Von: Lukas Unterkofler
Ceuta/Bozen – Während die politische Debatte über Migration in Europa an Schärfe gewann, spitzte sich in der spanischen Exklave Ceuta die humanitäre Lage weiter zu. Tausende Migranten, die in den vergangenen Tagen aus Marokko eingetroffen sind, harrten dort unter schwierigen Bedingungen aus. Mittlerweile sind die meisten wieder nach Marokko zurückgekehrt, doch die aufgeflammte Debatte hallt nach. Mitten im Krisengebiet fand sich die Boznerin Francesca Fusaro wieder. Sie ist dort für die Hilfsorganisation „No Name Kitchen“ im Einsatz.
Die 30-Jährige ist seit 2021 in Ceuta tätig und koordiniert die Arbeit der NGO, die entlang der Migrationsrouten medizinische, rechtliche und humanitäre Hilfe leistet. Nach ihren Schilderungen gegenüber der Zeitung Alto Adige befinden sich noch immer zahlreiche Menschen ohne ausreichende Versorgung auf den Straßen, andere hätten Zuflucht in Häusern oder Wäldern gesucht.
“Die Situation ist wirklich dramatisch”, sagt Fusaro. Gemeinsam mit ihrem Team verteile sie Wasser und Lebensmittel, leiste Erste Hilfe und dokumentiere zugleich mögliche Menschenrechtsverletzungen. Juristen der Organisation prüften derzeit verschiedene Vorfälle, um rechtliche Schritte vorzubereiten.
Nach Angaben der Boznerin verschärfen auch politische Spannungen die Situation. In Ceuta seien Gruppen der extremen Rechten aufgetreten, die sich gegen Menschen nordafrikanischer Herkunft richteten – selbst wenn diese in Ceuta geboren und aufgewachsen seien. Staatliche Unterstützung für die humanitäre Versorgung fehle bislang weitgehend, diese werde vor allem von Hilfsorganisationen und Freiwilligen getragen.
Viele der Migranten seien inzwischen wieder nach Marokko zurückgekehrt. Fusaro führt dies sowohl auf den Druck der spanischen Behörden als auch auf die fehlende Versorgung vor Ort zurück. “Die Menschen kamen hier an und fanden keinerlei Unterstützung”, berichtet sie.
Kritisch äußert sich die Südtirolerin auch zur Entscheidung Italiens, als Reaktion auf die Ereignisse die Kontrollen an den Grenzen zu verschärfen. Ceuta gehöre nicht zum Schengen-Raum, betont sie. Die Vorstellung, Migranten könnten von dort aus ungehindert in andere europäische Länder weiterreisen, entspreche nicht der Realität. Vielmehr seien die Betroffenen in der Exklave faktisch festgesetzt.
Fusaro appelliert stattdessen, den Fokus stärker auf die humanitäre Notlage der Menschen vor Ort zu richten, anstatt die Krise ausschließlich als sicherheitspolitisches Thema zu behandeln.




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