Von: ka
Palmoli/L’Aquila – Die „Waldkindereltern“ Catherine Birmingham und Nathan Trevallion wollen erneut den Schritt in ein nachhaltiges Leben mitten im Wald wagen – diesmal jedoch im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen. Das alte, baufällige Bauernhaus, in dem das Paar mit seinen drei Kindern mehr hauste, als wohnte, war einer der Gründe, warum den Eltern einstweilig das Sorgerecht entzogen wurde und die Kinder aus ihrem Zuhause genommen wurden. Es wurde als ungeeignet für ihre Bedürfnisse angesehen.

Das neue geplante Ökohaus soll diese Mängel beheben und Schlichtheit und Komfort vereinen. Neben einer einfachen, naturnahen Bauweise gehören ein gemütlicher Holzofen und ein modernes Badezimmer zur Ausstattung. Für Nathan und Catherine ist es ein Ort der Hoffnung, denn das Paar erwartet bald seine Kinder und bereitet alles für das gemeinsame Familienleben vor. Nun richtet sich der Blick nach L’Aquila, denn dort steht eine richtungsweisende Entscheidung über die offizielle Familienzusammenführung bevor. Das Urteil wird in Kürze erwartet und könnte den Weg für das künftige Zusammenleben der Familie endgültig ebnen.

Die alte Steinruine wird als historisches Denkmal für das, was einmal war und jetzt nicht mehr ist, stehen bleiben. Zwanzig Meter weiter wird hingegen das neue Haus der Familie Trevallion entstehen. Die Genehmigungen der Gemeinde Palmoli liegen vor und in wenigen Tagen beginnen die Arbeiten. Das Haus wird 66 Quadratmeter groß sein und nach ökologisch nachhaltigen Prinzipien gebaut werden. Es wird eine Holzkonstruktion mit Wänden aus Hanfziegeln sein. Diese Bauweise wird Bioarchitektur genannt – ganz im Sinne der Prinzipien des englisch-australischen Paares, das den Alltag im Einklang mit der Natur, ohne überflüssige Strukturen und ohne umweltschädliche Gegenstände, zu seinem Lebensinhalt gemacht hat.
Die Modelldarstellung des neuen Häuschens, das vom Architekturbüro Mascarucci aus Pescara entworfen wurde, vermittelt einen besseren Eindruck vom Projekt als jede Beschreibung. Von der kleinen Veranda aus hat man einen Blick auf den Gemüsegarten und den Park. Im Inneren befinden sich zwei Schlafzimmer, eine Küche, ein Wohnzimmer und ein Badezimmer.
Im Gegensatz zum alten, baufälligen Bauernhaus befinden sich die Sanitäranlagen nun im Inneren und nicht mehr im Außenbereich. Das war vor allem im Winter für die drei kleinen Kinder unbequem. Es handelt sich also um ein normales Badezimmer, auch wenn Filter zum Einsatz kommen werden, um Materialien zurückzugewinnen, die anschließend als Dünger wiederverwendet werden. Damit wird eines der kritischen Probleme gelöst, auf das das Jugendgericht von L’Aquila in seiner Entscheidung hingewiesen hatte.

Mit dieser wurde im vergangenen November das Sorgerecht von Nathan und Catherine ausgesetzt und die Kinder in einem Kinderheim in Vasto untergebracht. „Es handelt sich um ein ‚Passivhaus‘-Projekt“, erklärt die Architektin Maria Mascarucci gegenüber dem Corriere della Sera.
„Dank der verwendeten Materialien und seiner Lage inmitten großer Bäume wird es keine Heiz- und Kühlanlagen benötigen. Die Familie wird ihre Lebensgewohnheiten unverändert beibehalten und wie bisher nur einen Kamin und einen Holzherd zum Heizen des Hauses nutzen. Doch dieses Mal wird alles im Einklang mit den geltenden Vorschriften erfolgen.“

Alles läuft also nach Plan: Das Projekt wurde genehmigt und die Arbeiten stehen kurz bevor. Catherine und Nathan, die derzeit in dem Häuschen wohnen, das ihnen die Gemeinde Palmoli unentgeltlich zur Nutzung überlassen hat, zählen die verbleibenden Tage und Stunden.
Das Wiedersehen mit ihren drei Kindern könnte tatsächlich nur noch eine Frage von sehr kurzer Zeit sein. Am Montag lief die Frist für die Einreichung der letzten Schriftsätze ab. In seinem Schriftsatz hat Rechtsanwalt Simone Pillon alle für die „Waldfamilie“ sprechenden Argumente angeführt, angefangen mit dem Gutachten der Kinder- und Jugendneuropsychiatrie des lokalen Sanitätsbetriebs ASL Lanciano-Vasto. In diesem wird die Dringlichkeit der Wiedervereinigung der seit November 2025 getrennten Familie betont.

Der Schriftsatz des Anwalts stützt sich auch auf die positiven Veränderungen der letzten Wochen, denn Catherine und Nathan sollen den Ansatz, als „Waldfamilie“ im Einklang mit den Gesetzen und Bestimmungen zum Kinderschutz zu leben, angenommen haben. Vor allem Mutter Catherine hat verstanden, dass sie, um ihre Kinder wieder bei sich zu haben, einen anderen Weg einschlagen muss und ihre eigenen Überzeugungen nicht mehr stur durchsetzen darf.
Anwalt Simone Pillon zeigt sich optimistisch: „Wir vertrauen darauf, dass das Jugendgericht die vorgenommenen wesentlichen Änderungen würdigt und den Anträgen der Familienangehörigen entsprechend stattgibt. Die Eltern ihrerseits haben ihre Verpflichtungen durch Taten untermauert. Dass die Richter die Frist für die Schriftsätze der Parteien vorverlegt haben, nachdem sie die Minderjährigen angehört und Anhaltspunkte für ihre Rückkehr nach Hause festgestellt haben, lässt uns glauben, dass eine Lösung unmittelbar bevorsteht und noch in der letzten Juliwoche eintreffen könnte.“
Auch die Schriftstellerin Susanna Tamaro hat in den sozialen Medien einen Appell veröffentlicht: „Die Monate vergehen und die Kinder sind immer noch gefangen, obwohl die Eltern alle von den Sozialdiensten geforderten Bedingungen akzeptiert haben – von den Impfungen bis zur Schulbildung. Mir fehlen die Worte. Es bleibt nur noch ein unermesslicher Schmerz: bei den Eltern, bei den Kindern und bei allen vernünftigen Menschen, die diese unnötig schreckliche Geschichte verfolgt haben.“

In der seit Monaten andauernden öffentlichen Debatte um die „Waldfamilie“ in Palmoli werden das Jugendgericht und die Sozialassistentinnen immer wieder Ziel von Hasspostings. Es gibt jedoch auch viele besonnene Stimmen, die darauf hinweisen, dass die Familie wieder zusammengeführt werden könnte, wenn ein neues Haus gebaut wird, das den gesetzlichen Bestimmungen genügt, und wenn die Kinder das Recht auf Bildung sowie auf soziale und spielerische Kontakte mit Gleichaltrigen anerkannt bekämen.
Ein Leben als „Waldfamilie“ im ökologischen Sinne und die Gewährleistung der in der Verfassung verankerten Rechte der Kinder sind vereinbar.







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