Hüttenwirt wehrt sich: „Wir müssen den Müll wegräumen, den ihr zurücklasst!“

“Kein Picknick und Toilettenbenutzung nur mit Kassenbon”

Mittwoch, 05. August 2026 | 08:09 Uhr

Von: Martin Geier

Falcade – „Kein Picknick und Toilettenbenutzung nur mit Kassenbon“ – so lautet die Kritik einer Bergwanderin an die Adresse der Berghütte Rifugio Laresei in den Belluneser Dolomiten.

Doch die Antwort des Hüttenwirts Massimo Manfroi ließ nicht lange auf sich warten: „Leider haben wir Kosten zu tragen. Wir haben zwölf Mitarbeiter, die eine Familie zu versorgen haben. Wir müssen Stunden damit verbringen, die Toilette zu reinigen und den Müll zu verräumen, den Leute wie Sie nach ihren Picknicks hinterlassen.“

Der harschen Antwort, die er auch auf der Facebook-Seite des Rifugio Laresei veröffentlichte, fügte der Hüttenwirt zwei Bilder hinzu, die mehr als tausend Worte sagen: ein großer Sack voller Müll, den die „Gratisbergtouristen“ auf seiner Hütte hinterlassen haben.

Facebook/Rifugio Laresei

Das Rifugio Laresei ist eine wunderschöne Berghütte mit Panoramablick auf 2.250 Metern Höhe auf der Cima Pradazzo in der Gemeinde Falcade im Skigebiet San Pellegrino in den Belluneser Dolomiten. Sie ist sowohl im Sommer als auch im Winter bei Berg- und Skifreunden überaus beliebt.

Facebook/Rifugio Laresei

Das verhindert jedoch nicht, dass auch das Rifugio Laresei negative Bewertungen erhält. „Wunderschöne Aussicht, aber nicht einmal einen Tisch für ein Picknick. Man soll am Kiosk oder im Restaurant essen. Auf die Toilette darf man nur, wenn man etwas kauft. Null Gastfreundschaft. Ich gehe da nicht mehr hin“, schrieb eine Frau auf Google Maps. Die Kundin hat die Hütte mit einem Stern „abgewertet“, gerade weil sie im Außenbereich keine kostenlosen Sitzplätze gefunden hat, um ihr mitgebrachtes Essen zu verzehren. Sie beanstandete auch die Regelung des Hüttenwirts, die Toiletten ausschließlich zahlenden Gästen vorzubehalten.

Facebook/Rifugio Laresei/Screenshot Rezension

Doch die Antwort des Hüttenwirts Massimo Manfroi vom Rifugio Laresei ließ nicht lange auf sich warten: „Leider haben wir Kosten zu tragen: Wir haben zwölf Mitarbeiter, die eine Familie zu versorgen haben. Wir müssen Stunden damit verbringen, die Toiletten zu reinigen und den Müll wegzuräumen, den Leute wie Sie nach ihren Picknicks zurücklassen. Deshalb lade ich Sie ein, sich – falls Sie nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfügen, obwohl Sie doch Geld für ein Smartphone haben, um Ihre Tiraden zu schreiben – auf einen schönen Felsen zu setzen, die Aussicht zu genießen und ein leckeres, von zu Hause mitgebrachtes belegtes Brot zu essen. Vielleicht wettern Sie dann nicht mehr so leichtfertig gegen diejenigen, die mit Mühe und Opfern dazu beitragen, die Berge am Leben zu erhalten. Mit herzlichen Grüßen und auf ein nie wieder sehen.“

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Der harschen Antwort, die viral ging, fügte der Hüttenwirt zwei Bilder hinzu, die mehr als tausend Worte sagen: Ein großer Sack voller Müll, den die „Gratisbergtouristen” auf seiner Hütte hinterlassen haben. Sie verdeutlichen die Kosten und den Aufwand, die durch die Säuberung des Geländes von den nicht zahlenden Besuchern entstehen.

Der Fall des Rifugio Laresei hat eine hitzige Debatte in den sozialen Netzwerken sowie in den Lokalmedien neu entfacht. Die öffentliche Meinung hat sich dabei deutlich in zwei Lager gespalten. Die einen verteidigen das Handeln des Hüttenwirts, die anderen kritisieren die moderne Bewirtschaftung des Hochgebirgstourismus.

Facebook/Rifugio Laresei

Die Mehrheit der Nutzer stellt sich hinter die Argumente der Berghütte. Sie weisen vor allem darauf hin, dass eine Hütte in großer Höhe kein öffentlicher Picknickplatz, sondern ein privater Gastbetrieb ist, der erhebliche Betriebskosten zu tragen hat.

Zudem betonen die Befürworter die Bedeutung der Regel „Abfall ins Tal mitnehmen“ und weisen darauf hin, dass jeder, der mit Essen im Rucksack hinaufsteigen kann, seinen leichten Abfall problemlos wieder mitnehmen kann. Als völlig inakzeptabel wird schließlich beispielsweise die Forderung angesehen, die sauberen Toiletten kostenlos zu nutzen, ohne etwas zu konsumieren – ein Verhalten, das niemand selbst in der Stadt für zulässig halten würde.

Facebook/Rifugio Laresei

Auf der anderen Seite vertritt eine kritische Minderheit die Meinung der Frau und beklagt einen fortschreitenden Verlust des alpinen Geistes. Sie kritisieren, dass die klassischen Dolomitenhütten mittlerweile Luxusrestaurants ähneln und dies auf Kosten der traditionellen Gastfreundschaft gehe.

Hinzu kommt der Protest gegen den unverhältnismäßigen Preisanstieg, durch den Familien oder Menschen mit geringeren finanziellen Mitteln abgeschreckt werden. Darüber hinaus bemängeln verschiedene Kommentatoren den Mangel an kostenlosen Rastplätzen rund um die Hütten. Dies hindert diejenigen, die sich lediglich ausruhen möchten, daran, dies zu tun, ohne etwas konsumieren zu müssen.

Facebook/Rifugio Laresei

Die Diskussion über den Einzelfall hinaus bringt ein Grundproblem zum Vorschein, das den ganzen Alpenraum betrifft, in den Dolomiten jedoch als besonders stark empfunden wird. Es ist mit Overtourism sowie dem tiefgreifenden Wandel der Besucherzielgruppe verbunden.

Erfahrene Dolomitenfreunde weisen nämlich darauf hin, dass die Berge mittlerweile von einer Masse an Besuchern überrannt werden, die an städtischen Komfort und Einkaufszentren gewöhnt sind. Diese neue Besuchergruppe neigt leider dazu, die Grundregeln des Wanderns – wie Selbstversorgung, Ruheeinhaltung und Umweltschutz – zu ignorieren. Sie erwartet, in den Bergen denselben Komfort wie im Flachland vorzufinden – und das möglichst kostenfrei.

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Diese „Einkaufszentrumstouristen“, die vermehrt auch für unnötige Einsätze der Bergrettung verantwortlich gemacht werden, müssen sich bewusst werden, dass der durch Umweltverschmutzung entstehende Schaden in der unberührten Bergnatur noch größer ist. Daher gilt: „Was man in die Berge mitnimmt, muss man auch wieder mit nach Hause nehmen!“

 

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