Das Rathaus von Limoges brennt lichterloh

1.200 Festnahmen bei Ausschreitungen in Frankreich

Sonntag, 18. Oktober 2026 | 00:36 Uhr

Von: importer

Bei den Ausschreitungen am Rande von Massenprotesten in Frankreich sind nach Angaben der Regierung rund 1.200 Menschen festgenommen worden. 150 Polizisten seien am Samstag verletzt worden, sagte Premierminister Sébastien Lecornu am späten Samstagabend bei einem Besuch von Einsatzkräften in Paris. In der zentralfranzösischen Großstadt Limoges kämpften Feuerwehrleute gegen einen von Randalierern gelegten Brand, der das große historische Rathaus weitgehend zerstörte.

Lecornu sprach von “Gewalt von einer extremen Intensität”. Es sei “ein Wunder, dass die Bilanz heute Abend nicht noch schlimmer ausfällt”, sagte der Premier. Die Polizei habe sich den ganzen Tag über “einer besonders gewalttätigen Ultralinken” gegenübergesehen, “einer sehr gut organisierten, undurchsichtigen Gruppe, die methodisch versuchte, Eigentum, Personen, aber auch die Institutionen der Republik anzugreifen”, sagte Lecornu. Es handle sich “um ein politisches Manöver, das Gewalt billigt”. Er betonte: “Wir lassen uns davon nicht einschüchtern.”

Justizminister Gérald Darmanin sprach von “Ausschreitungen von beispiellosem Ausmaß, die auch derzeit noch andauern”. Er habe “alle Generalstaatsanwälte und Staatsanwälte erneut aufgefordert, eine äußerst entschlossene juristische Reaktion zu zeigen, die der Gewalt, die unser Land heimgesucht hat, angemessen ist”, erklärte der Minister.

An dem landesweiten Protesttag gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem hatten nach Regierungsangaben rund 550.000 Menschen teilgenommen. Die Organisatoren sprachen von rund 800.000 Demonstranten.

Auseinandersetzungen mit der Polizei

Am Rande der Demonstrationen war es an vielen Orten zu Gewalt und zu Auseinandersetzungen zwischen den Teilnehmern und der Polizei gekommen. In mehreren Städten standen Gebäude in Flammen, Rathäuser wurden beschädigt, Geschäfte geplündert. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verurteilte die Gewalt auf das Schärfste und kündigte eine rigorose Strafverfolgung an.

Die französische Polizeigewerkschaft UNSA warnte, die Einsatzkräfte seien am Rande der Belastbarkeit. “Unsere Kollegen werden im ganzen Land als Prügelknaben benutzt”, hieß es in einer Erklärung. “Die Lage ist zum Zerreißen gespannt.” Die Taktik der Polizei war zuletzt nach Verletzungen bei Demonstranten in die Kritik geraten.

Auch in anderen europäischen Ländern kam es am Samstag zu Protesten. In Belgien, Portugal und Italien gingen Menschen wegen steigender Lebenshaltungskosten auf die Straße.

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