Widerstand von Tierschutzorganisationen

Dritter Wolfsabschuss in Südtirol für 2026 genehmigt

Samstag, 12. September 2026 | 15:08 Uhr

Von: Redaktion Südtirol News

Bozen – In Südtirol ist die Entnahme eines weiteren Wolfes genehmigt worden. Das Dekret der Landesregierung betrifft die Gemeindegebiete von Ulten und Kastelbell-Tschars. Es handelt sich um die dritte im Jahr 2026 angeordnete Wolfsentnahme.

Grund für die Maßnahme sind mehrere Nutztierrisse in Ulten. Zwischen dem 15. Juni und dem 8. September wurden auf den Almen Marschnell, Kuppelwies, Flatschberg, Tufer und Innerfalkomai insgesamt 22 Schafe und vier Ziegen gerissen. Laut Landesforstkorps sind Wölfe für die Risse verantwortlich.

Das Dekret ist bereits in Kraft. Der Wolf darf vom Landesforstkorps entnommen werden. Zuletzt war Anfang Juli ein Wolf in Enneberg abgeschossen worden.

Kritik von Tierschutzorganisationen

Die neuerliche Entnahme stößt bei Tierschutzorganisationen auf Kritik. Die Lega Anti Vivisezione (LAV) kündigte an, den Fall auf europäischer Ebene prüfen zu lassen. Die Organisation kritisiert unter anderem, dass das Dekret am späten Freitagnachmittag veröffentlicht wurde und dadurch eine Anfechtung vor dem Verwaltungsgericht erschwert worden sei. Die LAV sieht darin einen möglichen Verstoß gegen die Aarhus-Konvention, die unter anderem die Beteiligung der Öffentlichkeit an bestimmten behördlichen Entscheidungsverfahren regelt.

Auch der Verein „Io non ho paura del lupo APS“ äußerte sich kritisch. Nach Ansicht des Vereins müsse zunächst geklärt werden, welche Maßnahmen zum Schutz der Nutztiere auf den betroffenen Almen eingesetzt wurden und wie wirksam diese waren. Zudem fordert die Organisation mehr Transparenz beim technischen und verfahrensrechtlichen Ablauf der Genehmigungen.

Der Verein weist außerdem darauf hin, dass die im Dekret genannten Nutztiere überwiegend frei auf den Weiden gehalten und nicht durchgehend kontrolliert worden seien. Im Dekret wird demnach angegeben, dass die Kontrollen je nach Situation täglich oder mehrmals pro Woche erfolgten.

Die Tierschutzorganisationen stellen grundsätzlich die Frage, in welchem Ausmaß Abschüsse zur Verringerung von Nutztierrissen beitragen, und fordern eine stärkere Überprüfung von Präventionsmaßnahmen und deren Wirksamkeit.

Bezirk: Bozen

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