Minderjährige über Gaming-Plattform als „Werkzeug” geködert – VIDEO

15-Jähriger inhaftiert: “Löse in deiner Schule einen Bombenalarm aus!”

Freitag, 07. August 2026 | 08:08 Uhr

Von: Martin Geier

Malta/Rom – Die „Kriminalgeschichte“ des 15-jährigen Italieners Flavio S. ist ein trauriges Beispiel dafür, wie Jugendliche über eine scheinbar harmlose Online-Spieleplattform in das Netzwerk von Terroristen und Kriminellen geraten können. Diese halten in globalen Gaming-Netzwerken ständig nach minderjährigen Mitspielern Ausschau, um sie zunächst über ihr gemeinsames Hobby zu ködern und sie anschließend durch Erpressung gefügig zu machen und für ihre kriminellen Zwecke zu missbrauchen.

Flavio S., der mit seinen Eltern seit fünf Jahren auf Malta lebt, soll sich auf der Videospielplattform Roblox angemeldet haben. Dort wurde er von kriminellen Online-Gruppen angesprochen, die ihn durch Manipulationen und erpresserische Drohungen dazu zwangen, in seiner Schule auf der Insel einen Bombenalarm auszulösen. Kurz darauf, am 25. Mai, wurde der 15-Jährige festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft.

Seine Eltern und Anwälte kritisieren die Haftbedingungen auf Malta scharf. Der Minderjährige war anfangs in einem Erwachsenengefängnis untergebracht und saß danach wochenlang in fast vollständiger Isolation in einer Jugendstrafanstalt. Das italienische Außenministerium und die Botschaft vor Ort haben sich bereits eingeschaltet, um die Haftbedingungen zu überwachen und die Familie konsularisch zu betreuen. Da die maltesische Justiz die ersten Anträge auf Freilassung gegen Kaution abgelehnt hat, bleibt der Jugendliche bis zur nächsten Gerichtsverhandlung am 19. August 2026 in Haft. Seine Lage ist düster, denn bis zum Gegenbeweis gilt für die maltesische Justiz allein Flavio S. als Täter, während seine „Master” im Dunkeln bleiben.

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Wie viele andere in seinem Alter liebt auch Flavio S. Videospiele. Angetrieben von seiner Leidenschaft loggt sich der 15-Jährige in die Gaming-Plattform Roblox ein. Er stöbert in den Inhalten der Plattform, interagiert mit einer Gruppe von Spielern und ahnt nicht, dass er mit jedem Klick tiefer in die Fänge einer Gruppe von Online-Kriminellen gerät.

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Diese Leute erkennen natürlich, dass der 15-Jährige alle Eigenschaften mitbringt, um ihr perfektes „Werkzeug” zu werden. Und sie haben keinerlei Skrupel, ihn in ihre kriminellen Vorhaben hineinzuziehen, indem sie ihn – wie sie es immer mit Kindern und Jugendlichen tun – erpressen, um ihn dazu zu zwingen, unüberlegte Handlungen zu begehen. Sie schicken ihm ganze Ordner mit Bildern, die, gelinde gesagt, abstoßend sind: Kinderpornografie, Rassismus, Satanismus, Nationalsozialismus … ein Katalog des Grauens.

Dateien, von denen Flavio S. meistens nicht einmal genau weiß, worauf sie sich beziehen. Danach gehen die Kriminellen zur Erpressung über. Ihre Argumentation lautet: Allein durch die Tatsache, dass du dieses Zeug auf deinem Smartphone hast, hast du eine Straftat begangen. Wir könnten das deiner Mutter, deinem Vater oder der Polizei mitteilen. Wenn du das vermeiden willst, musst du tun, was wir von dir verlangen.

