So verhält man sich richtig

Stechmücken, Spinnen und Zecken – alles ganz harmlos?

Montag, 10. August 2026 | 10:51 Uhr

Von: Matthias Knapp

Bozen – Im Sommer steigt die Zahl der Mückenstiche, Spinnenbisse und Zeckenstiche. Während die meisten harmlos verlaufen, können sie in einzelnen Fällen stärkere Hautreaktionen, bakterielle Infektionen oder allergische Reaktionen verursachen. Das Institut für Allgemeinmedizin und Public Health Bozen informiert darüber, wie Stiche und Bisse richtig behandelt werden, wann ärztliche Hilfe erforderlich ist und welche Maßnahmen einen wirksamen Schutz bieten.

Mehr Stechmücken in Südtirol

„Wir Allgemeinmedizinerinnen und -mediziner beobachten seit einigen Jahren, dass Patientinnen und Patienten häufiger über ausgeprägte lokale Reaktionen nach Mückenstichen berichten. Die Einstichstellen sind oftmals stärker geschwollen, gerötet und jucken intensiver als früher“, erklärt Dr. Doris HagerPrainsack, Präsidentin des Instituts für Allgemeinmedizin und Public Health Bozen. „Ein Grund hierfür ist die Ausbreitung neuer Mückenarten wie der Asiatischen Tigermücke, die durch mildere Winter und wärmere Sommer begünstigt wird. Doch es besteht kein Anlass zur Beunruhigung. Das Risiko lässt sich durch Präventionsmaßnahmen deutlich verringern“, so Hager-Prainsack.

Institut für Allgemeinmedizin und Public Health Bozen

Nach einem Stich Kratzen vermeiden

Die häufigste Reaktion auf einen Mückenstich sind Juckreiz, Rötung und eine kleine Quaddel. Diese Beschwerden verschwinden in der Regel innerhalb weniger Tage von selbst. Zur Erstbehandlung empfiehlt Dr. Hager-Prainsack, die Einstichstelle möglichst rasch zu kühlen. „Juckreizstillende Gele oder Cremes können die Beschwerden zusätzlich lindern. Entscheidend ist jedoch, die Haut nicht aufzukratzen. Durch Kratzen gelangen Bakterien leicht in die Haut. Dadurch kann sich der Stich entzünden und eine sogenannte Superinfektion entstehen“, erklärt die Ärztin für Allgemeinmedizin. „Breitet sich die Rötung aus, wird die Haut heiß oder beginnt die Einstichstelle zu pochen, sollte die Ärztin/der Arzt für Allgemeinmedizin kontaktiert werden. Bei stark ausgeprägten Hautreaktionen kann eine niedrig dosierte Hydrokortison-Creme kurzfristig helfen. Gegen den akuten Juckreiz wirken Ringelblumensalben nur ein-geschränkt, unterstützen aber die Regeneration gereizter Haut“, betont Hager-Prainsack.

Thermische Stichheiler können Beschwerden lindern

Immer häufiger kommen sogenannte thermische Stichheiler (z.B. „Bite away“) zum Einsatz. Sie arbeiten mit einem kurzen Wärmeimpuls von wenigen Sekunden und können den Juckreiz deutlich vermindern. „Bei sachgemäßer Anwendung gelten diese Geräte als sicher. Wichtig ist jedoch, sie möglichst früh nach dem Stich anzuwenden und nicht auf bereits aufgekratzter oder verletzter Haut einzusetzen“, erläutert Institutspräsidentin Dr. Doris Hager-Prainsack.

Wann sollte die Praxis für Allgemeinmedizin aufgesucht werden?

In den meisten Fällen genügt eine Behandlung zu Hause. Ärztlich abgeklärt werden sollten Insektenstiche jedoch, wenn

· die Rötung oder Schwellung trotz Kühlung weiter zunimmt;

· starke Schmerzen oder Überwärmung auftreten;

· sich Eiter bildet;

· Fieber hinzukommt.

Im Unterschied zu einem Mückenstich kann ein Bienen- oder Wespenstich im Mund- oder Rachenraum aufgrund einer Schwellung der Atemwege lebensbedrohlich sein. In diesem Fall sollte umgehend der Notruf 112 verständigt werden. Das gilt auch für Anzeichen einer Allergie wie z.B. Quaddelbildung am ganzen Körper, Atemnot, Schwindel und Kreislaufprobleme.

Tigermücken: Ärgerlich, aber keine große Gefahr

Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) hat sich mittlerweile in den wärmeren Tallagen Südtirols etabliert. Sie gilt grundsätzlich als mögliche Überträgerin verschiedener Tropenkrankheiten wie Dengue-, Chikungunya- oder Zika-Fieber. „Das tatsächliche Risiko für die Bevölkerung in Südtirol ist derzeit allerdings sehr gering“, sagt Allgemeinmedizinerin Dr. Doris Hager-Prainsack. „Eine Übertragung setzt voraus, dass eine Tigermücke zuvor eine infizierte Reiserückkehrerin oder einen infizierten Reiserückkehrer gestochen hat. Trotzdem sollten Personen, die nach einer Reise in tropische Regionen Fieber entwickeln, unverzüglich ihre Ärztin/ihren Arzt für Allgemeinmedizin informieren und sich konsequent vor weiteren Mückenstichen schützen“, empfiehlt Hager-Prainsack.

