Von: Martin Geier
Rom – In der Mittelschule „Giovanni Verga“ im römischen Viertel Centocelle hat sich eine schockierende Gewalttat ereignet. Ein 13-jähriger Schüler verletzte eine Lehrerin leicht mit einem Messer, nachdem er ihr Pfefferspray ins Gesicht gesprüht hatte.
Der Vorfall ereignete sich während der ersten Unterrichtsstunde. Der Jugendliche betrat das Klassenzimmer, bewaffnet mit einem Messer und Pfefferspray. Zunächst betäubte er die Lehrerin, indem er ihr das Spray ins Gesicht sprühte, und stach dann mit dem Messer auf sie ein. Es scheint, als habe der Jugendliche einen Livestream aus der Schule auf Telegram senden wollen, allerdings wurde der Stream offenbar gar nicht erst gestartet.
Der 13-Jährige trug einen Helm mit einer GoPro-Kamera, um die Szene des Angriffs aufzunehmen. Dabei hielt er das Messer und die Pfefferspraydose in der Hand. Der Livestream war mit einer Telegram-Gruppe verbunden, die derzeit untersucht wird. Es scheint, als seien weitere Personen live zugeschaltet gewesen. Es ist unklar, ob es sich dabei um Volljährige oder Minderjährige handelte.

Der Angriff konnte dank des beherzten Eingreifens eines Mitschülers beendet werden, der den Angreifer vom Opfer trennte und festhielt. Das Opfer, die 66-jährige Italienisch- und Geografielehrerin Isabella Marsilio, wurde von den alarmierten Rettungskräften erstversorgt und ins Krankenhaus gebracht. Sie stand unter Schock und erlitt Stich- und Schnittverletzungen, die glücklicherweise keine lebenswichtigen Organe betrafen, sodass keine Lebensgefahr besteht.
Mitschülern zufolge soll der Jugendliche aus Rache gehandelt haben. Er habe im vergangenen Schuljahr in beiden Fächern schlechte Noten von der Lehrerin erhalten, die er nun aufholen musste. Isabella Marsilio, der nur noch ein Jahr bis zur Pensionierung fehlt, wird als sehr erfahrene und engagierte Lehrerin beschrieben. Sie unterrichtet seit fast vier Jahren an dieser Schule.
Zusammen mit dem Notarzt und seinem Team trafen auch die Carabinieri von Centocelle in der Mittelschule ein. Das Smartphone des Jugendlichen wurde beschlagnahmt und wird jetzt untersucht, um herauszufinden, mit wem er zum Zeitpunkt der Tat in Live-Verbindung stand. Da er jünger als 14 Jahre ist, ist er nach italienischem Recht nicht strafmündig. Er wurde jedoch in Begleitung seiner Eltern zur Carabinieri-Station gebracht, um von den Behörden befragt zu werden.
Isabella Marsilio konnte das Krankenhaus noch am selben Tag wieder verlassen. „Es geht ihr gut, aber sie steht unter Schock“, bestätigt ihr Sohn. „Sie hat drei Messerstiche in Höhe der Hüfte und knapp unterhalb der Brust erlitten. Es ist ein Wunder, dass die Stiche keine inneren Organe getroffen haben.“
Die 66-Jährige hat dem Täter bereits verziehen. „Ich habe ihn gern und es tut mir unendlich leid, dass ich erst jetzt begriffen habe, wie stark und tief sein Unbehagen war. Es tut mir furchtbar leid, wenn er meine Belehrungen als Vorwürfe oder Strafen aufgefasst hat“ , so die Lehrerin gegenüber La Repubblica.it und wendet sich direkt an ihren Schüler: „Ich habe ihn nie bestraft. Er hat große Wut auf mich in sich aufgestaut. Ich empfinde großes Mitgefühl für sein Unwohlsein und würde ihn gern umarmen.“ Isabella Marsilio erzählt, wie es zu dem Vorfall kam: „Er stach auf mich ein und schwieg dabei. Ich hatte Angst zu sterben.“
Schüler, Lehrkräfte und Eltern zeigten sich zutiefst erschüttert über den Vorfall und baten um Diskretion sowie Zusammenarbeit. „Wir sprechen hier von Minderjährigen“, betonte die Direktorin. „Jetzt müssen wir an das Wohl der Kinder denken.“ Sie ergänzte, dass es keinerlei Vorzeichen gegeben habe: Der Schüler sei nie auffällig gewesen und habe „in dieser Hinsicht keinerlei Anlass zur Sorge gegeben – weder in der Schule noch im familiären Umfeld“.
Auch der Sohn der verletzten Lehrerin äußerte sich bestürzt: „Unsere Schulen sind unsicher. Die versprochenen Metalldetektoren habe ich bis heute noch nie gesehen.“
Der Angriff löste in Bildungseinrichtungen und der Politik heftige Reaktionen aus und veranlasste auch Bildungsminister Giuseppe Valditara zu einer öffentlichen Stellungnahme.




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