Vater Gino hofft auf Wandel

Mord an Giulia Cecchettin wird in Kinofilm verarbeitet

Samstag, 24. Oktober 2026 | 11:29 Uhr

Von: Matthias Knapp

Rom – Einer der dramatischsten Femizide, der sich in den vergangenen Jahren in Italien ereignet hat, wurde in einem Kinofilm verarbeitet. „Se domani non torno“ (Wenn ich morgen nicht zurückkehre) beleuchtet die Tragödie rund um die 22-jährige Studentin Giulia Cecchettin, die im November 2023 von ihrem Ex-Freund ermordet wurde – erzählt aus der Perspektive ihrer Familie.

„Ja zum Film über Giulia zu sagen, war eine sehr schwierige Entscheidung. Aber wenn wir unseren Schmerz nicht erzählen, durchleben wir ihn immer wieder“, erklärte Gino Cecchettin, der Vater von Giulia, im Rahmen einer Pressekonferenz beim Filmfestival von Rom.

Der Spielfilm von Regisseurin Paola Randi, der am 5. November in den italienischen Kinos anläuft, basiert frei auf dem Buch „Cara Giulia“ (Liebe Giulia), das Gino Cecchettin gemeinsam mit Autor Marco Franzoso verfasst hat. Eine bewusste künstlerische Entscheidung zieht sich dabei sowohl durch das Buch als auch durch die Verfilmung: Der Täter wird weder namentlich genannt noch ist er auf der Leinwand zu sehen.

„Der Film erzählt von der Abwesenheit Giulias und vom Weg ihrer Familie, einen unermesslichen privaten Schmerz in gesellschaftliches Engagement zu verwandeln“, erklärte Randi auf der Pressekonferenz.

Die Regisseurin betonte zudem die Notwendigkeit, Femizide nicht als Taten einzelner „Monster“ abzutun: „Sehr oft sind es die Partner oder Ehemänner – Menschen aus unserem direkten Umfeld. Die Gesellschaft besteht aus uns allen, und wir müssen das Patriarchat aktiv abbauen.“

Anteilnahme in ganz Italien

Der Mord an Giulia Cecchettin hatte ganz Italien in Atem gehalten. Medienberichte über das Verschwinden der jungen Frau gemeinsam mit ihrem damals 22-jährigen Ex-Freund Filippo Turetta lösten zunächst Spekulationen über die Flucht eines jungen Studentenpärchens aus. Doch schon bald kam der Verdacht auf, dass es sich möglicherweise um eine Entführung oder um ein weit schlimmeres Gewaltverbrechen handelt.

Nach Turetta wurde eine Woche lang gefahndet, bis er auf der Autobahn bei Bad Dürrenberg in Sachsen-Anhalt in Deutschland in der Nähe von Leipzig vorläufig festgenommen worden, nachdem er wegen Benzinmangels auf dem Pannenstreifen liegen geblieben war. Anschließend wurde er nach Italien ausgeliefert und dort zu lebenslanger Haft verurteilt.

Sein Fluchtauto soll auch in Südtirol gesichtet worden sein, nachdem er sich des Leichnams der Studentin in einer Schlucht in der Nähe vom Barcis-See im Friaul entledigt hatte.

Der tragische Tod der Studentin löste italienweit Bestürzung aus. Viele Menschen pilgerten zum Haus der jungen Frau in Vigonovo in der Provinz Venedig und hinterließen Blumen. Die Nachricht des Mordes sei herzzerreißend, schrieb Premierministerin Giorgia Meloni in den sozialen Medien. „Ich habe den Fall mit Besorgnis verfolgt und bis zuletzt auf einen anderen Ausgang gehofft. Ich hoffe, dass bald volles Licht in dieses unfassbare Drama gebracht werden kann. Ruhe in Frieden.“ Davor hatte die Vorsitzende der oppositionellen Mitte-Links-Partei (PD), Elly Schlein, ihren Aufruf an Meloni erneuert, sich gemeinsam gegen Gewalt an Frauen einzusetzen.

Rekonstruktion einer Schockwelle

Die Handlung des Films führt zurück nach Vigonovo: Sie zeichnet die bangen Tage nach Giulias Verschwinden kurz vor ihrem Universitätsabschluss nach, die Welle der medialen Anteilnahme, den Fund der Leiche sowie die gesellschaftlichen Debatten, die Giulias Schwester Elena vor den Kameras auslöste.

Für Gino Cecchettin war eine Begegnung im Alltag der entscheidende Anstoß, dem Filmprojekt zuzustimmen: Ein junges Mädchen habe ihm im Flugzeug gedankt und erklärt, dass Giulias Geschichte ihr das Leben gerettet habe. „Wir hoffen, dass die Zuschauer nicht nur unsere Geschichte kennenlernen, sondern auch etwas über sich selbst erfahren und zu Akteuren des Wandels werden, die unsere Gesellschaft so dringend braucht“, so der Vater, der in der Zwischenzeit die Stiftung „Giulia Cecchettin“ ins Leben gerufen hat.

In den Hauptrollen glänzen renommierte Darsteller. Filippo Timi verkörpert Gino Cecchettin. „Gino reagiert auf das Unverzeihliche mit Würde und Sanftmut. Es war mir ein Privileg, diesen Mann zu spielen“, erklärte der Schauspieler laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Ansa.

Sabrina Martina übernimmt die Rolle der Giulia. Ihr sei es wichtig gewesen, „Giulia in all ihren Facetten als Mensch zu zeigen und sie nicht nur auf ihr tragisches Ende zu reduzieren“.

Tecla Bossi und Tommaso Allione stellen hingegen Giulias Geschwister Elena und Davide dar. Der von Notorious Pictures produzierte Film feiert im Rahmen der Festspielschiene „Alice nella città“ seine Premiere und will ein starkes Zeichen im Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt setzen.

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