"Für das Futter meiner Stute Maja gebe ich täglich nur einen Euro aus" – VIDEO

“Das Auto ist zu teuer, ich reite zur Arbeit!”

Donnerstag, 13. August 2026 | 07:09 Uhr

Von: Martin Geier

Rocchetta Sant’Antonio – Italien stöhnt unter den stark gestiegenen Treibstoffpreisen. Die hohen Literpreise für Diesel und Benzin veranlassen immer mehr Italiener dazu, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Doch nicht alle haben die Möglichkeit, Bahn, Bus oder das Fahrrad zu nutzen, und sind gezwungen, immer höhere Fahrtkosten in Kauf zu nehmen.

Nicht alle finden sich damit ab. Für Massimiliano Accetturo, einen Gärtner aus Rocchetta Sant’Antonio in der Provinz Foggia in Apulien, liegt die Zukunft in der Vergangenheit, denn wie anno dazumal ist er dazu übergegangen, sowohl für seinen Weg zur Arbeit als auch für weitere Reisen sein Pferd zu nutzen. „Das Auto ist zu teuer. Für das Futter meiner Stute Maja gebe ich dagegen nur einen Euro pro Tag aus. Daher reite ich zur Arbeit!”, betont Accetturo. „Hoffentlich erheben sie keine Verbrauchsteuer auf Hafer“, scherzt er.

Rocchetta Sant’Antonio ist eine der vielen kleinen Gemeinden im Landesinneren Italiens, in denen die Suche nach einer Zapfsäule schon zu einem Unterfangen werden kann. Hier gibt es nur eine einzige Tankstelle. Sie liegt am Ortseingang und verkauft Diesel für 2,399 Euro pro Liter sowie Benzin für 2,299 Euro. Ohne Konkurrenz wird der Preis zum Problem – vor allem für diejenigen, die sich nicht aussuchen können, wo sie tanken. Um eine günstigere Tankstelle zu erreichen, muss man mehrere Kilometer zurücklegen. Das macht den Kraftstoff noch teurer, denn um an einer günstigeren Zapfsäule zu sparen, muss man erst einmal mehr Kraftstoff verbrauchen, um dorthin zu gelangen. Für viele Einwohner ist das Auto keine Luxus, sondern eine Notwendigkeit, da sie es für den Gang zur Apotheke, zum Arzt, zum Supermarkt, zur Bank oder um ein benachbartes Dorf zu erreichen, unbedingt benötigen. Und konkrete Alternativen gibt es nicht immer.

„Es kann nicht sein, dass die Preise so unterschiedlich sind“, sagt Massimiliano Accetturo. „Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Gehälter und der Wert einer Arbeitsstunde immer gleich bleiben. Der Kraftstoffpreis steigt, aber für eine Stunde unserer Arbeit bekommen wir sicherlich nicht das Doppelte.“

„Wenn das Tanken schon ein kleines Vermögen kostet, kann man genauso gut zu den Wurzeln der Fortbewegung zurückkehren”, ist daher die Meinung von Massimiliano. Massimiliano Accetturo ist von Beruf Gärtner. Der 56-Jährige hatte 20 Jahre lang in Rimini gearbeitet und kehrte dann in seine Heimat Rocchetta Sant’Antonio bei Foggia zurück.

ANSA/Massimiliano Accetturo

Angesichts der steigenden Benzinpreise entschied Massimiliano, der stets seine Leidenschaft für Pferde gepfegt hatte, sich für eine besondere Lösung, „die es ermöglicht, im Einklang mit der Natur zu leben“, erzählt er der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. Seine Antwort auf die hohen Kraftstoffpreise heißt Maja, eine Stute, die ausschließlich in den kühleren Stunden zu seinem Transportmittel für Einkäufe, Kaffee und Besorgungen wird.

