Von: luk
Bozen – Ein 23-jähriger Häftling ist – wie berichtet – in der Nacht auf Donnerstag aus dem Bozner Krankenhaus entkommen. Wie sich nun herausstellt, gelang ihm das offenbar nach einem gezielten Täuschungsmanöver. Der aus dem Kosovo stammende Mann soll in den Abendstunden gegenüber den Gefängniswachen angegeben haben, Waschmittel geschluckt zu haben, um eine Einlieferung in die Notaufnahme zu erzwingen. Von dort gelang ihm wenige Stunden später die Flucht. Nun wird läuft nach ihm eine Großfahndung.
Aus Sorge um den Gesundheitszustand des Insassen brachten Beamte der Gefängnispolizei den Mann ins Bozner Krankenhaus. Nach der medizinischen Untersuchung blieb der 23-Jährige zur Beobachtung in der Notaufnahme.
Gegen 3.00 Uhr morgens nutzte er offenbar einen günstigen Moment, um unbemerkt das Krankenhaus zu verlassen. Nach ersten Erkenntnissen schlüpfte er durch den Eingangsbereich ins Freie, überquerte den Vorplatz und verschwand. Aufzeichnungen von Überwachungskameras sollen seine Flucht festgehalten haben. Die Ermittler werten die Bilder derzeit aus, um seinen weiteren Weg nachzuvollziehen.
Unmittelbar nach Bekanntwerden der Flucht wurde eine groß angelegte Fahndung eingeleitet, berichtet die Zeitung Alto Adige. Neben den Polizeistreifen wurden auch die Bahnpolizei sowie die Carabinieri alarmiert, um mögliche Fluchtwege aus Bozen zu überwachen. Hinweise auf eine Auseinandersetzung mit den Bewachern gibt es bislang nicht.
Der Flüchtige war erst am 1. Mai von den Carabinieri in Cavalese festgenommen worden. Gegen ihn wird wegen schwerer Straftaten ermittelt. Laut den Vorwürfen soll er seine Ehefrau, die die Beziehung beenden wollte, entführt und von deren Eltern Geld für ihre Freilassung verlangt haben. Bei seiner Festnahme im Trentino fanden die Ermittler zudem eine kleine Axt in seinem Fahrzeug.
Die Direktion des Bozner Gefängnisses teilte mit, dass die Umstände der Flucht sowie mögliche Verantwortlichkeiten des Bewachungspersonals überprüft werden. Von Gewerkschaftsseite wurde der Vorfall zum Anlass genommen, erneut auf die schwierigen Arbeitsbedingungen der Gefängnispollizei hinzuweisen.
Für das Bozner Gefängnis ist es bereits die vierte Flucht innerhalb eines Jahres. Erst im März war ein 24-jähriger Häftling nach einem Arbeitsausgang nicht zurückgekehrt. Im vergangenen August gelang zudem zwei Insassen die Flucht aus der Haftanstalt. Einer von ihnen wurde noch am selben Tag in Meran gefasst, der zweite wenige Wochen später in Frankreich festgenommen.




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