschaft legt dem Mann zur Last, “zur Befriedigung des Geschlechtstriebs heimtückisch und sonst aus niedrigen Beweggründen einen Menschen getötet zu haben”. Verteidiger Volker Klein erklärte, dass der Angeklagte die Tat vollumfänglich einräumt.

Im Anschluss nickte der 81-Jährige und antwortete mit “ja”, als der Vorsitzende Richter Rupert Stehlin fragte, ob dies der Wahrheit entspreche. Zum Prozessauftakt war der Angeklagte mit Rollator erschienen. Zittrig setzte er sich auf die Anklagebank. Aufmerksam mit Blick in Richtung des vortragenden Staatsanwalts Julian Gislei verfolgte er die Anklageverlesung.

Missbraucht, geschlagen, erstochen

Das Verbrechen geschah am 26. September 1994. Die 24 Jahre alte Amy Lopez war damals laut Staatsanwaltschaft als Touristin in Koblenz, dies gehörte zu ihrer Europareise. Demnach wollte sie die Festung Ehrenbreitstein besichtigen und in der dortigen Jugendherberge übernachten.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem damals 49 Jahre alten Mann vor, sie unter einem Vorwand auf der Festung in ein Zimmer gelockt zu haben. Dort soll er sie mit Handschellen gefesselt, sexuell missbraucht und mit neun Messerstichen in den Brustbereich getötet haben. Kurz nach der Tat fanden spielende Kinder die Leiche.

Mann gab freiwillig DNA-Probe ab

Lange blieb der Fall ungeklärt. Eine Auswertung alter DNA-Spuren mit neuen technischen Möglichkeiten hatte dann zum Durchbruch verholfen – mit maßgeblicher Beteiligung von Spezialisten des hessischen Landeskriminalamts. So waren am Hosenbund und am Oberschenkel des Opfers DNA-Spuren gefunden worden, die schließlich aufgrund moderner Analysemethoden dem heute 81-Jährigen zugeordnet werden konnten.

Der Mann war Ende Februar 2026 in einem Altersheim im Raum Koblenz festgenommen worden, seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Warum der Mann freiwillig eine DNA-Probe abgegeben habe? “Weil er endlich Klarheit haben wollte”, sagte sein Anwalt. Es habe ihn “extrem belastet”, weshalb er sich der Verantwortung stellen wollte.

Urteil wegen Mordes erwartet

Nach bisheriger Einschätzung eines Gutachters war der Angeklagte bei klarem Verstand und zur Tatzeit voll schuldfähig. “Es wird eine Verurteilung wegen Mordes”, sagte Verteidiger Klein nach der Verhandlung. Wie diese konkret aussehen wird, bleibe abzuwarten. Sollte eine besondere Schwere der Schuld festgestellt werden, “dann bleibt er eben im Gefängnis und wird da vermutlich auch sterben”, so der Rechtsanwalt des 81-Jährigen. Die Familie des Opfers war durch ihre Anwälte zum Prozessauftakt vertreten. Demnach erhoffe sich die Familie eine lückenlose Aufklärung und eine lebenslange Freiheitsstrafe.

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