Was zieht Stechmücken an?

Der weitverbreitete Glaube an „süßes Blut“ hält sich hartnäckig, ist wissenschaftlich aber nicht belegt. Viel entscheidender sind der individuelle Körpergeruch, Stoffwechselprodukte der Hautbakterien, Schweißbestandteile und das ausgeatmete Kohlendioxid. Auch Hinweise auf Unterschiede zwischen den Blutgruppen werden wissenschaftlich diskutiert. „Es gibt einzelne Studien, die eine stärkere Anlockung von Menschen mit Blutgruppe 0 vermuten lassen. Dieser Zusammenhang ist jedoch deutlich weniger gesichert als der Einfluss von Körpergeruch und Kohlendioxid“, klärt Dr. Hager-Prainsack auf.

Was schützt wirklich?

Am zuverlässigsten schützen wissenschaftlich geprüfte Insektenschutzmittel mit den Wirkstoffen Icaridin oder DEET. Für Schwangere, Kleinkinder und Menschen mit empfindlicher Haut wird häufig Icaridin bevorzugt. Zusätzlich empfiehlt Dr. Hager-Prainsack

· helle, möglichst lange Kleidung zu tragen;

· Fliegengitter an Fenstern anzubringen;

· stehendes Wasser in Blumentopf-Untersetzern, Regentonnen oder anderen Behältern regelmäßig zu entfernen;

· Moskitonetze zu verwenden;

· Ventilatoren zu nutzen, da sie den Anflug der Mücken erschweren.

· Ätherische Öle oder Citronella-Produkte bieten nur einen zeitlich begrenzten Schutz.

Spinnenbisse sind selten gefährlich

Bisse von Spinnen werden häufig vermutet, sind in Südtirol jedoch selten. Sie verursachen meist eine lokale Hautrötung, Schwellungen und Schmerzen. Anhand der Hautveränderungen allein lässt sich ein Spinnenbiss jedoch in der Regel nicht sicher von anderen Ursachen unterscheiden. „Auch hier gilt: Die Bissstelle sollte gereinigt, desinfiziert und gekühlt werden. Breitet sich die Hautrötung in den folgenden Tagen aus oder treten starke Schmerzen, Fieber oder allergische Beschwerden auf, sollte eine allgemeinmedizinische Praxis aufgesucht werden“, informiert Dr. Doris Hager-Prainsack.

Zecken: Rasches Entfernen schützt vor Borreliose

Große Aufmerksamkeit verdienen Zecken. Sie können sowohl die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) als auch Borreliose übertragen. Gegen FSME steht eine wirksame Schutzimpfung zur Verfügung, gegen die bakterielle Infektionskrankheit Borreliose hingegen gibt es bislang keinen Impfstoff. Beide Erkrankungen unterscheiden sich zudem in der Art der Übertragung: Während das FSME-Virus bereits unmittelbar nach dem Zeckenstich übertragen werden kann, sitzen die Borrelien im Darm der Zecke. Das Risiko einer Übertragung steigt daher mit der Dauer des Saugvorgangs. „Je früher eine Zecke entfernt wird, desto geringer ist das Risiko einer Borreliose. Deshalb sollte sie möglichst rasch mit einer Zeckenkarte oder einer feinen Pinzette hautnah gefasst und gerade herausgezogen werden. Auf das Auftragen von Öl, Klebstoff oder anderen Hausmitteln sowie auf das Quetschen der Zecke sollte unbedingt verzichtet werden“, sagt Dr. Hager-Prainsack. Charakteristisch für eine Borreliose ist eine sog. Wanderröte – eine sich langsam ausbreitende ringförmige Hautrötung rund um die Einstichstelle. Sie sollte immer ärztlich abgeklärt werden.

Die wichtigsten Empfehlungen

„Die meisten Stechmücken- und Zeckenstiche sowie Spinnenbisse verlaufen harmlos und heilen ohne Komplikationen ab. Nach einem Stechmückenstich hilft es, die Haut zu kühlen und das Kratzen zu vermeiden. Nach einem Zeckenstich sollte die Zecke möglichst rasch und sachgerecht entfernt werden, um das Risiko einer Borreliose zu verringern. Spinnenbisse sind in Südtirol selten gefährlich, sollten aber bei zunehmender Hautrötung, Schwellungen oder Schmerzen medizinisch abgeklärt werden. Gegen Stechmücken schützen wissenschaftlich geprüfte Insektenschutzmittel mit den Wirkstoffen Icaridin oder DEET, lange Kleidung und das Beseitigen von Brutstätten. Wer Warnzeichen wie starke Schwellungen, Atemnot, Fieber oder sich ausbreitende Hautveränderungen frühzeitig erkennt und ärztlich untersuchen lässt, kann Komplikationen in den meisten Fällen vermeiden. Vorbeugung ist folglich die wirksamste Maßnahme gegen Stiche und Bisse“, bekräftigt Dr. Hager-Prainsack.

Bezirk: Bozen

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