Sirmione erstickt an Kurzzeitvermietungen

“Ich finde keine Wohnung und bin gezwungen, im Camper zu leben”

Freitag, 18. September 2026 | 08:11 Uhr

Von: Martin Geier

Sirmione – Die malerische, schmale Landzunge von Sirmione, die etwa vier Kilometer lang ist und weithin sichtbar von der Südküste in den Gardasee ragt, gilt vielen Einheimischen und Touristen als der vielleicht schönste Ort am See. Das mittelalterliche Städtchen mit der mächtigen Scaligerburg, den engen Gassen, den heilenden Thermalquellen, den schönen Strandbädern und vor allem der römischen Villa „Grotten des Catull” zieht Touristen aus nah und fern in seinen Bann.

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Schade nur, dass Sirmione eine Anziehungskraft auf Urlauber entwickelt hat, die das Fassungsvermögen des mittelalterlich geprägten Städtchens und der gleichnamigen Landzunge bei Weitem übersteigt. Die Zahlen lassen keinen Zweifel. Mit über 1,2 Millionen Touristen pro Jahr bei etwas mehr als 8.000 Einwohnern stehen Sirmione und sein Umland unter großem touristischen Druck. Die Lage der Altstadt auf einer schmalen Halbinsel mit nur einem Zugang verstärkt die Auswirkungen der Besucherströme zusätzlich.

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Noch schlimmer als die Tatsache, dass es in der Hochsaison in Sirmione so richtig „voll“ ist, ist jedoch, dass sich die Einheimischen Sirmione – wie in manchen touristischen Hotspots Südtirols – schlicht nicht mehr leisten können.

Flavio V. schildert seine Leidensgeschichte gegenüber dem italienischen Onlinemedium Fanpage.it und erzählt, wie schwierig es mittlerweile geworden ist, in Sirmione zu leben. Zwischen Ferienwohnungen und Kurzzeitvermietungen ist es unmöglich geworden, eine freie Wohnung zu finden.

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„Seit zwei Jahren lebe ich in einem Wohnmobil und finde einfach keine Wohnung. In Sirmione sind langfristige Mietverträge zu erschwinglichen Preisen mittlerweile eine Illusion“, sagt Flavio V. gegenüber Fanpage.it. Er ist von Beruf NCC-Taxifahrer (Noleggio Con Conducente, Mietwagen mit Fahrer) und wohnt seit acht Jahren in dem bekannten Ferienort am Gardasee in der Provinz Brescia. Er hat beschlossen, die „unerträgliche“ Situation in seinem Heimatort anzuprangern, die durch astronomisch hohe Miet- und Immobilienpreise geprägt ist. Diese Preise werden durch den immer massiveren Zustrom von Touristen maßgeblich beeinflusst.

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Flavio V. berichtet Fanpage.it, dass er sich nach der Trennung von seiner Frau gezwungen sah, in einem Wohnmobil zu leben. „Mit nur einem Gehalt an einem so teuren Ort hatte ich nur die Wahl zwischen dem Camper und der Straße. Anfangs ging es mir im Wohnmobil sogar ganz gut, aber als ich mich dann entschloss, eine Mietwohnung zu suchen, wurde mir klar, wie schwierig, wenn nicht gar unmöglich das war. Ich hatte nur eine Einzimmerwohnung für über tausend Euro im Monat gefunden, auf die ich wegen der überhöhten Kosten natürlich verzichten musste.“

Außerdem erklärt Flavio, wie sehr sich das soziale Gefüge Sirmiones im Laufe der Jahre durch den Massentourismus verändert hat. Geschäfte und Restaurants – darunter auch bekannte – hätten geschlossen, um in Ferienwohnungen umgewandelt zu werden. Räume im Erdgeschoss werden daher selbst für kurze Zeiträume für über 1.500 Euro pro Woche vermietet. Sirmione, so Flavio V., ersticke an Kurzzeitvermietungen.

stnews/ka

Neben den Kurzzeitvermietungen gibt es zahlreiche Zweitwohnsitze, die außerhalb der Saison komplett geschlossen bleiben. „Aufgrund dieser Lage ist es mittlerweile undenkbar geworden, eine freie und erschwingliche Wohnung zu finden”, fügt Flavio hinzu. „Sirmione wächst in der Sommersaison mit der Ankunft der Touristen von 8.000 Einwohnern auf bis zu 50.000 Besucher an. In der nahegelegenen Kleinstadt Desenzano del Garda steigt die Einwohnerzahl im Sommer von etwa 30.000 auf 300.000. Die Situation ist mittlerweile völlig außer Kontrolle geraten.“

Im Juni 2023 zog sich der Gardasee zurück und legte Land frei – (Pixabay/Michelle Raponi)

In den sozialen Netzwerken stößt Flavio V. mit seiner Leidensgeschichte auf viel Solidarität, einige Nutzer merken jedoch an, dass das Wohnen kaum mehr als eine Autoviertelstunde vom Gemeindegebiet von Sirmione entfernt viel günstiger ist. In Volta Mantovana, Cavriana, Ponti sul Mincio, Monzambano oder Goito, die zwischen 15 und 30 Autominuten vom See und Sirmione entfernt liegen, sind beispielsweise Zweizimmerwohnungen bereits ab einer monatlichen Miete von 500 Euro zu haben. Sie laden Flavio V. daher ein, sich im Hinterland von Sirmione nach einer Wohnung umzuschauen.

APA/APA/AFP/MIGUEL MEDINA

In Südtirol besteht diese Möglichkeit hingegen leider oft nicht, denn auch in den Nachbargemeinden der touristischen Hotspots sind annehmbare Angebote mittlerweile rar geworden. Im „günstigeren Speckgürtel” eine leistbare Mietwohnung zu finden, ist daher oft nicht einfach.

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