Von: Sophia Molitor
Bozen – Seit dem Schuljahr 2026/27 gilt auch in Südtirol die Regel, dass für bestimmte schulische Aktivitäten zum Thema Sexualität eine vorherige schriftliche Zustimmung der Eltern erforderlich ist. Das italienische Staatsgesetzt, das unter Bildungsminister Giuseppe Valditara verabschiedet wurde, trat am 7. Juli entgültig in Kraft und gilt an Mittel- und Oberschulen für außercurriculare Angebote und Angebote zur Erweiterung des Bildungsangebots. Bei volljährigen Schülern können diese selbst zustimmen.
Bei regulärem Unterricht wo es sich um die zwischenmenschliche Bildung von Respekt, verantwortungsvollen Beziehungen, Empathie, Menschenwürde sowie zur Prävention von Gewalt und Diskriminierung handelt, ist die Zustimmung nicht erforderlich. Sollten die Eltern die Zustimmung zu einer zustimmungspflichtigen Aktivität verweigern, nimmt der Schüler daran nicht teil; bei bestimmten Bildungsangeboten muss die Schule eine alternative Tätigkeit anbieten.
Landesrat für die italienische Bildung, Marco Galateo, unterstützt die neue Regelung und die Linie von Bildungsminister Giuseppe Valditara. Sexualerziehung lehnt er in der bisherigen Form ab und kritisiert den Umgang mit dem heiklen Thema: „Ich betone mein klares Nein dazu, wie mit einer äußerst sensiblen Angelegenheit umgegangen wurde, die aus meiner Sicht in die Hände von Verbänden gelegt wurde, die mit öffentlichen Geldern ideologisch geprägte Aktivitäten zu den Themen Woke und Gender durchführten.“ Stattdessen sieht er eine stärkere Einbindung von Kinderärzten und Psychiatern sowie Angebote zur Beziehungserziehung zwischen Mann und Frau und zur Prävention von Femiziden angebrachter.
Landesrat für die deutsche Bildung Philipp Achammer vertritt eine abweichende Position und denkt über ein eigenes Landesgesetz nach, mit anderen Regeln für Südtirol.
Der Schulamtsleiter der italienischen Schulen in Bozen, Vincenzo Gullotta, stellt noch mal verschärft klar, dass die Zustimmungspflicht nicht pauschal für jede Form von Sexual- oder Beziehungserziehung gilt. „Der Inhalt und die Art der Aktivität gehören überprüft“, betont Gullotta.
Führt nicht gerade der falsche Umgang mit den eigenen Instikten zu Gewalt?
Warum das Thema Sexualität strikt von der Beziehungserziehung getrennt wird, obwohl es ein wesentlicher Bestandteil zwischenmenschlicher Beziehungen ist, wird von den jeweiligen Akteuren nicht näher erläutert. Gerade im jungen Alter kann der Umgang mit Sexualität stark von körperlichen Entwicklungen, Hormonen und menschlichen Trieben geprägt sein. Umso wichtiger könnte es sein, jungen Menschen auch zu vermitteln, wie sie diese Impulse einordnen, mit ihnen umgehen und ihre eigenen Grenzen und die Grenzen anderer respektieren können. Dazu gehört auch die Frage, wie ein respektvoller Umgang zwischen Männern und Frauen vermittelt werden kann, wenn die körperlichen und emotionalen Aspekte von Sexualität in der Erziehung weitgehend ausgeklammert werden.
Gerade die Auseinandersetzung mit eigenen Trieben und deren Kontrolle kann dabei auch im Zusammenhang mit der Prävention von übergriffigem und gewalttätigem Verhalten relevant sein.




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