Von: Lukas Unterkofler
Tignale – Eine große Rauchwolke stand in der Nacht auf Samstag über dem Gardasee: In Tignale am westlichen Gardasee war ein Waldbrand außer Kontrolle geraten. Das lodernde Feuer war weitum sichtbar und versetzte Anwohner wie Touristen in große Sorge.
Die Flammen breiteten sich in dem bergigen Gebiet auf rund 800 Höhenmetern oberhalb von Gardola aus und kamen teilweise gefährlich nahe an bewohnte Gebäude. Rund 200 Menschen mussten vorsorglich ihre Häuser und eine Ferienanlage verlassen. Die Bewohner und Urlauber mussten aus mehreren Häusern sowie aus einer Ferienanlage in Sicherheit gebracht werden.
Nach Angaben des Bürgermeisters von Tignale, Daniele Bonassi, handelte es sich vor allem um ausländische Touristen, die in fünf Ferienhäusern nahe der Brandlinie untergebracht waren.
Verletzt wurde nach bisherigen Angaben niemand. Die Löscharbeiten dauerten auch am Samstagvormittag an.
Zwei Löschflugzeuge vom Typ Canadair und zwei Hubschrauber waren im Einsatz. Die Flugzeuge nahmen Wasser aus dem Gardasee auf und warfen es über den brennenden Waldgebieten ab.

Starker Wind erschwerte die Löscharbeiten
Starker Wind, das unwegsame Gelände und die trockene Vegetation erschwerten die Löscharbeiten. Nach Angaben von Bürgermeister Bonassi war in dem Gebiet trotz Regen in anderen Teilen der Provinz kein Niederschlag gefallen. Die Trockenheit der vergangenen Wochen begünstigte die Ausbreitung der Flammen.
Rauchsäule auch am Samstag weitum zu sehen
Seit den Nachtstunden kämpften die Einsatzkräfte gegen die Flammen, die durch den Wind zusätzlich angefacht wurden. Noch am frühen Morgen war die massive Rauchsäule über mehrere Kilometer hinweg sichtbar.
Im Einsatz waren die Berufsfeuerwehren aus der Provinz Brescia sowie zahlreiche freiwillige Feuerwehrleute aus der Umgebung und dem Trentino. Auch Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr von Riva del Garda rückten mit mehreren Fahrzeugen und Mannschaften aus.
Unterstützt werden die Löscharbeiten von der Zivilschutzorganisation, den Carabinieri, der Forstbehörde und freiwilligen Helfern der Waldbrandbekämpfung.
Menschen in Sicherheit gebracht
Der Schwerpunkt lag zunächst darauf, Menschen in Sicherheit zu bringen, die Ausbreitung des Feuers einzudämmen und die Häuser in dem betroffenen Gebiet zu schützen. Ob bereits Schäden an Gebäuden entstanden sind, war am Vormittag nicht bekannt.
Nach Angaben des Bürgermeisters konnte durch den Einsatz verhindert werden, dass Menschen zu Schaden kamen. Die Ursache des Brandes war zunächst unklar. Das Feuer war am Samstag noch nicht vollständig unter Kontrolle.
Große Trockenheit
Die Lage ist besonders angespannt, weil das Gebiet rund um den Gardasee derzeit außergewöhnlich trocken ist, wie Beatrice Harmjanz in einem Video erklärt, das sie Südtirol News zugespielt hat. Sie beobachtete die Lage von der Ostseite des Gardasees.
Die ausgetrocknete Vegetation bietet den Flammen reichlich Nahrung, während der Wind das Feuer zusätzlich antreiben kann. Die Einsatzkräfte versuchen deshalb, ein weiteres Übergreifen des Waldbrandes auf bewohnte Gebiete zu verhindern.

Bürgermeister von Tignale spricht von „furchterregenden Szenen“
Doch auch am Samstag in der Früh war die Lage noch nicht unter Kontrolle. Dichte Rauchschwaden zogen über die Westseite des Gardasees. Die Einsatzkräfte waren weiter ohne Unterlass vor Ort, um das Feuer zu bändigen.
Auch Häuser in der Gegend wurden durchsucht, weil unklar ist, ob sie derzeit von Gästen besucht waren oder gerade leer standen. Unter den evakuierten Personen befinden sich auch viele Urlauber.

Tignales Bürgermeister Daniele Bonassi spricht von “furchterregenden Szenen” rund um die Wallfahrtskirche.

Auch andere Regionen betroffen
In Italien tobten zuletzt mehrere Brände. Besonders betroffen sind die Regionen im Süden des Landes wie Kalabrien, Apulien oder die großen Inseln Sizilien und Sardinien.
Die Ausbreitung der Brände wird in den Sommermonaten begünstigt durch Hitzewellen mit Trockenheit und dem für das Gebiet üblichen Schirokko-Wind. Oft ist jedoch auch Brandstiftung der Grund für die Brände.
Der italienische Zivilschutz und die Feuerwehr starten jährlich vor dem Sommer Kampagnen, um die Bevölkerung für die Waldbrandgefahr zu sensibilisieren. In diesem Jahr haben die Behörden nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre aufgerüstet: Neue Löschflugzeuge und -hubschrauber sowie weiteres schweres Gerät wurden angeschafft.
Außerdem setzen die Einsatzkräfte vermehrt Drohnen ein, um die gefährdeten Gebiete im Blick zu behalten. In einigen Gegenden wurde zudem das Hydranten-Netz zur Wasserversorgung ausgebaut.











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