Von: Martin Geier
Bozen/Moskau/Kiew – Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine, der eigentlich als schneller Sieg geplant war, lief für den Kreml jahrelang alles andere als geplant.
Aber neuerdings wittert der Zar Morgenluft. Zwar tritt seine Armee in der Ostukraine noch immer auf der Stelle, aber seit es der Ukraine, die um ihr staatliches Überleben kämpft, an Abwehrraketen mangelt und sie – vermutlich aufgrund des beleidigten Trumps – immer weniger auf das Satellitennetzwerk Starlink und geheime Informationen aus den USA zählen kann, steht den russischen Drohnen und Raketen der ukrainische Himmel weit offen – mit fatalen Folgen.

Einen kleinen Sieg – diesmal an der Propagandafront – kann Moskau auch in Südtirol feiern. Die überaus eifrige Italien-Korrespondentin des russischen Staatssenders Rossija 1, Asya Emelyanova, konnte drei Politiker – darunter Sven Knoll – dafür gewinnen, das Südtiroler Autonomie- und Sprachmodell aus der Sicht des Kremls als Vorbild für eine vermeintliche Lösung des Donbass-Konflikts in der Ukraine darzustellen.

In ihrem siebenminütigen Videobeitrag stellt sie geschickt eine direkte Gleichsetzung zwischen dem Autonomie- und Minderheitenschutzmodell Südtirols („Südtiroler Rezept“) und der Situation im Donbass her. Dabei bedient sie die These „Südtirol ist nicht Italien“ und lässt den STF-Landtagsabgeordneten Sven Knoll, den ehemaligen Lega-Landesrat und Futuro-Nazionale-Exponenten Massimo Bessone sowie den Altbürgermeister von Tramin, Werner Dissertori, reichlich zu Wort kommen.

Dabei ahnt das politische Trio nicht, dass das Video mitsamt ihren Interviews dazu dient, ein international anerkanntes, friedliches Autonomiemodell innerhalb der EU als Legitimationsfolie zu nutzen, um den russischen Gebietsanspruch und die Separatismus-Rhetorik im Donbass als bloßes „Recht auf Sprach- und Identitätsschutz“ darzustellen. Hierbei werden der völkerrechtswidrige Angriffskrieg, die militärische Okkupation und die Missachtung völkerrechtlicher Grenzen völlig ausgeblendet.

Asya Emelyanova teilt mit großem Geschick jedem seinen Auftritt zu: der stramme Tiroler, der brave Italiener und zuletzt der Altbürgermeister mit einem kulinarisch-politischen Vergleich. So unterschiedlich sie auch sein mögen, sie alle stützen Moskaus Narrativ der tapferen Russen, die gegen die ach so bösen Ukrainer Krieg führen müssen, um „ihre Leute” im Donbass und in der Südukraine zu retten.

Natürlich darf dabei die harte Kritik an Giorgia Meloni nicht fehlen – ausgerechnet an jener Ministerpräsidentin, die der Ukraine den Rücken stärkt.

Bei den Zuschauern des Senders Rossija 1 und den eingefleischten Fans der drei Politiker mag Emelyanovas TV-Beitrag seine Wirkung entfalten und für viele Likes sorgen, politische Beobachter und viele Südtiroler lässt er jedoch sprachlos zurück.

Ein Blick auf die Geschichte Südtirols im letzten Jahrhundert und auf die Kriege im neuen Jahrtausend hätte genügt, um zu erkennen, dass die drei Politiker für den Kreml die perfekten Darsteller seines Propagandastücks abgaben. Südtirol als Vorbild für den Donbas? Welch ein Trugschluss!




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