Von: Lukas Unterkofler
Bozen – Die Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit. Darauf weist die Bozner Kinderärztin Emanuela Pedevilla hin. Anlass ist der Tod eines nicht geimpften Kindes im US-Bundesstaat New York. Dort ist erstmals seit 30 Jahren ein Kind an den Folgen einer Maserninfektion gestorben. „Machen wir, dass so etwas nicht auch bei uns passiert“, appelliert Pedevilla an die Familien.
Die Impfbereitschaft in Südtirol bereitet den Fachleuten Sorgen. Bei der zweiten Masernimpfung liegt die Durchimpfungsrate hierzulande unter 75 Prozent. Damit befindet sich Südtirol auf einem ähnlich niedrigen Niveau wie Kampanien und Sizilien. Der italienweite Durchschnitt beträgt 84,45 Prozent. Angestrebt wird eine Quote von mindestens 95 Prozent, um eine ausreichende Immunität in der Bevölkerung zu erreichen. Auch bei der ersten Impfdosis bleibt Südtirol mit 90,22 Prozent hinter dem nationalen Durchschnitt von 94,77 Prozent zurück. Zwei Dosen der Masern-Impfung sind notwendig, um einen vollständigen, meist lebenslangen Schutz zu erreichen und Impflücken zu schließen.
Dabei können Masern schwere Folgen haben. Laut Sanitätsbetrieb führen 49,7 Prozent der Erkrankungen zu Komplikationen, die einen Krankenhausaufenthalt erforderlich machen. In Südtirol werden jährlich rund 20 Fälle registriert. Im Dezember 2024 musste eine nicht geimpfte Minderjährige wegen schwerer Komplikationen mehrere Tage auf der Intensivstation des Bozner Krankenhauses verbringen. Bereits zuvor war ein weiterer Masernpatient dort intensivmedizinisch behandelt worden.
Besonders junge Erwachsene betroffen
Nach einem Rückgang im Vorjahr steigen die Masernzahlen in Italien wieder an. In den ersten Monaten des Jahres 2026 wurden 472 Infektionen bestätigt, nachdem es 2025 insgesamt 322 Fälle gegeben hatte. Besonders betroffen ist die Altersgruppe zwischen 15 und 39 Jahren. Von den Erkrankten, deren Impfstatus bekannt ist, waren 94,7 Prozent nicht geimpft. Die höchste Erkrankungsrate verzeichnete allerdings die Altersgruppe der unter Fünfjährigen.
Das Gesundheitsministerium hat die Regionen und autonomen Provinzen deshalb aufgefordert, die Überwachung zu verstärken und Impfkampagnen auszubauen. Im Mittelpunkt stehen junge Erwachsene sowie Kinder, die bislang nur eine Impfdosis erhalten haben.
Pedevilla, Sekretärin des italienischen Kinderärzteverbandes Fimp, sieht vor allem bei der Aufklärung noch großen Handlungsbedarf. Viele Eltern seien nur schwer zu erreichen, auch Falschinformationen erschwerten die Arbeit der Kinderärzte. „Impfungen retten Leben“, betont sie. Eine infizierte Person könne bis zu 17 weitere Menschen anstecken. Die Kinderärzte stünden für Gespräche mit den Familien bereit und wollten insbesondere Jugendliche stärker einbeziehen und für das Thema sensibilisieren.




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