Aufwendiger Rettungseinsatz am Campanile di Val Montanaia – VIDEO

Gefährlich: Bergsteiger hängt hilflos im Seil

Samstag, 22. August 2026 | 08:09 Uhr

Von: Martin Geier

Cimolais – Eine abenteuerliche Klettertour und eine Rettung wie aus einem Film: Das ist die Bilanz eines geglückten Bergrettungseinsatzes in den Friauler Dolomiten.

In der Nacht zum Mittwoch gerieten ein 53-jähriger Mann aus Venedig und eine Frau in der senkrechten Wand unter dem Campanile di Val Montanaia in große Schwierigkeiten, als sie sich vom berühmten Felsobelisk abseilten. Die beiden hatten die Abseilroute vom großen Felsvorsprung aus falsch gewählt und waren zu weit nach Westen abgewichen. Glücklicherweise bemerkten einige Personen am Fuße der Wand die Not des Bergsteigerpaars.

Facebook/Soccorso Alpino e Speleologico Friuli Venezia Giulia – CNSAS

Das schlechte Wetter verhinderte einen Hubschraubereinsatz mit der Seilwinde, weshalb die Bergretter zu einem „klassischen Rettungseinsatz” mit dem Seil gezwungen waren. Dank der Retter nahm die Geschichte ein glückliches Ende. Doch die fehlende Mobilfunkabdeckung für den Notruf im Jahr 2026 wird als skandalös beschrieben.

Facebook/Soccorso Alpino e Speleologico Friuli Venezia Giulia – CNSAS

Ein Bergsteigerpaar aus Venedig – ein 53-jähriger Mann und seine 28-jährige Frau – geriet am Dienstag beim Abstieg vom Campanile di Val Montanaia, einem etwa 300 Meter hohen Felsturm im Herzen der Friauler Dolomiten in 2.173 Metern Seehöhe, in große Schwierigkeiten. Die beiden hatten die Abseilroute vom großen Felsvorsprung aus falsch gewählt und waren zu weit nach Westen abgewichen.

Facebook/Soccorso Alpino e Speleologico Friuli Venezia Giulia – CNSAS

Nach etwa 50 Metern blieb der Mann in der Luft hängen. Eine Lage, die auch ein gefährliches klinisches Risiko aufgrund des „Syndroms der passiven Hängeposition“ barg, da die lange Bewegungslosigkeit die Durchblutung der im Klettergurt gesicherten Person beeinträchtigen kann. Glücklicherweise bemerkten einige Personen am Fuße des Felsobelisken die Not des Bergsteigerpaars und eilten zur etwa zweieinhalb Stunden Fußweg entfernten Pordenone-Hütte, um die Notrufzentrale zu verständigen.

Facebook/Soccorso Alpino e Speleologico Friuli Venezia Giulia – CNSAS

Die Rettungskräfte wurden sofort alarmiert und entsandten die Bergretter der Station Valcellina der Bergrettung, den regionalen Rettungshubschrauber sowie einen Rettungswagen zum Unglücksort. Der Rettungseinsatz gestaltete sich äußerst schwierig.

Der Rettungshubschrauber flog zum Gipfel, konnte die Rettung mit der Winde jedoch nicht durchführen, da ab dem Felsvorsprung keine Sicht mehr bestand und die Windkraft der Rotorblätter des Hubschraubers Steine zu lockern drohte, wodurch ein hohes Risiko bestand, sowohl den Bergsteiger als auch den Rettungstechniker an der Winde zu gefährden. Nach der Rückkehr zum Basislager am Flugplatz von Pinedo wurde beschlossen, mit 200 Meter langen Seilen aufzusteigen und den Gipfel des Campanile di Val Montanaia von der Ostseite aus anzusteuern, um dort drei Rettungskräfte abzusetzen.

Facebook/Soccorso Alpino e Speleologico Friuli Venezia Giulia – CNSAS

Am Abend, als es dunkel wurde, erreichte das Team den Felsvorsprung, wo die Seilpartnerin des hängenden Bergsteigers wartete. Ein Retter seilte sich ab, erreichte den Mann, hakte ihn ein, durchtrennte seine Seile und brachte ihn schließlich zum Fuß des Obelisken. Obwohl erschöpft, blieb der Bergsteiger bei klarem Bewusstsein. Der um 18.50 Uhr begonnene Einsatz endete gegen 1.00 Uhr.

Dank des aufwendigen Einsatzes der Bergretter nahm die Geschichte ein glückliches Ende. In den Kommentaren unter den Facebook-Eintrag ernteten sie dafür viel Lob. Herbe Kritik gab es jedoch für die “großen Löcher” in der Mobilfunkabdeckung im Einsatzgebiet, durch die wertvolle Zeit verlorenging. Tatsächlich hatte das in Bergnot geratene Paar das große Glück, dass andere auf sie aufmerksam geworden waren. Jedoch mussten Unglückszeugen wie anno dazumal zweieinhalb Stunden bis zur Schutzhütte eilen, von wo aus erst der Notruf verständigt werden konnte.

Facebook/Maurizio Santarossa El Pedro/Campanile di Val Montanaia

„Wollen wir mal darüber reden, dass es in der gesamten Val Cimoliana unmöglich ist, einen Notruf zu tätigen? Ich rede nicht vom Internet, sondern von einem einfachen Anruf bei der Notrufnummer 112! Im Juni hat sich mein zwölfjähriger Sohn auf dem Wanderweg am Oberschenkel geschnitten. Er brauchte sechs Stiche. Wir haben uns irgendwie durchgeschlagen, sind zwei Stunden den Berg hinabgestiegen und haben anschließend noch gut eine Stunde mit dem Auto gebraucht, um nach Spilimbergo zu kommen, wo er genäht werden konnte. Man sollte wissen, dass es in Norditalien Berge der ‚Serie A‘ gibt, in denen müde Wanderer, die zu viele Bomboloni gegessen haben, obwohl sie nur noch zehn Minuten vom Auto entfernt sind, abgeholt werden. Und dann gibt es die Berge der ‚Serie B‘, in denen man, sollte einem etwas Mittelschweres zustoßen, getrost sterben kann”, übt Facebook-Nutzer Daniele Pistoni scharfe Kritik.

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