Er betont, dass Pferde eine Familientradition sind, die ihm „in die Wiege gelegt wurde”: „Bereits mein Urgroßvater lebte als Pferdehändler im Königreich beider Sizilien. Dann folgten mein Großvater, mein Vater und schließlich ich. In Rimini hatte ich die Pferde, die ich mit nach Rocchetta genommen habe. Acht davon stehen in den Stallungen, die auf dem Gelände der Villa, in der ich wohne, eingerichtet wurden.“

Facebook/L’Immediato

Inzwischen ist es in Rocchetta Sant’Antonio ein gewohntes Bild. Massimiliano reitet herbei, bindet das Pferd vor dem Postamt an und geht zum Bankautomaten. Manchmal trifft man ihn auch vor der Dorfbar an, wo Maja auf ihn wartet, während er seinen Kaffee trinkt. „Ich nutze die Pferde vor allem abends, wenn es kühler ist, damit ich die Stute nicht überanstrenge“, erzählt er lächelnd. „Wo immer es geht, bewege ich mich lieber zu Pferd fort, auch aus ökologischen Gründen. Aber sagen wir mal so: In dieser Zeit hat mir der hohe Kraftstoffpreis einen zusätzlichen Anreiz gegeben.“

Mit Maja kommt Massimiliano problemlos voran und schafft es sogar, in neun Tagen nach Pescasseroli in den Abruzzen und an viele andere Orte zu gelangen. „In den letzten Monaten bin ich aus beruflichen Gründen zu Pferd unterwegs, angesichts des rasanten Anstiegs der Kraftstoffkosten. Um mein Dieselauto mit 45 Litern zu betanken, brauche ich etwa 108 Euro. Zu Pferd hingegen bewege ich mich praktisch umsonst fort“, erklärt er der Zeitung Il Fatto Quotidiano. Ein Heuballen koste ihn nur etwa 30 Euro und die Unterhaltskosten für die Pferdehaltung beliefen sich auf etwa einen Euro pro Tag, fügt er hinzu.

Oft ist er beruflich unterwegs und pendelt zwischen Apulien, Kampanien und der Basilikata. „Es ist schön, zu den alten Zeiten zurückzukehren“, sagte er der Zeitung. „Das ist ein unbezahlbares Gefühl. Und außerdem ist es ein kostengünstiges Fortbewegungsmittel. So wie man auf sich selbst achten muss, muss man auch auf sie achten.“

So wurde die Stute Maja unfreiwillig zu einem Symbol gegen hohe Kraftstoffpreise. Massimiliano nutzt sie schon seit Langem. Er geht mit ihr in den kühleren Stunden nach draußen und bindet sie an einem sicheren Ort an, wenn er Besorgungen machen muss. Für ihn ist das ganz normal, für andere ist es eine Szene, die ein Lächeln hervorruft. Das Foto von Maja vor der Post oder der Bar hat in den sozialen Netzwerken die Runde gemacht und aus einer persönlichen Entscheidung eine virale Geschichte werden lassen, die in ganz Italien für Aufmerksamkeit sorgt.

Das Detail, das im Internet die größte Begeisterung auslöst, ist die „Verbrauchssteuer auf Hafer“ – ein Scherz, der viel über ein Land aussagt, in dem die Rückkehr zum Pferd aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll erscheinen kann. In Rocchetta Sant’Antonio vollzieht sich die ökologische Wende also nicht nur über Elektroautos. Für Massimiliano führt sie auch über einen Sattel, ein Paar Steigbügel und einen Sack Heu. Zumindest auf Grünfutter gibt es noch keine Verbrauchsteuer. „Hoffentlich gelangt die Kunde von mir und Maja nicht bis nach Rom“, witzelt er, „denn es fehlt uns wirklich noch, dass die Regierung eine Verbrauchsteuer auf Heu und Hafer erhebt. Dann weiß ich nicht mehr, wohin ich mich wenden soll, und wir wären gezwungen, wieder zu Fuß zu gehen oder ein Fahrrad zu kaufen.“

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