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Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt liegt das amtierende Staatsoberhaupt Ilijana Jotowa ersten Prognosen zufolge vorn. Zwei Nachwahlbefragungen, die nach Schließung der Wahllokale am Sonntagabend veröffentlicht wurden, ergaben für Jotowa rund 51 Prozent der Stimmen. Ihr Konkurrent, der frühere Interims-Regierungschef Andrej Gjurow, kam auf 43 bis 45 Prozent. Mit einem offiziellen Ergebnis der Stichwahl wird am Montag gerechnet.
Die 62-jährige Jotowa gehört dem Lager des als russlandfreundlich geltenden Regierungschefs, Rumen Radew, und seiner Mitte-Links-Partei Progressives Bulgarien (PB) an. Gjurow hingegen wird von pro-westlichen und reformorientierten Parteien unterstützt. Im ersten Wahlgang vor einer Woche mit 27 Kandidatinnen und Kandidaten hatte Jotowa zwar die meisten Stimmen erhalten (34,76 Prozent), die absolute Mehrheit bei einer historisch niedrigen Wahlbeteiligung von 23 Prozent jedoch verfehlt. Laut den Nachwahlbefragungen lag die Wahlbeteiligung nun bei etwa 27 bis 29 Prozent und damit etwas höher als bei der ersten Runde.
Die Wahl zu dem weitgehend repräsentativen Amt fand vor dem Hintergrund von Drohnenangriffen vor der bulgarischen Küste statt. Dort waren in den vergangenen Wochen Behördenangaben zufolge mindestens sechs Handelsschiffe von Drohnen attackiert worden. Dies schürte Sorgen in dem EU- und NATO-Land vor einer Ausweitung des Ukraine-Kriegs. Die Ukraine macht Russland für die Angriffe verantwortlich. Auch Radew erklärte, die Attacken schienen für Russland von Vorteil zu sein. Moskau wies eine Verantwortung jedoch zurück. Jotowa und Gjurow verurteilten die Angriffe und forderten ein diplomatisches Ende des Krieges.
Jotowa seit Jänner im Amt
Sollte Jotowa die Wahl gewinnen, wäre sie die erste direkt gewählte Präsidentin Bulgariens. Sie hatte das Amt im Jänner kommissarisch übernommen, nachdem Radew zurückgetreten war, um bei der Parlamentswahl im April anzutreten, die er mit einem russlandfreundlichen Programm gewann. Radew lehnt militärische Unterstützung für die Ukraine ab und warb für bessere Beziehungen zu Moskau sowie die Wiederaufnahme russischer Öl- und Erdgaslieferungen. Er sicherte aber nach seiner Wahl eine pro-europäische Politik zu.
Der 50-jährige Gjurow, der in diesem Jahr als Übergangs-Ministerpräsident amtierte, gilt als Unterstützer der Ukraine und hatte während seiner Amtszeit ein Sicherheitsabkommen mit der Regierung in Kiew unterzeichchnet. Auch mehrere konservative und rechtsgerichtete Politiker wie Ex-Ministerpräsident Bojko Borissow sprachen sich für Gjurow aus.
Wahl als Test für Regierung
Steigende Lebenshaltungskosten und teure Treibstoffe bereiten den Menschen in einem der ärmsten EU-Länder immer mehr Sorgen. Die Präsidentschaftswahl gilt als Test für die Regierung nach einem halben Jahr im Amt.
Rund 6,5 Millionen Wahlberechtigte konnten ihre Stimme abgeben. In der Wahlnacht wird kaum mit amtlichen Ergebnissen gerechnet.




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