Von: Matthias Knapp
Bozen – Mit „Süßes oder Saures“ hatte die Halloween-Nacht in Bozen kaum mehr etwas zu tun. Vielmehr geriet die Situation im Umfeld der Diskothek „Club 85“ völlig aus dem Ruder. Gleich zweimal artete ein Streit unter Jugendlichen zu einer handfesten Schlägerei aus. Um die Situation zu beruhigen, mussten Carabinieri und Polizei mehrfach ausrücken. Besonders schwerwiegend ist: Auch Sanitäter des Roten Kreuzes wurden angegriffen.
Zur ersten Auseinandersetzung kam es gegen 4.00 Uhr in der Früh. Mehrere Jugendliche, die vermutlich auch angetrunken waren, provozierten sich gegenseitig zunächst verbal. Doch schon bald flogen die Fäuste. Nachdem die Ordnungshüter die Situation unter Kontrolle gebracht hatten, währte der Frieden nur kurz.
Kurz vor 5.00 Uhr in der Früh kam es erneut zu einer Auseinandersetzung – diesmal mit mehreren Verletzten, weshalb der Einsatz eines Rettungswagens unumgänglich war. Um 4.55 Uhr traf das Rote Kreuz am Ort des Geschehens in der Marie-Curie-Straße ein.
Während weitere Rettungsfahrzeuge unterwegs waren, kümmerten sich die beiden Sanitäter sofort um einen blutüberströmten jungen Mann, den sie zur Erstversorgung ins Innere des Einsatzwagens gebracht hatten.
In diesem Moment tauchte ein 21-Jähriger auf, der aufgrund der Schlägerei ebenfalls verletzt war und der auf das Eintreffen des nächsten Rettungswagens nicht warten wollte. Stattdessen riss er die Hecktür des Rettungswagens auf und forderte vehement, anstelle des ersten Patienten versorgt zu werden. Sämtliche Beruhigungsversuche blieben ohne Ergebnis.
Der junge Mann drang in den Wagen ein, trat auf den Fahrer sowie auf medizinische Geräte ein und überhäufte die Sanitäterin mit wüsten Beschimpfungen. Schließlich legte er sich quer über die Pritsche und verhinderte so jegliche weitere Hilfe für den ersten Patienten.
Erst das Eingreifen der Carabinieri beendete die für die Sanitäter beängstigende Situation: Die Ordnungshüter überwältigten den Angreifer, ließen ihn von der Besatzung eines nachfolgenden Rettungswagens verarzten und brachten ihn anschließend für weitere Ermittlungen in die Kaserne. Die beiden Sanitäter blieben glücklicherweise körperlich unverletzt, standen jedoch unter Schock und mussten zunächst die Funktionsfähigkeit der beschädigten Bordanlagen überprüfen.
Rotes Kreuz fordert Schutz für Einsatzkräfte
Der Vorfall löst beim Roten Kreuz Bestürzung und scharfe Kritik aus. Francesca Zucali, Präsidentin des Roten-Kreuz-Komitees Bozen, fand nach dem Vorfall deutliche Worte. „Was passiert ist, stellt einen weiteren inakzeptablen Akt der Gewalt gegen jene dar, die täglich mit Professionalität, Hingabe und Solidarität ihren Dienst tun und sich in den Dienst der Gemeinschaft stellen, um jedem in Not zu helfen“, kritisierte sie laut einem Bericht der Zeitung Alto Adige.
Zucali betonte, dass es sich hierbei keineswegs um einen Einzelfall handle. Vielmehr handle es sich bereits um die dritte Aggression innerhalb kurzer Zeit, der Einsatzkräfte des Roten Kreuzes ausgesetzt gewesen seien.




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