Von: Lukas Unterkofler
Rom/Bozen – Keine Schranken, keine Warteschlangen, keine abrupten Stopps: Mit dem sogenannten Free-Flow-System soll sich das Bezahlen der Autobahnmaut in Italien grundlegend verändern. Doch die neue Technik bringt auch neue Pflichten für Autofahrer mit sich. Wer die Maut nicht rechtzeitig begleicht, muss mit empfindlichen Strafen rechnen.
Die klassischen Mautstationen mit Schranken könnten laut italienischen Medienberichten auf Italiens Autobahnen zunehmend der Vergangenheit angehören. Statt an einem Mauthäuschen anzuhalten und Geld zu bezahlen, sollen Fahrzeuge künftig einfach weiterfahren können. Möglich macht das das sogenannte Free-Flow-System.
Dabei erfassen Portale mit Kameras und Sensoren die Fahrzeuge während der Fahrt. Das Kennzeichen wird bei der Auffahrt automatisch registriert, zugleich wird anhand der zurückgelegten Strecke die fällige Maut berechnet. Eine Verlangsamung oder ein Stopp an einer Mautstation ist nicht mehr notwendig.
Telepass-Nutzer müssen nichts ändern
Für Autofahrer mit einem elektronischen Mautsystem wie Telepass bleibt der Ablauf weitgehend unverändert. Die Gebühr wird automatisch über das hinterlegte Zahlungsmittel abgerechnet.
Wer hingegen kein entsprechendes Gerät besitzt, muss die Maut nach der Fahrt begleichen. Dafür ist eine Registrierung über eine entsprechende App möglich. Die Zahlung muss innerhalb von 15 Tagen erfolgen. Alternativ kann die Maut auch an dafür vorgesehenen physischen Verkaufsstellen bezahlt werden.
Genau hier liegt eine der größten Herausforderungen des Systems: Die Maut wird nicht mehr unmittelbar beim Passieren einer Schranke bezahlt. Wer die Zahlung vergisst oder die neuen Regeln nicht kennt, riskiert eine Strafe.
Bis zu 344 Euro Strafe
Bei einer nicht fristgerecht bezahlten Maut können empfindliche Sanktionen drohen. Die Strafen können laut den vorliegenden Angaben bis zu 344 Euro betragen. Zusätzlich kann sogar ein Abzug von Punkten vom Führerschein vorgesehen sein.
Das System setzt damit stärker als bisher darauf, dass sich Autofahrer selbst über die Zahlungsmodalitäten informieren und die Frist einhalten. Gerade für Reisende, die nur gelegentlich auf den entsprechenden Strecken unterwegs sind, könnte dies zu einer Stolperfalle werden.
Befürworter des Free Flow sehen dennoch deutliche Vorteile. Ohne Mautstationen soll der Verkehr insbesondere zu Stoßzeiten flüssiger werden. Staus vor den Mautstationen – etwa in Sterzing kurz vor oder nach dem Brennerpass – könnten entfallen.
Auch beim Verbrauch und bei den Emissionen versprechen sich die Betreiber Verbesserungen. Hinzu kommt, dass langfristig Kosten für Mautkabinen, Fahrspuren und Teile des Personals eingespart werden könnten. Ob diese Einsparungen dann tatsächlich auch zu niedrigeren Mautgebühren führen, ist allerdings noch offen.
Schritt in Richtung digitale Autobahn
Italien setzt mit Free Flow damit auf eine zunehmend digitalisierte Form der Mauterhebung. Statt an der Schranke zu bezahlen, wird die Fahrt automatisch erfasst und die Abrechnung anschließend abgewickelt.
Für Autofahrer bedeutet das vor allem eines: Die Maut verschwindet nicht. Lediglich die Schranke wird der Vergangenheit angehören.
Damit das System funktioniert, müssen die Nutzer allerdings genau wissen, wann und wie sie ihre Rechnung begleichen müssen. Eine umfassende Information über die neuen Regeln dürfte deshalb entscheidend sein, wenn Free Flow künftig auf weiteren Strecken zum Einsatz kommt. Derzeit gibt es in Italien nur auf einer kleinen Teststrecke “Free Flow”.




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