Von: Martin Geier
Neapel – Die Ermittlungen im Todesfall des kleinen Domenico Caliendo, der nach einer Herztransplantation im Krankenhaus von Neapel verstarb, treten in eine entscheidende Phase. Laut der Staatsanwaltschaft sollen Unterhaltungen in einer Nachrichtengruppe belegen, dass sich mehrere Ärzte intensiv über verschiedene Entwürfe des Operationsberichts austauschten und die finale Version offenbar miteinander abstimmten. „Ein Chat zwischen den Ärzten, um sich auf die endgültige Fassung des Krankenberichts zu einigen“, lautet die schwere Anschuldigung.
Der Fall hat in Italien und darüber hinaus für großes Aufsehen und Bestürzung gesorgt. Der zweieinhalbjährige Bub verstarb im Februar 2026 im Monaldi-Krankenhaus in Neapel, nachdem eine im Dezember 2025 durchgeführte Herztransplantation fehlgeschlagen war. Das Spenderherz für den schwerkranken Jungen war am 23. Dezember 2025 im Krankenhaus Bozen entnommen und nach Neapel geflogen worden. Nach der am selben Tag erfolgten Transplantation kam es zu gravierenden Komplikationen und der Bub erlag am 21. Februar 2026 schließlich den Folgen. Nach bisherigen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Neapel dürfte das Organ bereits vor dem Einpflanzen geschädigt gewesen sein. Im Fokus steht dabei der Transport: Es besteht der Verdacht, dass der Kühlbehälter nicht den Standards entsprach und das Herz fälschlicherweise mit Trockeneis statt mit gewöhnlichem Wassereis gekühlt wurde.

Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen insgesamt sieben Mediziner. Gegen zwei der an der Operation beteiligten Ärzte wurden bereits vorläufige Berufsverbote verhängt. Aktuelle Auswertungen der Staatsanwaltschaft belasten die Mediziner nun zusätzlich. Aus Unterhaltungen in einer Nachrichtengruppe soll hervorgehen, dass sich mehrere Ärzte vom 23. bis zum 26. Dezember intensiv über verschiedene Entwürfe des Operationsberichts austauschten und die finale Version offenbar miteinander abstimmten.

Der Befundbericht über die fehlgeschlagene Transplantation soll demnach mindestens dreimal geändert worden sein. Dies geht aus den Unterlagen hervor, die die Staatsanwaltschaft im Vorfeld der Anhörung vor dem Berufungsgericht in Neapel im Zusammenhang mit dem Berufsverbot gegen die beiden Chirurgen vorgelegt hat, die Domenico Caliendo operiert hatten. Der zweijährige Bub war am 21. Februar im Krankenhaus Monaldi in Neapel verstorben – nach einer am 23. Dezember 2025 fehlgeschlagenen Herztransplantation, wie der Corriere del Mezzogiorno berichtet.
In diesem Fall läuft derzeit eine Untersuchung der Staatsanwaltschaft Neapel. Sieben Ärzte stehen unter Verdacht der fahrlässigen Tötung, darunter der Primar der Kinderherzchirurgie Guido Oppido, der den Eingriff durchgeführt hat, und seine Stellvertreterin Emma Bergonzoni. Letztere wurden aufgrund eines Berufsverbots vorübergehend vom ärztlichen Beruf suspendiert. Dieses hat der Ermittlungsrichter des Gerichts von Neapel, Mariano Sorrentino, auf Antrag der Staatsanwälte Giuseppe Tittaferrante und Antonio Ricci wegen des Verdachts der Fälschung in der Krankenakte verhängt.
Im Hinblick auf die Verhandlung über diese Verbotsmaßnahme hat die Staatsanwaltschaft den Inhalt einiger Chats zwischen Dr. Bergonzoni und einem weiteren Verdächtigen vorgelegt. Aus den Unterhaltungen geht ein reger Nachrichtenaustausch vom 23. bis zum 26. Dezember hervor, der verschiedene Entwürfe des Operationsberichts über die fehlgeschlagene Transplantation enthält.
Die ersten beiden Entwürfe des Operationsberichts vom Heiligabend und dem Weihnachtstag weisen Abweichungen in der chronologischen Abfolge der kritischen OP-Phasen auf. Insbesondere fehlt darin der Hinweis auf die Gleichzeitigkeit der Explantation des kranken Herzens und das Öffnen der Kühlbox mit dem Spenderorgan.
„Wir haben erfahren, dass es nach der Auswertung der Chat-Protokolle von den Mobiltelefonen der Verdächtigen drei Versionen des Operationsprotokolls der am 23. Dezember 2025 im Monaldi durchgeführten Transplantation geben soll. Nur eine davon ist unterschrieben: die letzte“, bestätigt Francesco Petruzzi, der Anwalt der Opferfamilie Caliendo-Mercolini.
„In den ersten beiden“, erklärt Petruzzi, „ist zu lesen, dass das aus der Transportbox entnommene Organ gefroren erscheint. In Klammern stehen zwei Worte: Failure del trasporto (Transportfehler, Anm. d. Verf.). Es gibt keine Erklärung und keinen Verantwortlichen. In der endgültigen Fassung kommt es zu einer entscheidenden Änderung: Der Behälter wird geöffnet, während die Kardiotomie beginnt. Was zuvor nacheinander ablief, geschieht nun gleichzeitig. Genau darauf hat diese Verteidigung von Anfang an bestanden. Die vorgeschlagene Chronologie hält einem Vergleich mit dem Anästhesieprotokoll und dem Zeitpunkt der Aortenklemme nicht stand. Der Rest des Protokolls bleibt unverändert. Es ändert sich lediglich die Darstellung der Minuten, in denen das Herz im Operationssaal eintraf. Und diese Darstellung ändert sich immer in dieselbe Richtung, nämlich in Richtung Fälschung und Schuldzuweisungen“, wird Rechtsanwalt Petruzzi vom Corriere del Mezzogiorno zitiert.

Anfang August einigte sich die Leitung des Monaldi-Krankenhauses, die Azienda Ospedaliera dei Colli, mit der Familie des Jungen auf einen Vergleich: Die Angehörigen erhalten eine Entschädigung zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Euro. Die Mutter betonte jedoch, dass es ihnen nicht ums Geld gehe. Vielmehr wollte die Familie einen langwierigen Zivilprozess vermeiden, um ihre Kräfte auf das Strafverfahren zu konzentrieren.
Seitdem widmen sich die Anwälte der Familie als Nebenkläger ausschließlich dieser strafrechtlichen Verfolgung. Sobald die medizinischen Gutachten im Herbst vorliegen, dürfte die Staatsanwaltschaft Neapel formell Anklage erheben. Der Prozessbeginn wird für Anfang 2027 erwartet. Der Fall Domenico Caliendo hat weit über Italien hinaus Bestürzung ausgelöst – der bevorstehende Strafprozess wird daher mit Spannung erwartet.





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