Von: Martin Geier
Bozen/Tramin/Orvieto – Wenig hat die politischen Gemüter zuletzt mehr erhitzt als der Gast-Auftritt des AfD-Jungpolitikers Jean-Pascal Hohm beim Landesjugendtreffen der Süd-Tiroler Freiheit. Für die „Patrioten” ging die Rechnung voll auf. Da die AfD in Deutschland von Wahlsieg zu Wahlsieg eilt, erhielt das sonst eher wenig beachtete Treffen der jungen STFler eine Aufmerksamkeit, die es ohne den aufgehenden Politstern am blauen AfD-Himmel nie erhalten hätte. „Meine Begeisterung für Südtirol und für euren Freiheitskampf besteht nicht erst seit gestern“, betonte Hohm in seiner Rede.
Zurecht träumen die „Patrioten” daher davon, auf der blauen Erfolgswelle mitzusurfen und im Windschatten der Erdrutschsiege in Deutschland der SVP ein ähnliches Schicksal zu bereiten, wie es derzeit ihre Schwesterpartei CDU nördlich der Alpen erleiden muss. Entsprechend erwarten sie Unterstützung für ihre politischen Vorhaben.

Schade nur, dass die AfD nicht nur in Tramin, sondern auch in Orvieto auf der Hochzeit tanzt. Dort festigte Roberto Vannaccis neue politische Bewegung Futuro Nazionale eine enge Achse mit der AfD. Die deutsche Partei übermittelte formelle Unterstützung und betonte das Ziel einer zukünftigen Regierungszusammenarbeit. Der AfD-Europaabgeordnete Marc Jongen, der als offizieller Vertreter der AfD-Führung auf dem Kongress von Futuro Nazionale auftrat, fungierte dabei als diplomatisches Bindeglied zwischen der deutschen und der neuen italienischen Rechten. Er überbrachte Grußbotschaften von Alice Weidel und erklärte Futuro Nazionale offiziell zur „Schwesternpartei“ der AfD.
Wohlgemerkt handelt es sich bei der vom ehemaligen italienischen General und EU-Abgeordneten Roberto Vannacci gegründeten Bewegung Futuro Nazionale um eine rechtsextreme und souveränistische politische Partei am äußersten rechten Rand des italienischen Politspektrums – also eine Bewegung, die politisch nicht weiter von der Süd-Tiroler Freiheit entfernt sein könnte.

Mit seiner harschen Kritik, dass die AfD die Abspaltung Südtirols von Italien aktiv unterstütze und fördere, legte Italiens Außenminister Antonio Tajani den Finger in die offene Wunde. Marc Jongen beeilte sich, die Gemüter wieder zu beruhigen: „Doch das ist alles Vergangenheit. Außerdem war Südtirol ein Teil Österreichs und nicht Deutschlands.“

Seit dem Jahr 2017, als Kataloniens „Kampf gegen Madrid” nach zwei Jahrzehnten krachend gescheitert ist, wissen alle insgeheim, dass eine Abspaltung oder ein eigener Staat jeglicher rechtlicher, wirtschaftlicher und politischer Grundlage entbehren und bestenfalls als Spiegelfechterei zum Aufheizen der Gemüter taugen.
Abseits von Lippenbekenntnissen dürften die AfD und Futuro Nazionale daher ihre Gemeinsamkeiten – etwa eine restriktive Migrationspolitik inklusive umfassender „Remigration“, Friedensverhandlungen mit Russland, „keinen Euro mehr für die Ukraine“ und ein traditionelles Familienbild – betonen. Die „Patrioten” können also ruhig träumen, doch die AfD tanzt auf beiden Hochzeiten.




Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen