Der Rettungseinsatz wurde wegen Überflutungsgefahr unterbrochen

Angst vor weiterem Dammbruch nach Sturzflut in Nepal

Freitag, 28. August 2026 | 10:02 Uhr

Von: importer

Nach der tödlichen Sturzflut-Katastrophe in der Gebirgsregion zwischen China und Nepal ist die Zahl der Toten weiter gestiegen. In Nepal seien bisher 469 Leichen geborgen worden, teilte die nepalesische Polizei mit. Damit liegt die Gesamtzahl der bestätigten Toten in China und Nepal bei 472, nachdem China bisher drei Opfer vermeldet hatte. Zudem wurden bisher 1.545 Verletzte und Gestrandete gerettet. Sorge bereitet ein möglicher weiterer Dammbruch in der Region.

Für Beunruhigung sorgt bei den Behörden in China ein neu angestauter See, der sich als Folge der Sturzflut durch weitere Erdrutsche an einer Flussmündung gebildet hat. Wegen der Gefahr des Überlaufens und einer neuen Flut stellten die Rettungskräfte laut Berichten des Staatsfernsehens die Rettungsarbeiten am schwer getroffenen Grenzübergang Gyirong flussabwärts von dem See vorübergehend ein.

Wissenschaftler Xu Qiang von der technischen Universität Chengdu hatte zuvor im chinesischen Staatsfernsehen gesagt, in dem See hätten sich geschätzt zwei Millionen Kubikmeter Wasser gesammelt. Durch Regenfälle in den kommenden Tagen bestehe die Gefahr von Dammbrüchen, erklärte Xu. Die Wettervorhersage geht von Niederschlägen in den kommenden drei Tagen aus. Das und eine mögliche neue Sturzflut könnten die Rettungsarbeiten erschweren, sollten dadurch die Zufahrtswege in das Katastrophengebiet erneut unpassierbar gemacht werden.

Schwierigkeiten bei Identifizierung

Probleme gibt es auch bei der Identifizierung der Opfer. “Es wird noch einige Zeit dauern, bis wir einen vollständigen Überblick über die Vermissten haben, da wir derzeit noch kein klares Bild haben”, sagte Polizeisprecher Abi Narayan Kafle der Deutschen Presse-Agentur. Das könne noch Tage dauern. Laut Polizeiangaben wurden viele Leichen noch nicht identifiziert, auch weil die Körper von der Flut stark beeinträchtigt wurden.

Viele ausländische Touristen, darunter auch acht Deutsche, werden unterdessen weiter vermisst. Nepal hatte die Vermisstenzahl zuletzt mit 977 angegeben. China meldete bisher 558 Vermisste, 260 davon Ausländer. 555 betroffene Touristen sowie 499 Einheimische und Bauarbeiter in der Katastrophenregion in Tibet seien evakuiert worden, berichtete Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Mittlerweile stellten chinesische Techniker in dem Gebiet auch das zusammengebrochene Telekommunikationsnetz wieder her.

Ganze Dörfer weggespült

Am Mittwoch war eine Sturzflut über den Fluss Bhotekoshi von Nepal aus durch die Grenzregion im Südwesten Tibets bis hinein nach Zentralnepal geschossen und hatte eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Ganze Dörfer wurden in Nepal laut Augenzeugenberichten weggespült. Die Nepalesin Parbati Adhikari erzählte, ihr Dorf Tupche in der Provinz Bagmati sei fast vollständig ausgelöscht worden. Ihr zufolge hatten dort 60 bis 70 Menschen gewohnt. Es sei nicht bekannt, wie viele von ihnen noch am Leben seien.

Die Fluten rissen außerdem Brücken mit und richteten schwere Schäden an Staudämmen und Gebäuden an. In China überflutete die Schlammlawine den Grenzübergang Gyirong, der eine Hauptverbindung in der Region nach Nepal ist, auch für Tourismus und Handel. Die betroffene Region im Himalaya ist bei Bergsteigern und Pilgern beliebt, die zum Beispiel in den Nationalpark Langtang in Nepal wandern oder heilige Berge in Tibet besichtigen wollen.

Was die Sturzflut auslöste, ist noch nicht abschließend geklärt. Eine viel genannte Vermutung ist, dass ein Gletschersturz auf nepalesischer Seite die Lawine aus Wasser und Schlamm in Gang setzte. Die Wucht war so stark, dass Erdbeben-Messinstrumente ausschlugen. Zudem begünstigte nach Expertenmeinung das enge und steile Flusstal, dass sich die Wassermassen derart auftürmen konnten.

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