Scheinangriff in den Alpen

Norditalien: Wanderer stehen plötzlich vor Bärin

Dienstag, 23. Juni 2026 | 16:53 Uhr

Von: luk

San Lorenzo Dorsino – Einen Schreckmoment, an dem sie noch lange zu knabbern haben werden, erlebten am späten Sonntagnachmittag zwei Wanderer im Trentino.

Auf einem Forstweg im Gebiet Bael nahe Ranzo sind die beiden Wanderer unvermittelt einer Bärin mit drei Jungtieren begegnet. Das Muttertier ging energisch auf die beiden Personen zu.

Der Vorfall ereignete sich gegen 18.30 Uhr in der Gemeinde San Lorenzo Dorsino in Richtung Lago di Nembia. Glücklicherweise ging die Sache glimpflich aus – die beiden blieben unverletzt, standen jedoch laut Medienberichten unter Schock.

Nach ersten Angaben der Provinz Trient handelte es sich um einen sogenannten „Scheinangriff“. Dieses Verhalten gilt als typische Reaktion von Bärinnen mit Nachwuchs, wenn sie sich durch Menschen in der Nähe ihrer Jungen bedroht fühlen. Das Tier soll auf die Wanderer zugestürmt sein, stoppte jedoch kurz vor ihnen in etwa einem Meter Abstand und ließ ein bedrohliches Brüllen ertönen.

Ziel dieses Verhaltens sei es nicht, tatsächlich anzugreifen, sondern Abstand herzustellen und die vermeintliche Gefahr zu vertreiben, heißt es von Fachleuten. Die beiden Wanderer behielten offenbar die Ruhe und konnten sich unverletzt aus der Situation zurückziehen.

Die Forstbehörde des Trentino wird weitere Untersuchungen aufnehmen, um den genauen Ablauf zu rekonstruieren und das Tier im Gebiet zu überwachen.

Der Vorfall lenkt erneut den Blick auf das Zusammenleben von Mensch und Großraubtieren in den Alpen. Die Bärenpopulation im Trentino wird von den Behörden kontinuierlich beobachtet. Solche Begegnungen gelten als selten, treten jedoch vor allem in den Sommermonaten häufiger auf, wenn viele Wanderer unterwegs sind und Bären mit Jungtieren aktiv sind.

Experten raten in solchen Situationen, Ruhe zu bewahren, nicht zu rennen und sich langsam zurückzuziehen, ohne sich den Jungtieren zu nähern. Den Tieren sollte immer eine Fluchtmöglichkeit gelassen werden. Außerdem wird empfohlen, in bewaldeten Abschnitten Lärm zu machen, Hunde an der Leine zu führen und keine Essensreste zu hinterlassen. Besonders Bärinnen mit Nachwuchs gelten als sensibel, da sie bei wahrgenommener Gefahr besonders konsequent reagieren können.

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