Von: Redaktion Südtirol News
Brixen – Über 150 Menschen haben am Donnerstagabend in der Cusanus-Akademie in Brixen über die Zukunft des Südtiroler Tourismus diskutiert. Unter dem Titel “Vom Boom zur Balance” suchten Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Gewerkschaft, Arbeitnehmerbewegung und Heimatpflege nach Wegen zu einem Tourismus, der wirtschaftlichen Erfolg und Lebensqualität miteinander verbindet. Die Veranstalter hatten mit 80 bis 100 Teilnehmern gerechnet.

Einigkeit bestand darin, dass der Tourismus wesentlich zum Wohlstand Südtirols beigetragen hat. Gleichzeitig wurden die Folgen des starken Wachstums thematisiert. 2025 verzeichnete das Land rund 38 Millionen Nächtigungen. Verkehr, hohe Wohnkosten, knappe Ressourcen und die Belastung der Beschäftigten wurden als zentrale Herausforderungen genannt.
Arbeitsbedingungen und Wohnraum
Mehrere Teilnehmer betonten, dass die Zukunft des Tourismus wesentlich von den Arbeitsbedingungen abhänge. Planbare Arbeitszeiten, angemessene Bezahlung, Weiterbildung und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie seien ebenso wichtig wie eine ausreichende soziale Absicherung. Trotz Verbesserungen in den vergangenen Jahrzehnten seien Saisonarbeit, Schichtdienste und lange Arbeitszeiten weiterhin problematisch.
Eng damit verbunden sei die Wohnsituation. Gerade Beschäftigte im Tourismus hätten zunehmend Schwierigkeiten, leistbaren Wohnraum zu finden. Die Brixner Stadträtin Sara Dejakum verwies zudem auf den Rückgang der Privatzimmerlizenzen in der Stadt und die Bemühungen der Gemeinde, reguläre Vermietungen attraktiver zu machen.
Grenzen des Wachstums
Auch die ökologischen und räumlichen Grenzen des Tourismus wurden angesprochen. Claudia Plaikner vom Heimatpflegeverband forderte eine stärkere Auseinandersetzung mit den Auswirkungen auf Landschaft, Natur und Lebensraum. Eine bloße Verteilung der Gäste über das Jahr und verschiedene Landesteile reiche ihrer Ansicht nach nicht aus. Hotelier Michil Costa sprach sich für verbindliche ökologische Grenzen und eine stärkere Orientierung am Gemeinwohl aus. Auch über höhere Abgaben in besonders stark frequentierten Tourismusgebieten und eine gezieltere Steuerung der touristischen Entwicklung wurde diskutiert.
Ein weiteres Thema war die Mobilität. Die sinkende durchschnittliche Aufenthaltsdauer von inzwischen 4,3 Tagen führe zu mehr An- und Abreisen. Gefordert wurden bessere Bahnverbindungen und ein leistungsfähiger öffentlicher Nahverkehr, der sowohl den Bedürfnissen der Bevölkerung als auch jener der Gäste gerecht wird.

Kein einfaches “Weiter-so”
Zum Abschluss wurde mehrfach ein stärkerer Dialog zwischen Wirtschaft, Politik, Arbeitnehmern und Bevölkerung gefordert. Tourismus könne langfristig nur funktionieren, wenn auch die Menschen, die in den betroffenen Orten leben und arbeiten, von seiner Entwicklung profitieren.
Die Veranstaltung fand im Rahmen eines dreitägigen internationalen Seminars der Europäischen Bewegung Christlicher Arbeitnehmer (EBCA) statt. Die Tagung beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Tourismus auf Arbeitnehmer, Arbeitsbedingungen und Nachhaltigkeit.




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