Von: Lukas Unterkofler
Schlinig – Keine Sauna, kein Champagner und keine Gourmetmenüs: Die Sesvenna-Hütte auf 2256 Metern Höhe geht nach ihrer umfassenden Sanierung bewusst einen anderen Weg als viele andere Unterkünfte in den Alpen. Statt mehr Komfort und Kapazität setzt die vom Alpenverein Südtirol (AVS), Sektion Mals, geführte Hütte auf weniger Gäste und mehr Einfachheit.
Die wohl auffälligste Veränderung: 20 Schlafplätze wurden gestrichen. Statt bisher 78 stehen nun nur noch 58 Betten zur Verfügung. Die Hütte, die von Indira Habicher und Georg Messner geführt wird, war wegen der umfangreichen Arbeiten die gesamte Sommersaison 2025 geschlossen. Im November wurden die Arbeiten abgeschlossen.
Die Reduzierung der Kapazität ist bewusst gewählt. Sie soll den Zustrom begrenzen und damit ein hochalpines Gebiet entlasten, das zunehmend unter dem wachsenden Tourismusdruck steht.
Auch beim Essen setzt die Sesvenna-Hütte auf Gemeinschaft statt Individualisierung. Reservierungen und individuell zusammengestellte Menüs gehören der Vergangenheit an. Stattdessen essen die Gäste an einem großen gemeinsamen Tisch – eine Rückkehr zur traditionellen, eher einfachen Hüttenatmosphäre.
Auf Luxus wird ebenfalls verzichtet. Eine Sauna gibt es nicht, ebenso wenig eine umfangreiche Weinkarte mit Champagner oder ausgefallene Gourmetküche. Auch energetisch wurde umgestellt: Gas wurde durch Solarenergie ersetzt.
Die Entscheidung steht im Zusammenhang mit einer Entwicklung, die viele Hütten im Alpenbogen betrifft. Eine Untersuchung der Universität Turin unter Leitung von Riccardo Beltramo hat 226 italienische Schutzhütten untersucht und dabei einen deutlichen Wandel festgestellt. Immer mehr Besucher bringen demnach Erwartungen mit, die eher an ein Hotel im Tal erinnern – von warmen Duschen bis zu individuell angepassten Speisen.
Der Präsident des italienischen Alpenvereins CAI, Antonio Montani, sieht diese Entwicklung kritisch. Er stellte sogar infrage, ob Einrichtungen, die faktisch den Charakter eines Hotels angenommen haben, noch als klassische “Schutzhütten” bezeichnet werden sollten.
Auch Südtirol ist vom zunehmenden Tourismusdruck betroffen. Laut einer Untersuchung von Demoskopika zählt die Provinz bereits zum zweiten Mal in Folge zu den italienischen Regionen, die besonders stark vom Overtourism betroffen sind.
Die Sesvenna-Hütte setzt dem bewusst eine andere Philosophie entgegen: weniger Plätze, weniger Luxus und mehr Gemeinschaft.




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