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Nach dem Vorfall mit einer Sprengstoffdrohne am Flughafen Leipzig/Halle baut die deutsche Bundesregierung die Abwehrkapazitäten aus. Die Drohnenabwehreinheit der Bundespolizei soll von 130 auf 300 Einsatzkräfte vergrößert werden, bestätigte das Innenministerium in Berlin. Unterdessen wurde einem unbestätigten “Bild”-Bericht zufolge in Leipzig eine konkrete DNA-Spur gefunden, die mit einem früheren Anschlag mit Verbindung zum russischen Geheimdienst identisch sei.
Erst im Dezember 2025 hatte Innenminister Dobrindt angesichts der gestiegenen Bedrohung – vor allem durch Russland – eine neue Einheit in Dienst gestellt, die unbemannte Luftfahrzeuge aufspüren, abfangen und gegebenenfalls auch abschießen soll. Am Montag gab eine Sprecherin des Innenministeriums deren personellen Ausbau bekannt. Die Drohnenabwehreinheit der Bundespolizei solle künftig auch von acht statt aktuell von vier Standorten aus operieren, sagte die Sprecherin. Ressortchef Alexander Dobrindt (CSU) sollte demnach noch am Montag eine entsprechende Weisung an die Bundespolizei erteilen.
Alle Flughäfen, für die die Bundespolizei zuständig sei, würden bis Jahresende “mit mobiler Drohnenabwehrtechnik” ausgestattet, sagte die Sprecherin des Innenministeriums. “Priorisiert sind die acht Großflughäfen Frankfurt am Main, München, Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Köln-Bonn, Stuttgart und Leipzig-Halle.”
Absage an Bundeswehreinsatz
Mehrere Politiker hatten zuletzt Gesetzesänderungen für eine effektivere Abwehr der Bedrohung durch Drohnen ins Spiel gebracht. Die deutsche Bundesregierung verweist ihrerseits auf bereits umgesetzte Änderungen, etwa im Luftsicherheitsgesetz. Der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille sagte, bei der Drohnenabwehr sehe sich die Bundesregierung, was die rechtliche Lage angehe, gut aufgestellt.
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hat sich angesichts der Bedrohungslage durch Drohnen dafür ausgesprochen, dass Bundeswehreinsätze auch im Inneren ermöglicht werden sollten. “Weil man bei Drohnen kaum unterscheiden kann, ob es sich um eine außenpolitische oder innenpolitische Bedrohung handelt. Und deswegen, glaube ich, müssen wir auch über eine Änderung des Grundgesetzes sprechen, und ich hoffe auch, dass wir da zu Ergebnissen kommen”, sagte Günther dem Deutschlandfunk.
Für eine Änderung des Grundgesetzes wäre eine Zweidrittelmehrheit in Bundestag und Bundesrat nötig. Im Nachrichtensender Welt TV sagte der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner: “Sich jetzt über Grundgesetzänderungen zu unterhalten, macht relativ wenig Sinn. Wir haben übrigens gar keine grundgesetzändernde Mehrheit im Augenblick im Bundestag und im Bundesrat.” Ob es in der Sache vernünftig wäre, darüber könne man streiten.
Das deutsche Verteidigungsministerium sah seinerseits keine Kapazitäten für einen Einsatz der Bundeswehr an Flughäfen. Es seien “zu viel Fläche, zu viel Raum, zu viel Kilometer”, die die Bundeswehr dann schützen müsste, sagte ein Sprecher.
“Bild”-Bericht über konkrete DNA-Spur in Leipzig
Im Fall der Leipziger Drohnen-Attacke gibt es laut einem Bericht der “Bild”-Zeitung eine konkrete DNA-Spur. Diese ist demnach identisch mit einer Spur, die bereits in Zusammenhang mit dem Brandanschlag auf das DHL-Logistikzentrum in Leipzig vom 20. Juli 2024 registriert worden war. Für die damalige Serie von Paket-Brandsätzen sehen europäische Ermittler eine Verbindung zum russischen Militärgeheimdienst GRU.
Die aktuelle DNA-Spur wurde laut dem Bericht in der europäischen DNA-Datenbank wiederentdeckt. Wegen der Vorfälle vom Sommer 2024 stehen derzeit in Litauen fünf Männer vor Gericht. Ihnen wird vorgeworfen, damals vier Brandsätze in Paketen durch Europa geschickt zu haben. Einer der Brandsätze fing am Leipziger Flughafen Feuer – aufgrund einer Verspätung jedoch nicht, wie es wohl eigentlich geplant war, an Bord einer DHL-Frachtmaschine.
DNA-Spur laut “Bild” noch keiner Person zugeordnet
Die betreffende DNA-Spur konnte laut “Bild” jedoch bisher nicht einer bestimmten Person zugeordnet werden. Sie sei aber in Litauen registriert worden. In Verbindung mit den damaligen Paketbomben haben europäische Ermittler demnach bisher insgesamt 22 Verdächtige identifiziert, die alle Verbindungen nach Russland haben sollen – nach Angaben der EU-Justizbehörde Eurojust auch zum GRU-Geheimdienst, hieß es.
Die deutsche Bundesanwaltschaft kommentierte den Bericht nicht. Derzeit würden keine weiteren Auskünfte erteilt, erklärte eine Sprecherin der Behörde in Karlsruhe. Die Ermittlungen dauerten an. Die Bundesanwaltschaft hatte diese wegen der besonderen Bedeutung des Vorfalls übernommen.
Sprengdrohne flog direkt zu ukrainischer Maschine
Vergangene Woche war in der Nacht zum Mittwoch am Leipziger Flughafen eine Drohne gefunden worden. Videoaufnahmen ergaben inzwischen laut Medienberichten, dass diese vier Stunden zuvor gezielt die Tragfläche einer dort geparkten ukrainischen Frachtmaschine anflog und darauf aufprallte – dort wo sich auch der Treibstofftank befindet.
Die Drohne war mit einem Sprengstoffpaket versehen, das aber aus unbekannten Gründen nicht detonierte. “Wäre die Drohne dort explodiert, hätte es ein Inferno gegeben”, zitierte “Bild” einen Ermittlungsbeamten. In dem aktuellen Fall hatte sich die Bundesregierung bisher nur sehr zurückhaltend zu einer russischen Urheberschaft geäußert. Dafür spricht unter anderem, dass Frachtmaschinen von Leipzig aus regelmäßig militärische Ausrüstung für die Ukraine transportieren.




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