Von: Martin Geier
Florenz/Neapel – Seitdem der in Italien bekannte Musiker, Liedermacher und Regisseur Tommaso Paradiso daran erkrankt ist, fragen sich viele Italiener, was es mit dem „Toscana-Virus“ auf sich hat.
Die Infektionskrankheit, die von Sandmücken übertragen wird und die – verglichen mit anderen viral übertragenen Krankheiten wie West Nile, Chikungunya und Dengue – geschweige denn mit Corona-Viren – in der Öffentlichkeit fast unbekannt ist, verläuft meist symptomlos oder sehr mild. Sie kann aber auch hohes Fieber, gepaart mit Gliederschmerzen, sowie in besonders schweren Fällen eine aseptische Meningitis oder Enzephalitis verursachen.
„Es ist in verschiedenen Regionen Italiens verbreitet und wird durch Sandmücken übertragen. Die Symptome sind Kopfschmerzen und Verwirrtheit. Gehen Sie sofort zum Arzt!”, rät Ivan Gentile, Professor für Infektionskrankheiten an der Universität von Neapel Federico II. Er erläutert die Natur des Virus, den Verlauf der Ansteckung und die richtigen Präventionsmaßnahmen.

Ein kleines Insekt, eine unerwartete Infektion und eine erzwungene Pause am Ende des Sommers. Der in Italien sehr bekannte Singer-Songwriter Tommaso Paradiso hat über seine Social-Media-Kanäle bekannt gegeben, dass er sich mit dem sogenannten „Toscana-Virus“ infiziert hat. Dieser wird durch den Stich einer Sandfliege übertragen. „Ich habe mich mit dem Toscana-Virus angesteckt, bin auf dem Weg der Besserung, aber noch nicht ganz genesen“, erklärte der Künstler und beruhigte seine Fans hinsichtlich seines Gesundheitszustands. Er kündigte jedoch an, dass er gezwungen sei, einige Konzerte und andere Musikveranstaltungen abzusagen.

Der Fall löste zwar keine medizinischen Bedenken hinsichtlich der Gesundheit des ehemaligen Frontmanns von TheGiornalisti aus, rückte aber dennoch diesen Erreger erneut ins Rampenlicht. Ivan Gentile, Professor für Infektionskrankheiten an der Universität Neapel Federico II, erläutert gegenüber der römischen Zeitung Il Fatto Quotidiano die Natur des Virus, den Verlauf der Ansteckung und die richtigen Präventionsmaßnahmen.
„Das Toscana-Virus ist eine Krankheit, die wir schon seit Langem kennen“, sagt er. „Es zirkuliert nicht nur in der Toskana, sondern ist in verschiedenen Regionen Italiens und im Mittelmeerraum verbreitet. Übertragen wird es von kleinen, nachtaktiven Insekten, den Sandmücken (oder Phlebotomen), die kleiner als gewöhnliche Mücken sind und besonders in den wärmeren Monaten des Jahres aktiv werden. Ein wesentlicher Aspekt, der hervorgehoben werden muss, ist, dass es keine Übertragung von Mensch zu Mensch erfolgt: Wer infiziert ist, stellt in keiner Weise eine Gefahr für andere dar.“

Das klinische Bild einer Infektion mit dem Toscana-Virus kann sehr unterschiedlich ausfallen. Es reicht von völliger Beschwerdefreiheit bis hin zu Symptomen, die eine ärztliche Behandlung erforderlich machen. „Die Infektionen können symptomfrei verlaufen oder mit unspezifischen Symptomen wie Fieber und allgemeinem Unwohlsein einhergehen“, erklärt Gentile. „In seltenen Fällen überschreitet das Virus jedoch die Blut-Hirn-Schranke und es kann zu einer Beeinträchtigung des Zentralnervensystems kommen, die zu Meningitis oder Enzephalitis führt. Unter solchen Umständen“, fährt er fort, „treten Symptome wie sehr starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Verwirrtheit und andere neurologische Störungen auf. Dies sind Anzeichen, die den Patienten sofort alarmieren sollten und eine dringende ärztliche Untersuchung erforderlich werden lassen.“
Da es weder spezifische antivirale Medikamente noch Impfstoffe gibt, ist die Verhaltensprophylaxe unsere wichtigste Waffe. „Derzeit gibt es weder spezifische antivirale Medikamente noch spezielle Impfstoffe“, betont der Infektiologe. „Was wir tun können und müssen, ist, die Überträger zu bekämpfen und die Gefahr von Stichen zu verringern.“
Im Hinblick auf die individuelle Prävention ist es sinnvoll, Insektenschutzmittel aufzutragen, helle und den Körper bedeckende Kleidung zu tragen – vor allem nach Sonnenuntergang – und die Wohnungen mit Fliegengittern auszustatten. Dabei ist entscheidend, dass diese sehr feinmaschig sind, da die Sandfliegen aufgrund ihrer geringen Größe Standardgitter durchdringen können.“
Der Infektiologe schlägt zudem praktische Lösungen vor, um den Wohnkomfort in Sommernächten zu verbessern. „Zur Prävention gehört auch die Gestaltung geschlossener Räume“, betont er. „Das Schlafen in klimatisierten Zimmern ist sehr hilfreich, aber auch ein einfacher Ventilator kann wirksam sein, da Sandmücken schwache Flieger sind und schon ein geringer Luftzug ihren Flug behindert.“
Abschließend lässt sich sagen, dass die Infektion, an der Tommaso Paradiso erkrankt ist, zu den saisonalen, durch Vektoren übertragenen Krankheiten gehört. Sie sollte jedoch keinen Anlass zu kollektiver Besorgnis geben. „Es gibt keinen Grund zur Panik. Wir haben es weder mit einer neuen Epidemie noch mit einem von Mensch zu Mensch übertragbaren Virus zu tun“, erklärt Gentile. „Man muss jedoch bedenken, dass es in Italien verschiedene durch Insekten übertragene Krankheiten gibt, die – wenn auch selten – zu schwerwiegenden neurologischen Komplikationen wie diesen führen können. Zusammenfassend lässt sich sagen: kein Grund zur Beunruhigung, aber die Umsetzung kleiner, konsequenter Vorsichtsmaßnahmen im Alltag, um das Risiko auf ein Minimum zu reduzieren.“

Dem angesehenen Infektiologen zufolge besteht also kein Grund zur Besorgnis, da das Virus die Erkrankten bestenfalls zu einer Auszeit zwingt. Sollte sich jedoch ein schwerer Verlauf einstellen, ist sofort ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.





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