Von: idr
Mailand/Cortina – Die italienische Kulturnation ist in Aufruhr: Der staatliche Fernsehsender RAI zeigt im Vorspann zu den Olympischen Winterspielen Leonardo da Vincis weltberühmten Vitruvianischen Menschen, allerdings ohne dessen bestes Stück. Was folgte, war ein politischer Eklat.
Die ikonische Renaissance-Zeichnung aus dem Jahr 1490 dient als Eyecatcher für die Olympia-Übertragungen. In einer farbenprächtigen Animation verwandelt sich die Figur in Eiskunstläufer, Skifahrer und andere Wintersportler. Doch ein Detail fehlt: die männlichen Geschlechtsorgane, die im Original deutlich zu sehen sind. Stattdessen präsentiert die RAI eine glatte, geschlechtslose Version, vergleichbar mit einer Spielfigur.
Die größte Oppositionspartei Italiens, der Partito Democratico, kündigte umgehend eine parlamentarische Anfrage an Kulturminister Alessandro Giuli an. Man wolle klären, ob die RAI überhaupt berechtigt gewesen sei, das Kunstwerk zu nutzen und ob Veränderungen am Original zulässig seien. Die linkspopulistische Fünf-Sterne-Bewegung sprach von der „rückständigsten Wohnzimmerzensur, weil die RAI-Führung offenbar fürchtet, ein Penis könne Anstoß erregen“.
RAI hält dagegen
Die RAI wies die Vorwürfe vehement zurück und sprach von „Fake News“ und einer „an den Haaren herbeigezogenen Kontroverse“. Der Vorspann stamme von Olympic Broadcasting Services, dem offiziellen Produktionsdienst des Internationalen Olympischen Komitees. Alle Sender weltweit müssten die Inhalte unverändert ausstrahlen. Auch die RAI könne daran nichts ändern.
Tatsächlich könnten die IOC-Richtlinien schuld sein, die „explizit sexuelle Inhalte“ streng verbieten. Ob ein 536 Jahre altes Meisterwerk der Kunstgeschichte darunterfällt, bleibt umstritten.




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