Von: luk
Bozen – Die Ermittlungen rund um mutmaßlich gefälschte Sprachzertifikate und Zweisprachigkeitsnachweise in Südtirol nehmen eine neue Dimension an.
Die Finanzpolizei Bozen hat im Auftrag der Staatsanwaltschaft in den vergangenen Wochen mehrere Schulen in der Provinz Caserta sowie in Rom durchsucht. Im Fokus stehen akkreditierte TELC-Prüfungszentren, an denen unter anderem Deutsch-Sprachzertifikate ausgestellt wurden.
Ausgangspunkt der neuen Ermittlungsphase war eine auffällige Häufung von Anträgen auf Anerkennung von TELC-Zertifikaten. Zahlreiche Kandidaten sollen die Prüfungen an weit von Südtirol entfernten Standorten abgelegt haben – obwohl es auch im Land mehrere anerkannte Prüfungsstellen gibt.
Nach Angaben der Finanzpolizei werden derzeit mehr als 1.700 Sprachzertifikate überprüft. Sie wurden zwischen 2020 und Mai 2026 von den nun ins Visier geratenen Prüfungszentren ausgestellt und anschließend beim Amt für Zweisprachigkeit und Fremdsprachen des Landes zur Anerkennung eingereicht. Die daraus hervorgegangenen Zweisprachigkeitsnachweise wurden in der Folge für Stellen im öffentlichen Dienst verwendet.
Besonders stark betroffen ist laut den bisherigen Ermittlungen der Gesundheitsbereich. Daneben betreffen die Untersuchungen Gemeinden sowie Landes- und Regionalbehörden, aber auch staatliche Verwaltungen, öffentliche Beteiligungsgesellschaften und Unternehmen des öffentlichen Verkehrs.
Bei den Durchsuchungen stellten die Ermittler umfangreiche Unterlagen und digitale Daten zur Organisation und Durchführung der Sprachprüfungen sicher. Deren Auswertung dürfte mehrere Monate in Anspruch nehmen. Erste Überprüfungen führten bereits zu weiteren Personen, die mutmaßlich gegen Bezahlung als Vermittler tätig waren und Kandidaten für die Prüfungen organisiert haben sollen.
Parallel dazu arbeitet die Finanzpolizei mit der TELC-Zertifizierungsstelle mit Sitz in Frankfurt zusammen. Auch dort wurden Unterlagen zu den einzelnen Prüfungen angefordert, die nun ausgewertet werden.
Bereits in den vergangenen Monaten waren im Zusammenhang mit mutmaßlich gefälschten Zweisprachigkeitsnachweisen mehr als 40 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes wegen des Verdachts auf Betrug und Urkundenfälschung ins Ermittlungsregister eingetragen worden. Gegen einen weiteren Verdächtigen war eine freiheitsbeschränkende Maßnahme verhängt worden. Er soll als Kontaktperson für die Beschaffung gefälschter Zertifikate fungiert haben.
Ziel der laufenden Ermittlungen ist es, mögliche Vermittlungsstrukturen und unrechtmäßig erworbene Sprachzertifikate aufzudecken. Sollte sich deren Ungültigkeit bestätigen, könnten die betroffenen Zweisprachigkeitsnachweise aberkannt werden. Zudem drohen strafrechtliche und finanzielle Folgen.




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