Fünf Prozent der Haushalte besitzen mehr als die Hälfte des Vermögens

Italien: Reichtum konzentriert sich zunehmend

Sonntag, 20. September 2026 | 08:05 Uhr

Von: Lukas Unterkofler

Rom – Die reichsten fünf Prozent der italienischen Haushalte besitzen inzwischen mehr als die Hälfte des gesamten Nettovermögens. Gleichzeitig wächst der Wohlstand des Landes langsamer als in anderen großen Volkswirtschaften der Eurozone.

Das geht aus einer Analyse des Observatoriums für den Wohlstand der Haushalte der Fondazione Fiba von First Cisl hervor. Demnach belief sich das Nettovermögen der italienischen Haushalte Ende 2025 auf 11.333 Milliarden Euro. Seit 2015 ist es um 22,8 Prozent gestiegen. In Deutschland nahm das Vermögen im selben Zeitraum um 87,3 Prozent zu, in Spanien um 56,6 Prozent und in Frankreich um 42 Prozent.

Die Vermögenskonzentration hat zugleich deutlich zugenommen. Die reichsten fünf Prozent verfügten 2010 über 39,9 Prozent des Nettovermögens, 2025 waren es bereits 50,2 Prozent. Die ärmere Hälfte der Haushalte besaß dagegen zusammen lediglich 7,3 Prozent.

Die Konzentration zeigt sich insbesondere bei Finanzanlagen. Die reichsten zehn Prozent halten laut Studie 76,7 Prozent der Schuldverschreibungen, 93,3 Prozent der börsennotierten Aktien und 82,5 Prozent der Anteile an Investmentfonds. Bei nicht börsennotierten Aktien und sonstigen Beteiligungen liegt ihr Anteil demnach sogar bei 98,3 Prozent.

Als einen Grund für die schwächere Vermögensentwicklung nennt die Studie die vergleichsweise geringe Zunahme von Einkommen und Ersparnissen.

Das verfügbare Bruttoeinkommen der italienischen Haushalte stieg zwischen 2015 und 2025 um 28,4 Prozent auf 1.455 Milliarden Euro. In Deutschland betrug der Zuwachs 48,3 Prozent, in Frankreich 41,1 Prozent und in Spanien 53,8 Prozent.

Die Sparquote der italienischen Haushalte lag 2025 bei 10,7 Prozent und damit deutlich unter dem Durchschnitt der Eurozone von 14,3 Prozent.

Bei der Verschuldung liegt Italien hingegen unter anderen großen Euroländern. Die italienischen Haushalte hatten Ende 2025 insgesamt Schulden von 804,7 Milliarden Euro. Das entspricht 10,2 Prozent der gesamten privaten Verschuldung in der Eurozone. Der Anteil Deutschlands lag bei 27,4 Prozent, jener Frankreichs bei 22,2 Prozent.

First-Cisl-Generalsekretär Riccardo Colombani warnt angesichts der Entwicklung vor einer weiteren Konzentration des Vermögens. Ohne ein dauerhaft höheres Wirtschaftswachstum und steigende Löhne könnte der Anteil der reichsten fünf Prozent weiter zunehmen. Gleichzeitig sieht er einen größeren Bedarf, privates Sparvermögen für Investitionen in die europäische Wirtschaft zu mobilisieren.

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