Ermittelt wird wegen einer terroristischen Straftat

Staatstrauer in Polen nach Krakau-Anschlag mit sechs Toten

Sonntag, 08. November 2026 | 12:47 Uhr

Von: importer

In Polen hat am Sonntag nach dem Anschlag in Krakau mit sechs Toten eine zweitägige Staatstrauer begonnen. Die Tat war nach Einschätzung der Behörden mutmaßlich rechtsextrem motiviert. Die Staatsanwaltschaft stufte die tödlichen Schüsse auf dem Marktplatz von Krakau als terroristische Straftat ein. Unter den zahlreichen Verletzten ist auch eine Person aus Österreich.

Ermittelt werde wegen der Tötung von sechs Personen sowie des versuchten Mordes an zahlreichen weiteren Personen, darunter Polizeibeamte, “wobei diese Tat einen terroristischen Charakter aufwies”, teilte die Staatsanwaltschaft des Landes auf der Plattform X mit. Die Ermittler sprachen nicht ausdrücklich von einem politischen Motiv.

Zugleich werde wegen der Tötung von drei weiteren Personen in der Stadt Ostrowiec Swietokrzyski ermittelt. “Das Beweismaterial deutet darauf hin, dass diese Taten von derselben Person begangen wurden”, hieß es. In der Stadt zwei Fahrtstunden nordöstlich von Krakau waren im Wohnhaus der Familie Vater, Mutter und Schwester des mutmaßlichen Todesschützen tot mit Schussverletzungen aufgefunden worden. Der polnische Innenminister, Marcin Kierwinski, teilte bereits am Samstag mit, der Täter sei angeschossen und festgenommen worden.

Wahllose Schüsse auf dem Marktplatz

Der 24-jährige Mann hatte am Samstag aus einem Auto heraus wahllos auf Passanten auf dem Marktplatz der zweitgrößten Stadt Polens geschossen. Zu seinem Motiv gibt es keine Klarheit. Er soll nach ersten Erkenntnissen “sehr radikale Ansichten” vertreten haben, wie Polens Innenminister Marcin Kierwinski sagte. Es gebe Anzeichen dafür, dass er von rechtsextremistischen Ideologien fasziniert gewesen sei, auch wenn dies noch näher überprüft werden müsse.

Auch Ministerpräsident Donald Tusk sprach angesichts der Schwere des Verbrechens von Terrorismus. “Bis jetzt hatten wir in Polen noch keinen so drastischen Fall von Terrorismus, denn so muss man diesen brutalen Angriff auf lebende Menschen in Krakau nennen”, sagte er in Krakau.

Ausländer unter den Opfern

Der Marktplatz der Stadt mit seinen Renaissancebauten zieht Touristen aus aller Welt an. Auch mehrere Ausländer zählen zu den Opfern. Von den sechs Todesopfern stammten vier aus Polen, eins aus Großbritannien, eine Frau sei Ausländerin, teilte die Polizei PAP zufolge mit. Das Alter der Toten lag nach Angaben der Woiwodschaft Kleinpolen zwischen 32 und 61 Jahren.

Fünf Personen aus Deutschland, Großbritannien, Portugal, Österreich und Russland seien verletzt worden. Zudem wurden mehrere Droschkenkutscher schwer verletzt. “Viele unserer Kolleginnen und Kollegen sind zu Schaden gekommen. Zwei kämpfen um ihr Leben, mehrere haben schwere Verletzungen erlitten”, teilte die Vorsitzende des Vereins Krakauer Kutscher, Dorota Litwicka, mit. Mehrere Kutschpferde hätten oberflächliche Verletzungen davongetragen, meldete die Nachrichtenagentur PAP nach diesen Angaben.

Der Erzbischof von Krakau rief die Menschen zum Zusammenhalt auf. “Wir wollen nicht, wir können nicht, wir sind nicht fähig, in einem solchen Augenblick gleichgültig zu sein”, teilte der römisch-katholische Geistliche Grzegorz Rys mit. Man müsse zusammenstehen, betonte der 62-Jährige. Seine Gedanken seien bei den Toten und Verletzten. Polen ist stark katholisch geprägt.

Erzbischof: Es hätte jeden treffen können

“Gewalt, Aggression und Hass haben uns auf eine Weise getroffen, die alle Grenzen überschreitet”, führte der Erzbischof aus. Die Kugeln des Angreifers hätten unschuldige, nichtsahnende Menschen getroffen. Jeder hätte zu diesem Zeitpunkt auf dem Großen Ring, dem Hauptmarktplatz von Krakau (Krakow), sein können. Rys rief die Gläubigen auf, ihren Widerstand auf christliche Weise gegen Hass und Gewalt zu bekunden.

Krakau ist mit mehr als 800.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Polens. Sie gilt als beliebtes Ziel für Touristen aus aller Welt. Wichtige Sehenswürdigkeiten sind neben dem Großen Ring das Schloss auf dem Wawelhügel und die Kathedrale. Die Universitätsstadt zählt zum UNESCO-Welterbe.

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