Notfallkommunikation bei Bergrettungseinsätzen gefährdet

Gefährlicher Vandalismus am Berg: Lebenswichtiges Photovoltaikmodul mutwillig zerstört

Freitag, 14. August 2026 | 08:15 Uhr

Von: Martin Geier

Usseaux/Chiomonte – Mitglieder und Bergretter der Alpenvereine aller Alpenanrainerstaaten beobachten seit Jahren eine stetige Zunahme von Vandalismus und Umweltvergehen. Bivakschachteln werden etwa mit Spray beschmiert, ihre Inneneinrichtung wird beschädigt oder entwendet und im Innenraum sowie in der Umgebung wird Müll hinterlassen.

Was Bergretter der piemontesischen Berg- und Höhlenrettung CNSAS hingegen auf dem Gipfel der Cima Ciantiplagna in den Cottischen Alpen auf 2.849 Metern Seehöhe zwischen dem Susatal und dem Chisone-Tal zufällig entdeckten, löste aufgrund der Folgen für die öffentliche Sicherheit große Empörung aus.

Facebook/Soccorso Alpino e Speleologico Piemonte – CNSAS

Als sie die Anlage der Funkbrücke inspizierten, die für die Gewährleistung der Notfallkommunikation bei Bergrettungseinsätzen, Übungen und der Ausbildung der Einsatzkräfte unverzichtbar ist, entdeckten die Bergretter, dass Randalierer eines der Photovoltaikmodule zerstört hatten, das die möglicherweise lebenswichtige Funkanlage mit Strom versorgt.

Da sich die Anlage nahe dem Gipfel befindet, kommen natürliche Gründe für die Beschädigung wie Steinschlag nicht infrage. Zudem halten die Photovoltaik-Platten auch kräftigem Hagelschlag stand. Der Befund deutet vielmehr darauf hin, dass das Photovoltaikmodul mutwillig mit einem großen Stein eingeschlagen wurde.

Facebook/Soccorso Alpino e Speleologico Piemonte – CNSAS

„In den letzten Tagen haben wir eine Rechnung über mehr als 1.000 Euro für den Austausch des auf dem Bild zu sehenden Photovoltaikmoduls beglichen. Das Modul dient zur Stromversorgung einer Funkbrücke, die die Kommunikation bei Rettungseinsätzen, Übungen und Schulungen unserer Techniker ermöglicht. Das Modul wurde offenbar von jemandem mit einem Stein zerschlagen. Wir wissen nicht, wann dies geschehen ist, da wir den Schaden erst zufällig bei einer Begehung vor einigen Wochen bemerkt haben. Dies ist eine unvorhergesehene Ausgabe, die dem normalen Betrieb unseres Dienstes finanzielle Ressourcen entzieht – und das wegen jemandem, der sich der Folgen seines Handelns offenbar nicht bewusst ist oder, noch schlimmer, absichtlich die Einrichtungen eines Vereins zerstört, der einen öffentlichen Dienst leistet, um die Sicherheit aller Bergfreunde zu gewährleisten“, teilt die Berg- und Höhlenrettung CNSAS des Piemont auf ihrer Facebook- und Instagram-Seite mit.

Facebook/Soccorso Alpino e Speleologico Piemonte – CNSAS

Nur dem glücklichen Zufall und den regelmäßigen Kontrollgängen der Bergretter ist es zu verdanken, dass der Schaden rechtzeitig entdeckt und behoben werden konnte.

Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass den Randalierern bewusst war, dass sie durch ihre blinde Zerstörungswut, die durch nichts gerechtfertigt ist, die Funktionstüchtigkeit einer lebenswichtigen Anlage beeinträchtigt haben. In jedem Fall wirft die Handlung, die in so einer Form im gesamten Alpenbogen bisher noch nicht festgestellt wurde, einen Schatten auf bestimmte Formen des „Bergtourismus”, die in den letzten Jahren immer häufiger zu beobachten sind. Offenbar hat sich die Vorstellung verbreitet, dass die Berge ein Ort seien, an dem man sich nicht für die Folgen seines Tuns verantworten müsse.

Facebook/Soccorso Alpino e Speleologico Piemonte – CNSAS

Nachdem der CNSAS des Piemont den Vorfall samt Fotos auf seiner Facebook- und Instagram-Seite veröffentlicht hat, sind unter Bergsteigern und Bergfreunden Entsetzen und Empörung groß. In unzähligen Kommentaren wird der Vorfall von Vandalismus, der im schlimmsten Fall Leben hätte gefährden können, aufs Schärfste verurteilt und die Absurdität dieser Tat hervorgehoben.

Facebook/Soccorso Alpino e Speleologico Piemonte – CNSAS

Gleichzeitig ergießt sich eine Woge der Solidarität über die Bergretter. Unternehmen, die mit Photovoltaikmodulen handeln, boten dem CNSAS des Piemont an, Photovoltaikpaneele kostenlos zu liefern. Andere Bergfreunde wiederum erklärten sich bereit, den Transport auf den Gipfel und die Montage beim nächsten Mal zu übernehmen. Viele andere ließen den Bergrettern eine kleine Spende zukommen.

Dennoch ist der Ärger darüber, dass der oder die Täter ungeschoren davonkommen, groß. Ebenso ist die Ohnmacht angesichts der Tatsache, dass man jenseits von Appellen nichts gegen solche Taten unternehmen kann, enorm.

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