Einsatz in Nagelstudio bei Razzia gegen Menschenhandel

Dutzende Festnahmen wegen Menschenhandels bei Europol-Aktion

Freitag, 23. Oktober 2026 | 06:01 Uhr

Von: importer

Das europäische Polizeiamt Europol und die Europäische Arbeitsbehörde (ELA) haben am Freitag mit Behörden aus 34 Ländern die Ergebnisse einer europaweiten Aktionswoche gegen Menschenhandel zur Arbeitsausbeutung bekannt gemacht. Im Fokus standen einschlägige “Hochrisikobranchen” wie Landwirtschaft, Bau, Gastgewerbe, Nagelstudios und Massagesalons. 27 mutmaßliche Menschenhändler wurden festgenommen, darunter Verdächtige aus Ungarn, Vietnam, Montenegro und den Niederlanden.

248 Opfer und potenzielle Opfer wurden identifiziert. Sie stammen überwiegend aus Vietnam, China, Indien und den Philippinen. Zusätzlich gab es 86 Festnahmen wegen weiterer Delikte wie illegaler Beschäftigung oder Prostitution. 182 neue Ermittlungen wegen Menschenhandels wurden eingeleitet. In Österreich untersuchte die Polizei einen Fall, in dem Eltern ihre Kinder zum erzwungenen Betteln ausbeuteten. Er wurde bei Kontrollen lokaler Unternehmen aufgedeckt, hieß es in einer Aussendung.

Mehr als 16.000 Einsatzkräfte beteiligt

Polizei, Grenzschutz, Arbeitsinspektorate und Steuerbehörden zogen bei der Operation vom 14. bis 20. September an einem Strang. Insgesamt waren 16.031 Einsatzkräfte beteiligt, die 137.810 Überprüfungen von Personen, Orten, Fahrzeugen und Dokumenten durchführten. Aufgedeckt wurden auch Fälle von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung, zum Betteln und zur Zwangsarbeit im häuslichen Bereich.

“Nur wenige Tage nachdem wir unsere neue EU-Strategie gegen Menschenhandel vorgestellt haben, zeigt diese Operation beispielhaft, warum man das Thema dringend angehen muss. Gleichzeitig findet Ausbeutung statt – hinter den Fassaden von Gebäuden, Geschäften und Restaurants, an denen wir jeden Tag vorbeigehen”, sagte Magnus Brunner, EU-Kommissar für Inneres und Migration und ehemaliger österreichischer Finanzminister.

Arbeitsausbeutung sei ein großes, aber oft zu wenig gemeldetes Problem. Durch stärkere Kooperation zwischen Strafverfolgungs- und Arbeitsbehörden will Europol den Fluss verwertbarer Informationen verbessern und so den Behörden helfen, organisierte kriminelle Netzwerke hinter Arbeitsmissbrauch aufzudecken.

Ausbeutung in Landwirtschaft oder in Fabriken

Auf Zypern wurde ein Arbeiter auf einer Viehfarm entdeckt, der unter erbärmlichen Bedingungen lebte und gezwungen wurde, täglich zehn Stunden ohne Bezahlung und ohne freie Tage zu arbeiten. In einer Lithiumbatteriefabrik in Kotka (Finnland) waren mehr als 300 chinesische Arbeitskräfte von ausländischen Unternehmen eingestellt worden. Die Behörden prüfen nun die Beschäftigungsbedingungen. In Ungarn wurden 15 Opfer, alle ungarische Staatsangehörige, gefunden, die in der Landwirtschaft Zwangsarbeit und häuslicher Ausbeutung ausgesetzt waren, darunter unterbezahlte Arbeit und eingeschränkte Bewegungsfreiheit.

Die deutschen Behörden identifizierten 63 Opfer, vorwiegend aus Vietnam und China, in der Gastronomie und in Nagelstudios und deckten Fälle von Unterbezahlung, illegaler Beschäftigung und eingeschränkter Freiheit auf. In Rumänien waren schutzbedürftige Personen, auch Minderjährige, mit dem Versprechen fairer Bezahlung angelockt worden und mussten dann mehr als zwölf Stunden täglich in der Landwirtschaft arbeiten, ohne Lohn.

Die Behörden hätten “hervorragende Arbeit geleistet, Fälle aufgedeckt und Opfer in Sicherheit gebracht. Wir wollen unsere Einsatzkräfte weiter stärken – mit einem stärkeren Mandat für Europol und indem wir den skrupellosen Kriminellen ihre Profite entziehen”, betonte Brunner.

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