Von: Sophia Molitor
Innsbruck – Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gewässer im Alpenraum werden nach Einschätzung der Arbeitsgemeinschaft der Fischereiverbände der Alpenländer (ARGEFA) zunehmend sichtbar. Bei ihrer Jahrestagung am 11. und 12. September in Innsbruck haben die Mitgliedsverbände deshalb verstärkte Anstrengungen für die Renaturierung und ökologische Aufwertung von Flüssen und Bächen gefordert.
Steigende Wassertemperaturen, längere Niedrigwasserperioden, Extremwetterereignisse und veränderte Abflussverhältnisse setzen den aquatischen Ökosystemen zu. Besonders gefährdet sind demnach kaltwasserliebende Fischarten und andere Tier- und Pflanzenarten, die auf intakte Gewässerlebensräume angewiesen sind.
Nach Ansicht der ARGEFA können naturnahe Gewässer die Folgen solcher Entwicklungen besser abfedern. Gefordert werden unter anderem die Wiederherstellung natürlicher Flussstrukturen und Auen, eine bessere Durchgängigkeit der Gewässer sowie ausreichend Wasser auch während längerer Trockenperioden. Zudem müssten wasserwirtschaftliche Planungen den Klimawandel stärker berücksichtigen und ausreichend finanzielle Mittel für Renaturierungsprojekte bereitgestellt werden.
Hitzesommer und Starkregen in Südtirol
Auch in Südtirol haben sich die unterschiedlichen Auswirkungen des diesjährigen Sommers an den Gewässern gezeigt. Trotz deutlicher Abflussdefizite gegenüber den langjährigen Vergleichswerten kam es nach Angaben des Fischereiverbands Südtirol vergleichsweise selten zur vollständigen Austrocknung von Gewässerabschnitten. Als mögliche Ursache wird unter anderem die verbesserte Restwasserabgabe an zahlreichen Wasserfassungen genannt.
Gleichzeitig führten heftige Gewitter zwischen Juni und Ende August wiederholt zu Überschwemmungen und Muren. Dabei wurden große Mengen an Gestein, Geröll und anderem Material mobilisiert. Für einzelne Fischgewässer hatten die Ereignisse gravierende Folgen. In manchen Abschnitten wurden die Fischbestände auf mehreren Kilometern nahezu vollständig vernichtet.
Starkregen und Hochwasser gehören zwar zur natürlichen Dynamik alpiner Gewässer. Nach Einschätzung des Fischereiverbands können die Folgen jedoch schwerer ausfallen, wenn Flüsse durch Verbauungen eingeengt sind und natürliche Ausweich- und Regenerationsräume fehlen.
Hinzu kommen Veränderungen durch die Gletscherschmelze. Die früher einsetzende und länger anhaltende Schmelze sowie die hohen Temperaturen hätten die Trübwasserphasen in größeren Fließgewässern wie Etsch und Eisack deutlich verlängert. Welche langfristigen Auswirkungen dies auf Fische und die gesamte Gewässerökologie hat, lasse sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen.
Forderung nach mehr natürlichen Rückzugsräumen
Für die Fischereiverbände zeigen die Entwicklungen, dass Flüsse und Bäche angesichts zunehmender Wetterextreme wieder mehr Raum benötigen. Strukturreiche Lebensräume und natürliche Rückzugsgebiete könnten dazu beitragen, die Widerstandsfähigkeit der Gewässer zu erhöhen und eine schnellere Wiederbesiedlung geschädigter Abschnitte zu ermöglichen.
„Die Klimakrise zeigt sich in unseren Gewässern bereits heute deutlich“, erklärte ARGEFA-Präsident Sebastian Hanfland. Renaturierungen seien deshalb eine notwendige Investition in Natur, Wasserressourcen und Gesellschaft.
Die ARGEFA besteht seit 1985 und vereint Fischereiorganisationen aus Baden-Württemberg, Bayern, Liechtenstein, Österreich, der Schweiz, Südtirol, Tirol und Slowenien. Gemeinsam vertreten die Verbände nach eigenen Angaben die Interessen von mehr als 500.000 Anglerinnen und Anglern.




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