Von: Martin Geier
Positano/Vico Equense/Pimonte – Zum Schutz von Schaf- und Ziegenherden vor Großraubtieren, insbesondere Wölfen, hat sich der Einsatz von Herdenschutzhunden als sehr wirksam erwiesen. Schade nur, dass die Herde nicht immer in der Nähe der Hirten bleibt und es in einsamen Gegenden zu bedrohlichen – und bei unpassendem Verhalten auch gefährlichen – Begegnungen mit den Hirtenhunden kommen kann.
Dies mussten drei junge Wanderinnen aus Bacoli bei Neapel erfahren, die auf dem Gipfel des Monte Molare auf der Halbinsel von Sorrento im Zelt übernachteten. Am frühen Montagmorgen war ihr Zelt nicht nur von einer großen Ziegenherde, sondern auch von acht Herdenschutzhunden umzingelt, die aggressiv auftraten.
Die tief verängstigten Frauen „verschanzten” sich in ihrem Zelt und setzten einen Notruf ab. Erst Freiwillige der Berg- und Höhlenrettung von Kampanien befreiten die jungen Frauen aus ihrer misslichen Lage. Dieser bedenkliche Vorfall lenkt die Aufmerksamkeit erneut auf ein häufig auftretendes Thema: Wie verhält man sich bei einer Begegnung mit Schäferhunden?

Am Montagmorgen rückte die Berg- und Höhlenrettung von Kampanien aus, um drei jungen Frauen aus Bacoli bei Neapel zu Hilfe zu kommen, die sich von den Herdenschutzhunden bedroht fühlten. Den Notruf hatten die zutiefst verängstigten Wanderinnen selbst abgesetzt.
Am Sonntag hatten sie den Gipfel des Monte Molare (offiziell Monte San Michele) erreicht – mit 1.444 Metern die höchste Erhebung der Halbinsel von Sorrent und der Amalfiküste im Regionalpark der Monti Lattari. Dort verbrachten sie die Nacht im Zelt, um am nächsten Tag ihre Wanderung in Richtung Conocchia fortzusetzen.

Doch am Montagmorgen sahen sie sich laut Angaben der Bergrettung CNSAS Kampanien plötzlich von einer Ziegenherde und acht aggressiven Schäferhunden umzingelt. Aus Angst um ihre Sicherheit blieben die Wanderinnen im Zelt und verständigten die Rettungskräfte. Als das Bergrettungseinsatzteam gegen 9.00 Uhr am Ort des Geschehens eintraf, hatten sich die aggressivsten Tiere bereits entfernt. Die Retter konnten zu den unversehrten Frauen vordringen, die keine medizinische Versorgung benötigten. Nach dem Abbau des Lagers wurden die Wanderinnen von den Einsatzkräften sicher zu ihrem Auto am Piano del Pero begleitet.

Dieser Vorfall lenkt die Aufmerksamkeit erneut auf ein immer wiederkehrendes Thema: Wie verhält man sich bei einer Begegnung mit Schutzhunden? Wenn man einem Herdenschutzhund wie dem Maremmen-Abruzzen-Schäferhund oder dem Pyrenäenberghund begegnet, lautet die Grundregel: Sofort stehen bleiben, Ruhe bewahren und jede abrupte Bewegung sowie direkten Blickkontakt vermeiden. In solchen Situationen ist es wichtig, sich vor Augen zu halten, dass das Tier nicht böswillig handelt, sondern lediglich seiner natürlichen Aufgabe nachkommt, die Herde zu beschützen.
Um die Begegnung bestmöglich zu meistern, sollte man als Erstes stehen bleiben, wenn der Hund bellend auf einen zuläuft. Weglaufen oder Schreien sollte man vermeiden, da dies seinen Verteidigungsinstinkt auslösen könnte. Unerlässlich ist es auch, dem Tier nicht direkt in die Augen zu schauen, da dies als Bedrohung oder Herausforderung wahrgenommen wird. Stattdessen sollte man zur Seite schauen und dabei die Kontrolle über die Lage behalten.

Es ist sehr hilfreich, ein Hindernis zwischen sich und das Tier zu schieben. Wer einen Rucksack trägt, kann diesen vor den Oberkörper halten, um ihn als passiven Schutzschild zu nutzen. Radfahrer sollten sofort absteigen und das Fahrrad als Schutzbarriere nutzen. Sobald der Hund den Druck verringert oder aufhört zu bellen, kann man sich sehr langsam zurückziehen, ohne sich dabei jemals abrupt umzudrehen oder dem Tier den Rücken zuzukehren.
Um weitere Spannungen zu vermeiden, sollte man stets einen großen Bogen um die Weidefläche machen und sorgfältig darauf achten, die Herde weder zu durchqueren noch zwischen den Schafen hindurchzugehen. Wer mit seinem Hund unterwegs ist, muss diesen unbedingt an der kurzen Leine halten und dicht bei sich führen. Jeglicher Kontakt muss verhindert werden, da Hütehunde andere Hunde als potenzielle Raubtiere ansehen, die es zu neutralisieren gilt.

Im Interview mit italienischen Medien gibt Elena Gabbi, Züchterin und Schulungsleiterin für den richtigen Umgang mit Schutzhunden, Wanderern, die Herdenschutzhunden begegnen, einen stets nützlichen Ratschlag mit: „Bleiben Sie so ruhig wie möglich, ohne mit Händen, Armen oder Wanderstöcken zu gestikulieren. Erheben Sie nicht die Stimme und werfen Sie keine Gegenstände. Versuchen Sie auch nicht, freundlich auf sie zuzugehen, so natürlich das auch erscheinen mag, wenn diese Hunde bellend und mit wedelndem Schwanz auf Sie zukommen. Das ist jedoch nicht als Willkommensgruß zu werten.“
Im Gegensatz zu dem, was oft behauptet wird, sollte man Hunde nicht abschrecken, indem man ihnen entgegengeht. Sie wurden schließlich gezüchtet, um das Vieh unter Einsatz ihres Lebens zu schützen. Besser ist es, stehenzubleiben, um den Hunden klarzumachen, dass man kein Interesse an den Schafen oder Ziegen – wie in diesem Fall – hat und keine Bedrohung für die Herde darstellt.

Um die Signale dieser Tiere besser zu verstehen und die Begegnung sicher zu bewältigen, wird empfohlen, sich das Erklärvideo (siehe unten) anzusehen.
Die drei jungen Frauen haben sich richtig verhalten. Anstatt sich den Hunden zu nähern oder schreiend davonzulaufen, zogen sie sich in ihr Zelt zurück und alarmierten die Rettungskräfte.






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