Es war ein perfider Anruf

Um 25.000 Euro erleichtert: So tricksten Betrüger ein Bozner Ehepaar aus

Donnerstag, 10. September 2026 | 10:01 Uhr

Von: Lukas Unterkofler

Bozen – Mit einem besonders perfiden Trick haben Betrüger ein älteres Ehepaar aus dem Bozner Stadtteil Gries um Gold im Wert von rund 25.000 Euro gebracht. Eine Frau gab sich am Telefon als Tochter des Ehepaars aus und behauptete, wegen eines Tumors dringend operiert werden zu müssen.

Es war Montagnachmittag, als gegen 17.00 Uhr das Telefon der Senioren klingelte. Am anderen Ende meldete sich eine weinende Frau mit einer Stimme, die jener der Tochter täuschend ähnlich klang. “Mama, ich bin im Krankenhaus. Ich habe einen Tumor und wenn ich nicht bezahle, können sie mich nicht operieren”, lautete die erfundene Geschichte.

Das Ehepaar geriet verständlicherweise in Panik. Obwohl die Eltern mehrfach nachfragten, ob tatsächlich ihre Tochter am Telefon sei, bestätigte die Anruferin dies immer wieder. Gleichzeitig setzten die Betrüger die Senioren weiter unter Druck und wiesen die Mutter an, ihre Tochter zwei Stunden lang nicht anzurufen. Sie müsse die Dokumente ausfüllen. Ein angeblicher Arzt werde vorbeikommen und das benötigte Geld abholen.

Während die Tochter ahnungslos ihren Alltag verbrachte, wartete die Mutter auf den vermeintlichen Arzt. Schließlich übergab das Ehepaar rund 300 Gramm Gold, dessen Wert auf etwa 25.000 Euro geschätzt wird, berichtet die Zeitung Alto Adige am Donnerstag.

Erst als der Sohn seine Schwester anrief und sie besorgt fragte, warum sie nichts von ihrer angeblichen Erkrankung erzählt habe, flog der Betrug auf. Eine Operation gab es nicht und die Frau am Telefon war nicht die Tochter.

Die Familie erstattete anschließend Anzeige bei der Quästur. Nach Angaben der Ermittler handelt es sich um eine Betrugsmasche, die insbesondere auf ältere Menschen abzielt und immer wieder vorkommt. Täglich würden mehrere Vorfälle gemeldet. Dahinter könnten organisierte Gruppen stehen, die gezielt Informationen über potenzielle Opfer sammeln.

Die Familie vermutet, dass der kürzliche Verlust der Geldbörse der Mutter (85) samt persönlichen Dokumenten den Tätern Informationen geliefert haben könnte. Sie schließt aber auch nicht aus, dass die Betrüger die Umgebung des Wohnhauses beobachtet haben.

Die Tochter möchte den Vorfall nun öffentlich machen, um andere zu warnen. „Wenn das anderen helfen kann, dann ist es richtig, darüber zu erzählen“, sagt sie.

Die wichtigste Regel: Bei Anrufen, in denen angebliche Notlagen von Angehörigen geschildert und Geld oder Wertgegenstände verlangt werden, sollte man sich nicht unter Druck setzen lassen. Stattdessen die betroffene Person über eine bekannte Telefonnummer selbst kontaktieren und die Geschichte überprüfen und niemals spontan Bargeld oder Wertsachen an Unbekannte übergeben.

Bezirk: Bozen

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