Von: Lukas Unterkofler
Bozen – 56,2 Millionen Euro kosten die geplanten Erweiterungen von drei Südtiroler Kläranlagen. Nach Angaben des Verbraucherschutzvereins Robin stehen die Investitionen vor allem mit den Belastungsspitzen in den Tourismusgebieten in Zusammenhang. Der Verein fordert deshalb, dass der Tourismussektor stärker an den Kosten beteiligt wird.
Besonders deutlich zeigt sich die Situation in Gröden. Dort soll die Kläranlage Pontives von derzeit 78.000 auf 125.000 Einwohnergleichwerte ausgebaut werden. Zum Vergleich: In Gröden leben rund 10.000 Menschen. Auch im Burggrafenamt ist die Dimension erheblich: Die kürzlich um 26,5 Millionen Euro erweiterte Kläranlage Sinich verfügt bei etwas mehr als 90.000 Einwohnern im Einzugsgebiet über eine Kapazität von 619.000 Einwohnergleichwerten.
Robin sieht darin einen Zusammenhang mit der touristischen Entwicklung. Vor allem Hotels, größere Wellnessanlagen und Schwimmbäder würden laut dem Verein in der Hochsaison zusätzliche Belastungen verursachen. Bereits beim Thema Fett im Abwasser hatte Robin für eine stärkere Anwendung des Verursacherprinzips plädiert.
„Wer zusätzliche Infrastruktur braucht, muss bezahlen“
Der Verbraucherschutzverein unterstützt deshalb die Forderung von Eco-Center-Präsident Dario Dal Medico und Bozens Bürgermeister Claudio Corrarati nach einer stärkeren finanziellen Beteiligung des Tourismus. Nach Ansicht von Robin sollte sich diese nicht nur auf laufende Kosten beschränken, sondern auch die Investitionen in zusätzliche Kapazitäten umfassen.
Der Verein verweist dabei auf das italienische Umweltrecht und das Prinzip „chi inquina paga“ – wer verschmutzt, bezahlt. Gefordert wird eine transparente Berechnung: Welcher Teil der Kapazität wird für die Wohnbevölkerung benötigt und welcher Anteil ist auf die touristische Nutzung zurückzuführen?
„Wenn Hotels, Wellnessanlagen und Schwimmbäder in der Hochsaison Kläranlagen an ihre Grenzen bringen, kann die Lösung nicht darin bestehen, dass die Allgemeinheit die Millioneninvestitionen bezahlt“, erklärt Robin-Geschäftsführer Walther Andreaus. Die zusätzlichen Infrastrukturkosten müssten verursachergerecht getragen werden. “Der Tourismus kassiert die Wertschöpfung – die Allgemeinheit soll die Infrastruktur bezahlen?” Das ist für Robin nicht akzeptabel, wie es in einer Pressemitteilung heißt.
Robin kündigt zudem an, mögliche Auswirkungen der öffentlichen Finanzierung auf das EU-Beihilfenrecht zu prüfen. Sollte sich dabei ein Verdacht auf eine unzulässige Beihilfe ergeben, werde der Verein eine Eingabe bei der Europäischen Kommission prüfen.
Der Verein fordert vom Land abschließend eine verursachergerechte Berechnung der touristisch bedingten Mehrkosten. Overtourismus müsse nicht nur bei Bettenzahlen und Besucherströmen, sondern auch bei den Kosten für die dafür notwendige Infrastruktur berücksichtigt werden.




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