Von: Lukas Unterkofler
Mühlbach am Hochkönig – Eine dramatische Nacht in den österreichischen Alpen hat ein Tscheche (27) erlebt. Nachdem er sich bei der Tourenplanung auf eine Wander-App verlassen hatte, geriet er auf einen gesperrten und teilweise verschneiten Steig im Bereich des Birgkars.
Bei einem Sturz aus rund 2.300 Metern Höhe zog er sich schwere Verletzungen an beiden Händen, den Rippen und der Wirbelsäule zu. Die Bergrettung benötigte rund zehn Stunden, um ihn unter schwierigen Bedingungen ins Tal zu bringen.

Der Notruf ging am Dienstag gegen 17.40 Uhr bei der Bergrettungsstation Mühlbach am Hochkönig ein. Der Mann war beim Abstieg vom Matrashaus im Bereich des Birgkars in eine Rinne gestürzt und konnte wegen seiner Verletzungen nicht mehr selbstständig weitergehen. Neben den Bergrettern aus Mühlbach wurden auch Einsatzkräfte aus Dienten sowie ein Notarzt alarmiert.
Rettung bei dichtem Nebel und schwierigem Gelände
Die Suche nach dem Verletzten gestaltete sich äußerst schwierig. Obwohl die ungefähre Absturzstelle auf der digitalen Einsatzkarte lokalisiert werden konnte, war sie für die aufsteigenden Retter im Gelände zunächst kaum auszumachen. Der 27-Jährige befand sich in einer kleinen Mulde, rund 180 Meter von einem steilen, felsigen und verschneiten Hang entfernt. Die Einsatzkräfte mussten sich zunächst einen Weg durch eine Felswand bahnen und anschließend ein aufwendiges Seilsystem einrichten.

Erst gegen 22.30 Uhr erreichten die Retter den Verletzten. Ein Notarzt versorgte ihn zunächst an Ort und Stelle. Da wegen des dichten Nebels im Tal kein Rettungshubschrauber starten konnte, musste der Mann über mehrere hundert Höhenmeter mithilfe von Seilen abgeseilt werden. Zeitweise konnte er sogar noch selbst gehen. Erst gegen 4.10 Uhr am Mittwochmorgen war der Einsatz abgeschlossen. Insgesamt waren 34 Bergretter aus Mühlbach und der Nachbargemeinde Dienten beteiligt.
Route führte über gesperrten Abschnitt
Nach Angaben der Bergrettung hatte sich der Tscheche bei der Planung auf eine Wander-App verlassen. Diese habe ihm offenbar eine Rundtour von der Mitterfeldalm zum Arthurhaus mit einem Abstieg durch das Birgkar vorgeschlagen. Der obere Abschnitt des Birgkars ist allerdings bereits seit längerer Zeit gesperrt.
Die Bergretter übten deutliche Kritik an der mangelhaften Tourenplanung. Der Wanderer habe nicht nur sein eigenes Leben aufs Spiel gesetzt, sondern durch die schwierige Rettung auch die Einsatzkräfte erheblichen Gefahren ausgesetzt. Der Fall zeige einmal mehr, wie folgenschwer eine unzureichende Routenplanung und eine falsche Einschätzung der eigenen Fähigkeiten in den Bergen sein könnten.







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