Artenschutz

Wespen sind unbeliebt, aber superwichtige Nützlinge

Montag, 29. Juni 2026 | 08:20 Uhr

Von: mk

Wien/Bozen – Kaum ein Insekt ist so unbeliebt wie die Wespe. Als aggressive Störenfriede verschrien, naschen sie jetzt wieder ungefragt an unserem Kuchen, unserer Limonade oder unserem Grillgut. Doch die vermeintlichen Plagegeister sind hocheffektive, natürliche Schädlingsbekämpfer und ein unverzichtbarer Teil unseres Ökosystems. Darauf weist der Österreichischer Tierschutzverein hin.

In Österreich gibt es rund 300 Wespenarten. Das Überraschende: „Für den schlechten Ruf der gesamten Insektenfamilie sind eigentlich nur zwei Arten verantwortlich: die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Sie bilden besonders große Völker, sind bis in den Herbst aktiv und teilen unsere kulinarischen Vorlieben für Zucker und Proteine“, erklärt Alexios Wiklund vom Österreichischen Tierschutzverein. Was uns beim Grillen extrem nervt, ist im Garten jedoch eine effektive, natürliche Abfallentsorgung, wie etwa das Vertilgen von Fallobst.

Wespen: Unverzichtbare Gesundheitspolizei

Wespen leisten Großartiges für die Biodiversität, da sie sich vor allem von Nektar, Pollen, Pflanzensäften und anderen Insekten ernähren.

  • Effektive Schädlingsbekämpfung: Ein einziges Wespenvolk vertilgt pro Tag bis zu 5.000 Fliegen, Raupen, Blattläuse und Mücken – das entspricht einem halben Kilo reinem Protein.
  • Sauberes Ökosystem: Als „Gesundheitspolizei“ transportieren sie tote Insekten ab.
  • Wichtige Nahrungsquelle: Sie selbst sind Lebensgrundlage für Vögel, Spinnen und Amphibien.
  • Allwetter-Bestäuber: Zwar sind sie weniger behaart als Bienen, bestäuben Blüten aber „im Vorbeigehen“ – und das selbst bei kühlem Regenwetter.

Wohnungsmangel sorgt für Konflikte

Alexios Wiklund betont: „Weil natürliche Hohlräume wie Baumhöhlen und Totholz immer seltener werden, weichen Wespen auf Jalousiekästen, Dachböden oder Schuppen aus. Dadurch kommen sie dem Menschen näher und Konflikte werden häufiger.“

Dabei ist der Spuk meist schnell vorbei: Ein Wespenstaat lebt nur wenige Monate. Im Herbst stirbt das Volk durch Kälte und Nahrungsmangel. Nur die begatteten Jungköniginnen überwintern und gründen im Frühjahr ein komplett neues Nest – alte Nester werden niemals wieder besiedelt. Übrigens: Nur etwa zehn Wespenarten bilden überhaupt Staaten. Der weitaus größere Teil lebt völlig unbemerkt als solitäre Einzelgänger.

Gewusst wie: Wespen sanft vertreiben

Wichtigste Regel: Wespen niemals anpusten! Das CO₂ im Atem signalisiert Gefahr und macht die Tiere aggressiv. So halten Sie die Tiere auf Abstand:

  • Wassernebel: Ein feiner Sprühstoß aus einer sauberen Flasche simuliert Regen – die Wespen flüchten ins Nest.
  • Ablenkfütterung: Ein Teller mit überreifem Obst in sicherer Entfernung hält die Tiere vom Tisch fern.
  • Essen schützen: Speisen im Freien konsequent abdecken und Fallobst im Garten rasch aufsammeln.
  • Fliegengitter: Der einfachste Schutz für die eigenen Wohnräume.

Artenschutz-Kampagne klärt über Insektensterben auf

Da viele Wespenarten stark unter dem Verlust ihres Lebensraums leiden, stehen einige bereits auf der Roten Liste bedrohter Arten. So ist die Hornisse, die größte Wespenart Österreichs, akut vom Aussterben bedroht.

Mit der aktuellen Artenschutz-Kampagne „Auf (N)immer Wiedersehen“ rückt der Österreichische Tierschutzverein diese gefährdeten Nützlinge in den Fokus und macht auf ihre kritische Lage aufmerksam.

Bezirk: Bozen

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