Wenn Hausverstand und Rücksicht im Tal bleiben

Verrückte Szenen in den Dolomiten – VIDEO

Samstag, 15. August 2026 | 16:13 Uhr

Von: Matthias Knapp

Bozen – Wer in den Dolomiten unterwegs ist, bekommt hin und wieder das Gefühl, sich ganz plötzlich in Disneyland zu wiederzufinden. Das Problem sind nicht nur die Menschenmengen an bestimmten Hotspots, die Influencer, die sich in Szene setzen, oder das Überangebot auf den Hütten. Oft fehlt es einfach an Hausverstand und Respekt. Dies zeigen zwei verrückte Beispiele, die sich erst kürzlich ereigneten.

Wie der Corriere delle Alpi berichtete, wanderten zwei Männer im Alter zwischen 35 und 40 Jahren auf dem Weg vom Passo delle Croci zum Sorapissee in der Nähe von Cortina d’Ampezzo – an und für sich nichts Ungewöhnliches, zumal das milchige, himmelblaue Wasser im See ein echter Hingucker ist. Zu dumm nur, dass die beiden nichts Besseres zu tun hatten, als den Weg mit zwei kleinen RC-Cars (Abkürzung für „Radio Controlled“) zu beschreiten. Bilder davon machten im Netz rasch die Runde.

Des einen Freud ist des anderen Leid: Wanderer, die den zwei Männern begegneten, hatten Schwierigkeiten an ausgesetzten Stellen des Weges, den ferngesteuerten Autos am Boden auszuweichen.

Auch der Hüttenwirt des nahe am See gelegenen Rifugio Vandelli verstand keinen Spaß und ermahnte die beiden, ihr Spielzeug wegzupacken. Doch die Touristen zeigten sich unbeeindruckt. „Die Berge sind frei“, antworteten sie verschnupft.

Doch laut Carlo Alberto Zanella, Präsident vom italienischen Alpenverein CAI in Südtirol, liegt genau hier der Denkfehler. „Die Berge sind nicht frei, sie gehören allen. Es braucht einfach mehr Bildung“, erklärt Zanella. Der Berg lehre Geduld, Respekt und Bescheidenheit.

Problematisch sind seiner Ansicht nach vor allem die vielen Influencer, die auch in Südtirol in den Bergen unterwegs sind. Ein Blogger, der auf dem gesicherten Steig unterhalb des Roen geklettert ist, habe laut Zanella etwa ein Video gepostet, in dem er sich darüber beschwert habe, dass die Klettersteig-Sicherung nur von Klebeband zusammengehalten werde. „Dabei hat er nicht verstanden, dass es sich in Wirklichkeit um Schutzmaterial handelt, das Aufsteigende davor bewahrt, sich selbst an herausragenden Drahtenden zu verletzen“, so Zanella. Die Seile seien alle bestens verankert.

Leider würden viele falsche Informationen kursieren, die den Bergen schaden. Die Bergwelt werde von Leuten überschwemmt, die daherreden und Videos posten, klagt der Südtiroler CAI-Präsident.

Bezirk: Bozen

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