Illegale Fischerei

Was haben Calamari mit China zu tun?

Donnerstag, 13. August 2026 | 07:42 Uhr

Von: Matthias Knapp

Bozen – Die meisten Menschen, die im Italienurlaub gegrillte oder frittierte Calamari genießen, nehmen wohl an, die Tintenfische würden aus italienischer Fischerei im Mittelmeer frisch auf den Tisch kommen. Doch wahrscheinlicher ist, dass die Tintenfische aus chinesischer Fischerei stammen und bereits tiefgekühlt waren. Das jedenfalls legen zwei Berichte bzw. Videos auf CorriereTv nahe, welche sich ihrerseits auch auf Recherchen der britischen NGO Environmental Justice Foundation (EJF) stützen.

Tatsächlich ist China weltweit führend in der Tintenfisch-Fischerei. 2023 fing die chinesische Flotte 1,1 Millionen Tonnen Tintenfische, rund ein Drittel der weltweiten Fangmenge. Hunderte Schiffe der chinesischen Tintenfisch-Flotte kreuzen EJF zufolge ab „Meile 201“ in den internationalen Gewässern des Atlantischen, Pazifischen und Indischen Ozeans. Das heißt, sie fischen vor den Küsten traditioneller Fanggebiete wie Peru und Chile, nur knapp außerhalb der nationalen Hoheitsgewässer, welche bis zur 200-Meilen-Grenze reichen.

Dank der umstrittenen Praxis des Umladens des Fanges mitten im Ozean auf große Kühlschiffe würden chinesische Schiffe bis zu zwei Jahre ununterbrochen fernab der Häfen auf hoher See und somit auch fernab jeglicher Kontrolle bleiben, so EJF. Die Umweltorganisation Greenpeace beschreibt das Umladen auf hoher See als sehr schwer kontrollierbar. Oft diene es dazu, illegale Fänge zu verschleiern, indem auf den Kühlschiffen illegal gefangener mit legal gefangenem Fisch vermengt werde.

Die Fänge der chinesischen Tintenfisch-Flotte landen jedenfalls in großem Stil auch in Europa. Dabei sind offenbar rund 95 Prozent des gehandelten Tintenfischs tiefgekühlt oder wieder aufgetaut. Italien hat 2024 gefrorene Kalmaren im Gesamtwert von 642 Millionen Euro importiert. 2025 machten die italienischen Importe aus China 42 Millionen Euro und jene aus Spanien 195 Millionen Euro aus. Spanien seinerseits ist weltweit der zweitgrößte Importeur von Tintenfisch. Lediglich 15 Prozent des umgesetzten Tintenfischs werden von der spanischen Fischereiflotte gefangen, 85 Prozent dagegen importiert, auch aus China.

„Zwar ist in der EU bereits seit 2008 die Verordnung gegen illegale, unregulierte und ungemeldete Fischerei in Kraft. Weil aber wirksamere Kontrollen fehlen und die Importe von Tintenfisch nicht vollständig rückverfolgbar sind, landen offenbar noch immer problematische Fischereiprodukte auf den Tellern von Europäerinnen und Europäern“, so das ernüchternde Resümee von Silke Raffeiner, der Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Südtirol.

Für ihre Recherchen hat die Environmental Justice Foundation ehemalige Besatzungsmitglieder befragt. Diese berichten von Überfischung, illegalem Fischfang, zerstörerischen Fischereimethoden, dem vorsätzlichen Fang und der Tötung von geschützten Tierarten, der Ausbeutung von Arbeitern sowie katastrophalen Arbeitsbedingungen mit Gewalt und Misshandlungen auf den Schiffen der chinesischen Tintenfisch-Flotte. Die EU müsse endlich konkrete Maßnahmen dagegen ergreifen.

Bezirk: Bozen

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