Gletscher so früh schneefrei wie selten

Marmolata im Hitzeschock: Fast 13 Grad auf 3.343 Metern

Samstag, 27. Juni 2026 | 08:25 Uhr

Von: luk

Marmolata – Die außergewöhnliche Hitzewelle in Europa macht auch vor den höchsten Gipfeln der Dolomiten nicht halt. Auf der Marmolata – der höchste Berg der Dolomiten – wurden in den vergangenen Tagen Temperaturen gemessen, die weit über dem langjährigen Durchschnitt liegen und den dortigen Gletscher zusätzlich unter Druck setzen.

Wie der Wetterexperte Flavio Tolin von “Marmoladameteo” berichtet, wurden am 25. Juni an der Capanna Punta Penia auf 3.343 Metern Höhe 12,9 Grad Celsius als Höchsttemperatur registriert. Die Tiefsttemperatur lag bei 4,8 Grad, die Tagesmitteltemperatur bei 7,3 Grad. Das sind mehr als acht Grad über dem langjährigen Durchschnitt.

Besonders deutlich wird die Entwicklung im Vergleich mit dem 11. Juni: Damals lag die durchschnittliche Temperatur noch bei minus 5,7 Grad, die Höchsttemperatur erreichte lediglich minus 2,3 Grad. Innerhalb von nur zwei Wochen habe sich die Wetterlage damit komplett verändert.

Die Folgen für den Gletscher sind bereits sichtbar. Nach Angaben Tolins ist die Gletscherzunge inzwischen schneefrei. Das sei ein Zustand, der sonst erst zwischen Mitte und Ende Juli eintritt.

Damit sei die Entwicklung in diesem Jahr rund einen Monat früher als üblich eingetreten. Ursache seien neben der aktuellen Hitzewelle auch ein schneearmer Winter, ein deutliches Niederschlagsdefizit und ungewöhnlich hohe Temperaturen bereits in den Wintermonaten.

Tolin spricht von einem klaren Trend: Die Temperaturabweichungen nähmen von Jahr zu Jahr zu, die Gletscher gerieten zunehmend unter Stress. Über die Ursachen wolle er zwar nicht spekulieren, die Messdaten zeigten jedoch eindeutig, dass sich die Situation kontinuierlich verschärfe.

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