Von: Matthias Knapp
Aldein – Am Samstag hat in Aldein eine gemeinsame Übung zur Suche nach vermissten Personen im alpinen Gelände stattgefunden. Rund 80 Einsatzkräfte waren daran beteiligt. Simuliert wurde die Suche nach einer vierköpfigen Wanderfamilie – zwei Eltern und zwei etwa zehnjährige Kinder –, die nach einer Wanderung zwischen Aldein und dem Weißhorn nicht zurückgekehrt war.
An der Übung beteiligt waren Einsatzkräfte des Bergrettungsdienstes im CNSAS der Landesverbände Bozen-Südtirol und Trentino, die Bergrettung der Finanzpolizei von Meran und Schlanders mit Hundeführer, die Suchhundestaffeln des CNSAS, die Freiwillige Feuerwehr Aldein sowie der Hubschrauber der Finanzpolizei Bozen und der Zivilschutz.
Das primäre Suchgebiet lag rund um die Schönrastalm oberhalb von Aldein. Der Bereich befindet sich nahe der Grenze zwischen Südtirol und dem Trentino. Genau deshalb wurde die Übung auch gemeinsam mit den Bergrettungseinheiten aus der Nachbarprovinz durchgeführt. Für die Einsatzkräfte herrschten dabei optimale Wetterbedingungen.
Die Suchaktion beginnt in der Einsatzleitung
Ausgangspunkt der gesamten Übung war das sogenannte Suchkoordinationszentrum, das im Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Aldein eingerichtet wurde. Dort liefen die Fäden der gesamten Suchaktion zusammen. Im Zentrum waren der Stationsleiter der Bergrettung Unterland, die Suchkoordinatoren und Suchtechniker sowie Verbindungspersonal zur Finanzpolizei und zu den Feuerwehren im Einsatz.

Die Aufgabe dieser Einsatzleitung besteht darin, sämtliche Informationen aus dem Suchgebiet zu sammeln, auszuwerten und die weiteren Suchmaßnahmen zu koordinieren. Das primäre Suchgebiet wurde dafür zunächst in einzelne Suchsektoren aufgeteilt und den verschiedenen Einsatzmannschaften zugewiesen.
Insgesamt waren zwölf Teams mit jeweils drei bis fünf Einsatzkräften unterwegs. Sie durchsuchten die ihnen zugewiesenen Bereiche systematisch und stießen im Laufe der Übung auf zahlreiche Gegenstände, die den vermissten Personen zugeordnet werden konnten. Diese waren zuvor von der für die Übung verantwortlichen Suchgruppe des CNSAS im Gelände verteilt worden.
Vom Suchtrupp bis zum Hubschrauber
Die Suche am Boden erfolgte vor allem durch systematisches Absuchen der zugewiesenen Flächen sowie von Wanderwegen und Forststraßen. Unterstützt wurden die Einsatzkräfte dabei von den Suchhunden des CNSAS und der Finanzpolizei sowie von Drohnen der speziell dafür ausgebildeten Drohneneinheit des CNSAS.
Auch der Hubschrauber der Finanzpolizei Bozen kam bei der Übung zum Einsatz. An Bord befand sich unter anderem ein sogenannter IMSI-Catcher. Dieses technische System kann Mobiltelefone in einem bestimmten Gebiet erfassen und dadurch Hinweise auf den möglichen Aufenthaltsort vermisster Personen liefern.

Darüber hinaus wurden zwei Einsatzteams mit dem Hubschrauber in das Suchgebiet gebracht. Damit konnten auch die Abläufe beim Ein- und Aussteigen sowie beim Absetzen von Einsatzkräften im Gelände unter realitätsnahen Bedingungen trainiert werden.
Eine wichtige Rolle spielte auch die digitale Dokumentation der Suchbewegungen. Alle Einsatzkräfte im Gelände erfassten ihre Bewegungen über eine dafür vorgesehene App. Die GPS-Daten werden automatisch an das Computersystem übermittelt und auf einer digitalen Karte dargestellt.
Dadurch kann das Suchkoordinationszentrum jederzeit nachvollziehen, welche Bereiche von den jeweiligen Teams bereits abgesucht wurden und wie dicht die Abdeckung ist. Auf dieser Grundlage kann entschieden werden, ob ein Suchsektor bereits ausreichend kontrolliert und damit abgeschlossen ist oder ob dort weiter beziehungsweise nochmals gesucht werden muss.
Gerade bei umfangreichen Vermisstensuchen ist eine solche Dokumentation von großer Bedeutung. Bei komplexen Einsätzen können zahlreiche Einsatzkräfte über einen längeren Zeitraum, unter Umständen auch mehrere Tage, im Gelände eingesetzt werden. Eine möglichst genaue Übersicht über die bereits abgesuchten Flächen hilft dabei, Doppelungen zu vermeiden und die verfügbaren Ressourcen gezielt einzusetzen.
Üben, bevor es ernst wird
Die Übung begann um 9.00 Uhr und wurde am frühen Nachmittag mit einer gemeinsamen Nachbesprechung abgeschlossen. Im Mittelpunkt stand nicht nur das Training der einzelnen Suchmethoden, sondern vor allem das Zusammenspiel der verschiedenen Einsatzorganisationen. Gerade bei einer groß angelegten Vermisstensuche ist eine enge Abstimmung zwischen den beteiligten Kräften entscheidend, damit die vorhandenen personellen und technischen Ressourcen möglichst effizient eingesetzt werden können.
Gleichzeitig bot die Übung die Möglichkeit, die verfügbaren technischen Systeme unter realistischen, aber kontrollierten Bedingungen zu testen. Funktionen konnten ausprobiert, Abläufe überprüft und Erfahrungen gesammelt werden, ohne dass dabei der Zeitdruck einer tatsächlichen Suchaktion besteht.
Denn genau darin liegt der Wert solcher Übungen: Was im Einsatz funktionieren muss, wird vorher trainiert. Fehler und Verbesserungsmöglichkeiten können in einer Übung erkannt und behoben werden – ohne dabei wertvolle Zeit bei einer tatsächlichen Vermisstensuche zu verlieren. Denn wenn ein Mensch in den Bergen vermisst wird, kann jede Minute entscheidend sein.
„Eine gemeinsame Übung zur Vermisstensuche, bei der wir gemeinsam mit Bergrettern aus der Nachbarprovinz, mit der Finanzpolizei samt Rettungshubschrauber und mit der Freiwilligen Feuerwehr arbeiten können, ist enorm wichtig für die Abstimmung zwischen verschiedenen Organisationen, da hier sonst verschiedene Arbeitsweisen zur Anwendung kommen. Wenn wir uns besser kennenlernen, gedeiht dies zum Vorteil jener Menschen, die Hilfe brauchen und auf uns angewiesen sind“, erklärte Hannes Trettl, Stationsleiter der Bergrettung CNSAS in Eppan.




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