Mattia ist 20, hat Instagram und lebt allein mit Schafen im Trentino

„Die Einsamkeit stört mich nicht“

Sonntag, 06. September 2026 | 08:23 Uhr

Von: Sophia Molitor

Trient – Für Mattia Nuresi ist die Natur nicht nur ein Arbeitsplatz, sondern sein Zuhause. Der 20-jährige aus Padova hat sich für ein ungewöhnliches Leben als wandernder Hirte in den Bergen des Trentino entschieden. Er verbringt dort die Monate mit mehr als 200 Schafen und seinen Hütehunden, in einfachen Unterkünften, mit wenig Wasser, kaum Handyempfang und viel Zeit allein.

Eine Einsamkeit, macht ihm allerdings nichts aus. „Die Einsamkeit belastet mich nicht, weil die Berge das Zuhause sind, das ich mir ausgesucht habe“, sagt Mattia. Gleichzeitig ist er keineswegs ein Eremit: Er hat ein Instagram-Profil, pflegt Kontakte und bleibt mit der Außenwelt verbunden.

Sein Alltag wurde durch den Fotografen Massimiliano Baroni dokumentiert. Die beiden begegneten sich bei einer Wanderung in dem Gebiet “Kleine Dolomiten” bei Vicenza. Aus der zufälligen Begegnung ist ein Fotoprojekt entstanden, für das Baroni den jungen Hirten über Monate begleitet hat – unter anderem auf dem Monte Carega, in der Lessinia und in Sommacampagna. Das Ziel des Fotografen war nicht, die Arbeit der Hirten an sich in den Vordergrund zu rücken, sondern Mattia, sein Leben im Hochgebirge und seine tief empfundene Entscheidung so gut wie möglich zu zeigen.

Die daraus entstandenen Schwarz-Weiß-Aufnahmen sind derzeit in der Ausstellung „Dove finisce il segnale?“ von Luca Chistè zu sehen, die noch bis zum 27. September in der Stadtbibliothek Tartarotti in Rovereto gezeigt wird. In drei Abschnitten erzählen die Bilder von den Landschaften, der Herde und schließlich von Mattia selbst – bei der Arbeit und in den wenigen Momenten der Ruhe. Mattia freut sich zwar darüber, dass die Arbeit der Hirten durch die Ausstellung sichtbarer wird, ist aber selbst nicht am Rampenlicht interessiert. „Ich möchte nur nicht zu viele Augen auf mich gerichtet haben.“ betont er.

Modernität ja – aber schalten wir einen Gang zurück

Der 20-jährige Hirte besitzt noch keine eigenen Schafe, aktuell kümmert er sich im Auftrag lokaler Besitzer um mehr als 200 Tiere und begleitet diese, gemeinsam mit seinen Hunden, über die Bergweiden. Dabei gehört auch der Umgang mit Gefahren zu seinem Alltag; Wölfe, Fahrzeuge oder andere Gefahren können für die Tiere jederzeit zur Bedrohung werden. Besonders bei den Lämmern ist Vorsicht geboten.

Trotz seines bewusst einfachen Lebens ist Mattia ein junger Mensch der heutigen Zeit. Er hat sich nicht gegen die moderne Welt entschieden, sondern für ein anderes Tempo. Genau das wünscht er sich auch für die Zukunft: „Ich stelle mir eine Zukunft vor, in der man trotz des mondernen Lebensstils – auch wenn es schwierig sein wird – einen Gang zurückschalten und die kleinen Dinge genießen kann, die uns bereits umgeben.“

Eine Geschichte, die zeigt, dass die heutige Lebensweise vielleicht selbstverständlicher wirkt, als sie für viele Menschen tatsächlich ist.

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