Von: Sophia Molitor
Die Beauty-Welt erlebt einen deutlichen Wandel im Verständnis von Schönheit und beim Lippen-Make-up. Während das vergangene Jahrzehnt von künstlicher Perfektion und möglichst makellosen Looks geprägt war, rückt heute natürliche Frische in den Mittelpunkt. Ob es sich bei dieser Wende tatsächlich um einen Ausdruck von Natürlichkeit handelt und warum gerade Frauen einerseits solche Trends mittragen, sich andererseits aber unter Druck gesetzt fühlen, auf ihr Äußeres reduziert zu werden, hängt letztlich auch mit der Frage nach Eigenverantwortung und damit zusammen, was überhaupt als schön empfunden wird.
In den 2010er-Jahren setzte der Trend zu extrem vollen Lippen durch – maßgeblich beeinflusst von prominenten Vorbildern wie Kylie Jenner und der zunehmenden Verbreitung von Social-Media-Filtern. Maximale Fülle, häufig erzielt durch Hyaluronsäure-Unterspritzungen wie die sogenannten „Russian Lips“, wurde zum Schönheitsideal. Dazu kamen stark deckende, matte Lippenstifte mit präziser, harter Kontur. Das Ergebnis war ein perfekt geformter, beinahe skulpturaler Look, der allerdings häufig künstlich wirkte.
Heute hat sich das Schönheitsideal deutlich gewandelt. Statt künstlicher Vergrößerung geht es zunehmend um einen frischen, saftigen und gesund glänzenden Look. Die sogenannten „Juicy Lips“ sollen möglichst natürlich wirken – fast so, als hätte man gerade in eine reife Kirsche oder Erdbeere gebissen.
Anders als die klebrigen Lipglosse vergangener Jahre ist die moderne Variante vor allem leicht, feuchtigkeitsspendend und angenehm zu tragen. Der intensive Glanz reflektiert das Licht und lässt die Lippen dadurch automatisch voller und praller wirken – ganz ohne Filler-Unterspritzungen, harte Konturen oder stark deckende Lippenstifte. Statt auf Perfektion setzt der Look auf Natürlichkeit.
Die Verantwortung hinter dem Schönheitsideal
Nicht selten wird ein neues Schönheitsideal zunächst als sozialer Druck wahrgenommen. Gerade in feministischen Kreisen steht dabei die Kritik im Vordergrund, Frauen würden seit jeher dazu gedrängt, einem von außen definierten, häufig männlich geprägten Schönheitsideal zu entsprechen. Die Frage, die sich hier stellt, ist jedoch, ob tatsächlich allein der gesellschaftliche Einfluss dafür verantwortlich ist – oder ob dabei nicht auch die Eigenverantwortung der Frauen ausgeblendet wird.
Denn letztlich entscheidet jede Frau selbst darüber, wie sie sich präsentieren und mit ihrem Aussehen umgehen möchte. Wer sich schminkt, seinen Körper verändert oder sich für einen ästhetischen Eingriff entscheidet, sollte sich dabei jedoch bewusst sein, welche äußere Wirkung damit verbunden ist – und dass man sich in diesem Moment bewusst gegen ein vollständig natürliches Erscheinungsbild entscheidet.




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