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Irgendwann beschlossen sie, ihre Erpressung in die Tat umzusetzen und vom Jungen einen Test zu verlangen. „Du musst in deiner Schule einen Bombenalarm auslösen!“, forderten sie ihn auf. Und er tat es. An der Lily of the Valley Secondary School in Mosta, wo er seit fünf Jahren mit seinen Eltern lebt, mussten alle evakuiert werden.

Zum Glück war es viel Lärm um nichts. Es war eine Dummheit, doch die maltesische Polizei ließ die Sache nicht auf sich beruhen. Schon nach wenigen Ermittlungen konnten sie ihn durch sein Smartphone ausfindig machen. Fünf Tage nach seinem fünfzehnten Geburtstag gerät Flavio in einen Albtraum, aus dem er sich bis heute nicht befreien kann.

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Er wird aufgrund von neun Anklagepunkten – darunter die Auslösung eines ungerechtfertigten Alarms, die Zugehörigkeit zu kriminellen Vereinigungen sowie der Besitz und die Verbreitung von kinderpornografischem Material – festgenommen. Das örtliche Gericht lehnt eine Freilassung gegen Kaution ab, da die Ermittler der Überzeugung sind, dass das auf den von Flavio S. genutzten elektronischen Geräten gefundene Material auf eine Zugehörigkeit zu einer internationalen kriminellen Vereinigung mit terroristischem Hintergrund hindeutet.

„Die Eltern sind verzweifelt“, schreibt Serena Mazzini, Social-Media-Analystin und Dozentin für Theorie und Methodik der Massenmedien an der NABA-Akademie, in ihren Instagram-Stories.

Sie hat mit Flavios Mutter gesprochen und ihr erklärt, womit sie sich seit Jahren beschäftigt: die Entwicklung von Gewalt im digitalen Raum. Flavio S. wurde allen bisherigen Erkenntnissen zufolge über die Gaming-Plattform Roblox angeworben. Diese ist in den Vereinigten Staaten wegen mangelnder Sicherheit für die dort aktiven Minderjährigen – fast immer zwischen acht und 14 Jahren alt – in zahlreiche rechtliche Schwierigkeiten verwickelt.

 

„Das Problem ist, dass dies der erste Fall von nihilistischem Gewalt-Extremismus in Malta ist“, erklärt sie dem Mailänder Corriere della Sera. Die Polizei habe, so argumentiert sie, die Macht und den Einfluss des Internets auf Minderjährige wie Flavio nicht berücksichtigt. „Es ist ein juristisches Paradoxon. Wenn Mitglieder einer Gruppe festgenommen werden, nimmt man gleichzeitig einen potenziellen Terroristen und ein potenzielles Opfer fest. Und das Rechtssystem ist nicht darauf ausgerichtet, mit diesem Widerspruch umzugehen.“

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Rechtlich gesehen wird es für den 15-Jährigen nicht leicht sein, aus dieser verzwickten Lage herauszukommen. Denn bis zum Gegenbeweis gilt für die maltesische Justiz allein Flavio S. als Täter, während seine „Master” im Dunkeln bleiben. Seine Eltern und Anwälte kritisieren die Haftbedingungen auf Malta scharf. Der Minderjährige war anfangs in einem Erwachsenengefängnis untergebracht und saß danach wochenlang in fast vollständiger Isolation in einer Jugendstrafanstalt.

 

Am Mittwoch erhielt er Besuch von der italienischen Botschafterin in Malta, Valentina Setta. Sie hat den Fall auf Anweisung von Außenminister Antonio Tajani mehrfach bei den örtlichen Behörden zur Sprache gebracht. Die Botschafterin teilte mit, dass sie ihn in gutem Gesundheitszustand vorgefunden habe – allein, aber nicht in Isolationshaft. Die nächste Anhörung ist für den 19. August angesetzt.

Das einzige Detail, das den Ausschlag geben könnte, ist der Nachweis, dass er das eigentliche Opfer und nicht der Täter ist. An diesem Strohhalm klammern sich Flavio S. und seine Eltern, Antonio und Daniela.

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