Verletzter Canyoning-Tourist aus Klamm „Apocalypse Now” geborgen

Aufwendig: Trentiner Bergrettung bewältigt stundenlange Schluchtenbergung

Montag, 17. August 2026 | 22:50 Uhr

Von: Martin Geier

Cinte Tesino – Gegen 1.30 Uhr am frühen Montagmorgen endete ein langer und komplexer Rettungseinsatz in der als „Apocalypse Now“ bekannten Klamm des Baches Grigno im Valsugana im Gemeindegebiet von Cinte Tesino. Gerettet wurde ein 30-jähriger Einheimischer, der begeistert Canyoning betreibt. Beim Abstieg durch die Schlucht hatte er sich zusammen mit einem Begleiter eine Beinverletzung zugezogen.

Der Alarm wurde am Sonntagnachmittag gegen 17.30 Uhr ausgelöst, als einige Bekannte der beiden meldeten, dass diese nicht zurückgekehrt waren. Die Notrufzentrale alarmierte die Rettungsstationen Tesino und Bassa Valsugana der Trentiner Berg- und Höhlenrettung CNSAS sowie die Canyoning-Technikgruppe.

Nachdem das Auto der beiden auf dem Parkplatz ausfindig gemacht worden war, drangen vier Techniker der Canyoning-Gruppe in die Schlucht ein, während andere Rettungskräfte das Gebiet stromaufwärts und stromabwärts absuchten und dabei den Funkkontakt zu den im Canyon eingesetzten Teams aufrechterhielten.

Gegen 19.00 Uhr lokalisierten die Schluchtretter die beiden Männer talwärts der „Ponte del Diavolo” im Gebiet von Cinte Tesino. Der Verletzte, der sich bereits am Vormittag beim sechsten Abseilvorgang einen Beinbruch zugezogen hatte, war nicht mehr gehfähig. Die beiden hatten aufgrund fehlender Mobilfunkabdeckung keinen Alarm auslösen können, jedoch hatten sie mitgeteilt, wie ihre Route aussah.

Soccorso Alpino e Speleologico Trentino – CNSAS

Zum Abschluss des Einsatzes stieg ein zweites Team von Klettertechnikern – darunter ein Arzt und ein Sanitäter der Bergrettung – in die Schlucht hinab und übernahm die Versorgung des Verletzten. Nachdem dieser stabilisiert und auf eine Trage gelegt worden war, wurde beschlossen, die Schlucht bis zu dem für die Bergung festgelegten Punkt hinaufzusteigen. Der Verletzte wurde mithilfe eines Gegengewichtssystems etwa 110 Meter entlang einer senkrechten Felswand geborgen.

Anschließend wurde er etwa 100 Meter bis zu einer Lücke in der Vegetation transportiert. Diese Lücke war von der Freiwilligen Feuerwehr von Cinte Tesino durch das Zurückschneiden einiger Bäume und Sträucher freigelegt worden.

Von dort aus konnte der Hubschrauberrettungseinsatz eingeleitet werden. Der Hubschrauber brachte das Sanitätsteam nach Cinte Tesino und flog anschließend zum Unfallort. Ein Hubschrauberrettungstechniker der Bergrettung wurde per Winde an den Unfallort abgelassen und barg die Trage mit dem Verletzten. Der Verletzte wurde gegen 23.00 Uhr ins Krankenhaus Santa Chiara nach Trient gebracht.

Danach wurden die Maßnahmen mit der Bergung des zweiten Kletterers, der auf eigene Faust handeln konnte, sowie der in der Schlucht verbliebenen Techniker der Bergrettung fortgesetzt. Alle wurden mit demselben Bergungssystem mit Gegengewichten aus der Klamm gezogen, das auch für die Bergung des Verletzten verwendet wurde.

Insgesamt waren 25 Rettungskräfte im Einsatz. Der Einsatz endete mit ihrer Rückkehr am frühen Montagmorgen gegen 1.30 Uhr.

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